Mamdani gewinnt – droht New York jetzt der Kapitalflucht?

Veröffentlicht am 13.11.2025, 07:23

Seit über einem Jahrhundert gilt New York City als das pulsierende Herz des globalen Kapitalismus. Umso größer war der Schock, als die Stadt in diesem Monat mit Zohran Mamdani, einem selbsternannten demokratischen Sozialisten, einen neuen Bürgermeister wählte.

Mamdani, 34, wird damit nicht nur der jüngste Bürgermeister seit mehr als 100 Jahren, sondern zugleich der erste Muslim in diesem Amt. Noch zu Beginn des Jahres war er nahezu unbekannt – doch er setzte sich gegen den ehemaligen Gouverneur Andrew Cuomo durch, unterstützt von US-Präsident Donald Trump. Ob diese Rückendeckung ihm tatsächlich geholfen hat, darf allerdings bezweifelt werden.

Aufstieg eines neuen Populismus

Populismus galt lange als Markenzeichen der politischen Rechten – man denke an Trump oder den Brexit. Inzwischen zeigt sich jedoch eine neue, linke Ausprägung dieser Bewegung. Mamdanis Botschaften – Mietendeckel, Unterstützung für kleine Unternehmen und ein Mindestlohn von 30 Dollar – trafen vor allem bei jungen Wählern auf breite Zustimmung. Laut Umfragen stimmten 78 % der New Yorker unter 30 Jahren für ihn, während nur 18 % Cuomo ihre Stimme gaben.

Der Investor Kevin O’Leary („Mr. Wonderful“) schrieb auf LinkedIn, Mamdani habe „einen fantastischen Job gemacht, weil er die sozialen Medien verstanden hat“. In der heutigen Aufmerksamkeitsökonomie ist der Algorithmus tatsächlich König. Genau dieser Mechanismus veranlasste Elon Musk im Jahr 2022, Twitter zu übernehmen – und spielte wohl auch bei Donald Trumps politischem Comeback eine zentrale Rolle.

Zugleich wächst bei jungen Menschen das Misstrauen gegenüber traditionellen Institutionen. Stattdessen wenden sie sich Alternativen zu – sei es in der Politik oder in Form dezentraler Vermögenswerte wie Bitcoin und Stablecoins.

Progressiver Kurs – wirtschaftliche Risiken

Ein Teil von Mamdanis Programm erinnert an klassische Wirtschaftsförderung: niedrigere Gebühren, beschleunigte Genehmigungsverfahren und eine digitalisierte Verwaltung. Doch seine progressiven Kernforderungen – ein Mindestlohn von 30 Dollar, kostenlose Busse und kostenlose Kinderbetreuung – sorgen bei Unternehmern und Steuerzahlern für Unbehagen.

Für viele kleine Betriebe machen Löhne bereits 15 bis 30 % der Einnahmen aus. Zusätzliche Belastungen könnten Investitionen ausbremsen. Maßnahmen wie Mietendeckel oder die Verstaatlichung von Versorgungsunternehmen mögen populär klingen, bergen jedoch das Risiko, privates Kapital abzuschrecken.

BCA Research bringt es auf den Punkt:

„Mamdani wird es schwer haben, NYC zu regieren und sein Programm der kostenlosen Dinge umzusetzen.“

Flucht aus New York

Große Unternehmen reagieren bereits. JPMorgan Chase, Goldman Sachs und Citigroup haben Tausende Arbeitsplätze von New York nach Texas und Florida verlagert – in Regionen mit niedrigeren Steuern und weniger Regulierung.

Nach Angaben der National Taxpayers Union Foundation (NTUF) haben diese beiden Bundesstaaten in den vergangenen zehn Jahren zusammen rund 250 Mrd. USD an bereinigtem Einkommen hinzugewonnen, während New York 111 Mrd. USD verlor.

Im State Competitiveness Index 2026 der Tax Foundation belegt New York bei den Unternehmenssteuern den letzten Platz. Mit einer kombinierten Spitzensteuer von fast 15 % bieten andere Bundesstaaten inzwischen deutlich attraktivere Standortbedingungen.

Das Kernproblem: Die reichsten 1 % der Steuerzahler tragen rund 40 % der städtischen Einkommensteuer. Sollte diese Gruppe das Vertrauen verlieren – und der Stadt den Rücken kehren –, droht New York ein erheblicher Einnahmeverlust.

Kapitalismus im Wandel

Mamdanis Wahlsieg steht sinnbildlich für den Wertewandel einer ganzen Generation. Laut einer Gallup-Umfrage bewerten nur noch 54 % der Amerikaner den Kapitalismus positiv – vor wenigen Jahren waren es noch 60 %. Unter den Demokraten zeichnet sich ein noch deutlicheres Bild ab: Mehr von ihnen sehen den Sozialismus inzwischen positiver als den Kapitalismus.

Veränderte Ansichten der amerikanischen Bevölkerung zu Kapitalismus und Sozialismus

Der Risikokapitalgeber Peter Thiel brachte es bereits 2020 in einer E-Mail auf den Punkt:

„Wenn es zu viele Studentenschulden gibt oder das Wohnen unerschwinglich ist, besitzt man negatives Kapital. Und wer keinen Anteil am System hat, wendet sich irgendwann dagegen.“

Gold als letzter Zufluchtsort?

Politische Veränderungen gehen häufig wirtschaftlichen Umbrüchen voraus. Sollte der Trend anhalten, dass Unternehmen in wachstumsfreundlichere Bundesstaaten wie Florida, Texas oder Tennessee abwandern, könnten sich dort attraktive Chancen in den Bereichen Immobilien, Infrastruktur und Kommunalanleihen eröffnen.

Gleichzeitig dürften Sektoren profitieren, die im Einklang mit Mamdanis Agenda stehen – etwa erneuerbare Energien, sozialer Wohnungsbau oder der öffentliche Nahverkehr. Diese Bereiche könnten durch neue Finanzierungsströme zusätzlichen Auftrieb erhalten.

Ich bin zuversichtlich, dass sich die Märkte anpassen werden. Bis dahin erscheint es sinnvoll, auf Sachwerte wie Gold und Silber zu setzen – klassische Anlageformen, die Investoren in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit traditionell bevorzugen. Tatsächlich verzeichneten laut Daten von Lipper Goldminenfonds in den USA im dritten Quartal Zuflüsse von rund 5,4 Mrd. US-Dollar – der höchste Wert in einem einzelnen Quartal seit Dezember 2009.

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Aktuelle Kommentare

Stichwort: Dekommodifizierung. Schaut euch doch mal zum Beispiel das Gesundheitssystem in den USA an. Die Pumpen, so viel Geld in das System und die Menschen sind trotzdem massiv unterversorgt. Viele Länder haben eine bessere Versorgung und haben prozentual geringere Ausgaben. Immer weniger Menschen haben Zugang zur Bildung oder gesundheitlicher Versorgung. Ein Problem, dass auch bei uns erstarkt. Dabei wird vergessen, dass jeder Firma und jeder Mensch, der in unserer Gesellschaft Erfolg hat, diesen Erfolg nicht allein sich selbst zu bedanken hat, sondern hauptsächlich der Gesellschaft, ihren regulatorischen Bedingungen, ihrer Infrastruktur, Subventionen etc, denen sie ihren ganzen Wohlstand zu verdanken haben. Wer glaubt, er habe seinen ganzen finanziellen Wohlstand alleine sich selbst zu verdanken, könnte falscher nicht liegen.
Da wird mit Abwanderung der Industrie und allen möglichen anderen Horrorszenarien gedroht. Das Bürgergeld wird als Hauptschuldiger ausgemacht, obwohl unsere Ausgaben für Bürgergeld gerade mal bei 7 % des gesamten Haushalts liegen. Unsere gesamten Ausgaben für Soziales,, liegen unter den Ausgaben von Frankreich oder anderen europäischen Ländern. Vielleicht merkt er die Mitterschicht instinktiv, dass die Schicht über Ihnen nichts mehr zahlen muss und so stellt die Mittelschicht infrage, für alle zu zahlen, die unter Ihnen stehen. Die Schlussfolgerung der Gesellschaft sollte aber sein, endlich die Hauptschuld ledigen, wieder in die finanzielle Verantwortung zurückzuholen. Selbst unsere Ausgaben für Bildung, stagnieren seit vielen Jahren, obwohl wir einen viel höheren Bedarf haben. Leider leben wir aber in einer Zeit, in der einer Steuerflucht, der ganz hohen Einkommen auch noch applaudiert wird, statt sie an dem Pranger zu stellen, wo sie hingehört.
pro badge
Leider darf jeder dahergelaufener schreiben, was er möchte. Bildungsgrad....
nennt man Demokratie, Frau Schwarz.
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