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2025 war chaotisch - und 2026 könnte noch turbulenter werden, zumindest wenn man die Ereignisse dieses Wochenendes zugrunde legt. Vor diesem Hintergrund hat James Smith eine Auswahl der wichtigsten Charts für das neue Jahr zusammengestellt. Teil zwei folgt in Kürze an dieser Stelle.
1. Werden die Zölle im Jahr 2026 wieder abgeschafft?
In den kommenden Wochen wird der Supreme Court of the United States darüber entscheiden, ob Donald Trump seine Notstandsbefugnisse rechtmäßig genutzt hat, um Zölle auf Länderebene zu verhängen. Wettmärkte beziffern die Wahrscheinlichkeit einer Niederlage des Präsidenten dabei auf 70 bis 80 Prozent - und Signale aus dem Weißen Haus deuten darauf hin, dass man sich dort bereits auf ein entsprechendes Urteil vorbereitet.
Sollte das Gericht die Maßnahme kippen, würden die sogenannten „gegenseitigen“ Zölle wegfallen. Der durchschnittliche Zollsatz würde damit von derzeit rund 16 bis 17 % (auf dem Papier) auf unter 10 % sinken - ein Schritt, der vermutlich ein chaotisches Ringen um Erstattungsansprüche nach sich ziehen würde. Entscheidend ist jedoch weniger das Urteil selbst als vielmehr die Frage, wie der Präsident darauf reagiert.
Die jüngste Intervention in Venezuela - politisch heikel für seine republikanische Basis - könnte darauf hindeuten, dass Trump bereit ist, zentrale Elemente seiner wirtschaftspolitischen Agenda noch einmal zu überdenken. Sollten ihm die Notstandsbefugnisse entzogen werden, werden seine Handlungsmöglichkeiten in der Zollpolitik deutlich komplexer und weniger eindeutig.
Als Übergangslösung käme ein pauschaler Zollsatz von 15 % auf alle Importe in Betracht, der allerdings auf 150 Tage begrenzt wäre. Dauerhafte, sektorspezifische Zölle würden hingegen umfangreiche Untersuchungen erfordern und wären - wie Carsten in unserer Prognose für 2026 betonte - wirtschaftlich schädlich. Unabhängig vom gewählten Weg dürfte der Präsident jedoch ein zentrales Ziel verfolgen: die Zolleinnahmen aufrechtzuerhalten, um dem Kongress seine geplanten „Zollrabattschecks“ verkaufen zu können.
Angesichts sinkender Zustimmungswerte im Vorfeld der Zwischenwahlen - und nachdem bereits einige lebensmittelbezogene Abgaben gesenkt wurden - sind weitergehende Zollsenkungen keineswegs ausgeschlossen, sollte der politische Druck zunehmen. Das gilt unabhängig davon, wie der Supreme Court letztlich entscheidet.
Kurz gesagt: Dagegen zu wetten, wäre mutig.
Wie sich Trumps Zölle seit dem „Tag der Befreiung“ verändert haben

Quelle: Weißes Haus, USA Handel, ING
2. Wird sich die Fed dem politischen Druck beugen und die Zinsen senken?
Es ist der sprichwörtliche „Kampf der Kevins“, der sich im Vorfeld von Trumps anstehender Entscheidung über den nächsten Vorsitz der US-Notenbank abzeichnet. Laut der Wettplattform PredictIt hat der ehemalige Fed-Gouverneur Kevin Warsh zuletzt knapp die Führung übernommen - noch vor Kevin Hassett, dem Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats.
Unabhängig davon, wer letztlich nominiert wird, gilt es jedoch, einen zentralen Punkt nicht aus den Augen zu verlieren: Der Fed-Vorsitzende verfügt lediglich über eine von zwölf Stimmen im geldpolitischen Entscheidungsgremium. Selbst die von Trump ernannten Gouverneure Michelle Bowman und Christopher Waller haben bislang keine drastischen Zinssenkungen gefordert - trotz ihrer Rolle im Rennen um den Vorsitz.
Zudem wurden im vergangenen Monat alle zwölf regionalen Fed-Präsidenten, die turnusmäßig stimmberechtigt sind, ohne größere Kontroversen wiederernannt. Dies geschah trotz vorheriger Befürchtungen, eine politischere Ausrichtung der Fed könnte dazu führen, gezielt nur geldpolitische „Tauben“ im Amt zu halten. Tiefgreifende Zinssenkungen sind damit selbst unter einem neuen Vorsitzenden keineswegs sicher - auch wenn dessen Ernennung auf eine aktivere Rolle der Zentralbank hindeuten könnte.
Noch größer dürfte jedoch die Aufmerksamkeit für ein anderes Thema werden: Am 21. Januar beginnt ein Verfahren vor dem Supreme Court of the United States, das klären soll, ob der Präsident die Fed-Gouverneurin Lisa Cook entlassen darf. Ein Urteil gegen Cook könnte theoretisch den Weg für weitergehende Absetzungen ebnen - und damit für eine deutlich politischere Federal Reserve. Fällt die Entscheidung hingegen anders aus, dürfte sich die Zusammensetzung der Fed frühestens 2028 ändern, wenn die Amtszeit des amtierenden Vorsitzenden Jerome Powell endet – sofern er nicht zuvor freiwillig zurücktritt.
Derzeit wird Kevin Hassett von den Wettmärkten dennoch als Favorit für den Vorsitz der Fed gehandelt.

Quelle: Macrobond
3. Wird die Arbeitslosigkeit in den USA weiter steigen?
Erinnern Sie sich an die Sahm-Regel? Sie signalisiert typischerweise eine Rezession, wenn die durchschnittliche Arbeitslosenquote der vergangenen drei Monate mehr als 0,5 Prozentpunkte über ihrem jeweiligen 12-Monatstief liegt. Eine Ausnahme bildete das Jahr 2024, als sich ein kurzfristiger Anstieg - ausgelöst durch starke Zuwanderung - im Nachhinein als Fehlalarm erwies. Mehr Arbeitskräfte trafen auf den Markt, ohne sofort Beschäftigung zu finden, was die Quote vorübergehend nach oben trieb.
Ein ähnlicher Mechanismus könnte heute jedoch nicht mehr greifen. Die Nettozuwanderung ist stark rückläufig - von 2,8 Millionen im Jahr 2024 auf 0,4 Millionen im Jahr 2025 und 0,6 Millionen in diesem Jahr, wie das Congressional Budget Office schätzt.
Das mag einen Teil der schwächeren monatlichen Beschäftigungszahlen erklären, nicht jedoch den Anstieg der Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig mehren sich die Hinweise auf eine nachlassende Nachfrage nach Arbeitskräften. In den meisten aktuellen Verbraucherumfragen rechnen die Befragten inzwischen mit weiter steigender Arbeitslosigkeit, während sich die jüngsten Lohnzuwächse im Wesentlichen auf nur drei Sektoren konzentrieren.
Entscheidend dürften daher die Arbeitsmarktdaten am Freitag werden. Der Konsens erwartet, dass die Arbeitslosenquote angesichts nachlassender Verzerrungen im Umfeld des Regierungs-Shutdowns wieder auf 4,5 % zurückgeht. Bleibt diese Erholung jedoch aus, rückt die Sahm-Regel erneut in den Fokus.
Ob sie sich diesmal als verlässlicher Frühindikator erweist, bleibt offen. In jedem Fall stärkt eine anziehende Arbeitslosigkeit die Argumente für frühere Zinssenkungen durch die Fed. Wir rechnen weiterhin mit Zinsschritten im März und Juni und schließen Leitzinsen unter 3 % nicht aus, sollte sich der Arbeitsmarkt weiter abschwächen.
Die meisten US-Verbraucher rechnen mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit

Rezessionszeiträume nach Einschätzung des NBER; Quelle: Macrobond, ING
4. Wird die europäische Industrie zu neuem Leben erwachen?
Vor dem Hintergrund von Chinas Aufstieg in der globalen Wertschöpfungskette und der dortigen Überkapazitäten sind die verhaltenen Perspektiven für den europäischen Industriesektor seit Jahren bekannt. Neu ist jedoch, dass sich in den jüngsten Daten erstmals klare Anzeichen einer Stabilisierung zeigen.
So liegt der PMI des verarbeitenden Gewerbes zwar weiterhin unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, hat sich jedoch im gesamten Jahr 2025 kontinuierlich verbessert. Auch der Industrie-Stimmungsindikator der European Commission signalisiert zunehmenden Optimismus. Rückenwind kommt zusätzlich von der Kostenseite: Sinkende Energiepreise dürften die Erholung weiter unterstützen. Unser Rohstoffteam erwartet, dass Erdgas trotz niedriger Lagerbestände günstig bleibt. Zudem gehen wir davon aus, dass die Ölpreise selbst nach den Ereignissen vom vergangenen Wochenende dauerhaft unter 60 USD pro Barrel fallen werden.
Flankierend wirken auch staatliche Maßnahmen. Zu nennen sind etwa die deutschen Subventionen für Energiepreise in energieintensiven Industrien. Hinzu kommt ein wichtiger fiskalischer Faktor: 2026 gilt das Prinzip „use it or lose it“ für den Post-COVID Recovery and Resilience Fund, der bis Ende 2024 erst zur Hälfte ausgeschöpft war. Diese Mittel dürften insbesondere Spanien und Italien in diesem Jahr einen spürbaren Investitionsimpuls verschaffen.
In der Summe sprechen diese Faktoren dafür, dass sich das industrielle Umfeld in Europa weiter stabilisiert. Vor diesem Hintergrund erwarten wir, dass die European Central Bank an ihrem derzeitigen Kurs festhält - zusätzliche Zinssenkungen rechnen wir in diesem Jahr nicht ein.
Steigende Produktionserwartungen im gesamten Industriesektor

Quelle: Macrobond, ING
5. Wird die Inflation in Europa 2026 sinken?
Nicht nur die Aussicht auf eine allmähliche Belebung der Industrie dürfte bei Christine Lagarde für Zuversicht sorgen – auch die Inflationsentwicklung verläuft bislang erfreulich. Und vieles spricht dafür, dass sich dieser Trend fortsetzt.
Dabei spielen nicht nur die rückläufigen Energiepreise eine Rolle. Auch bei anderen zentralen Komponenten zeichnet sich Entlastung ab. Die Lebensmittelinflation war 2025 eines der dominierenden Themen, dürfte jedoch 2026 spürbar nachlassen. Eine auffällige Ausnahme bildet dabei Großbritannien.
Dort liegt die Inflation in den Supermärkten weiterhin auf dem höchsten Niveau in Westeuropa sowie in den MOE3-Staaten Polen, Slowakische Republik und Tschechische Republik, die das Vereinigte Königreich üblicherweise übertreffen – auch wenn im November eine leichte Abschwächung zu beobachten war. Steuererhöhungen im vergangenen Jahr sowie die Anhebung des National Living Wage (gesetzlicher Mindestlohn) haben den Kostendruck zusätzlich verstärkt und an die Verbraucher weitergegeben.
Gleichzeitig fällt es schwer, sich vorzustellen, dass die Lebensmittelinflation im Vereinigten Königreich dauerhaft vom internationalen Trend abgekoppelt bleibt. In einem Umfeld, in dem sich der Arbeitsmarkt abkühlt und das Lohnwachstum deutlich an Dynamik verliert, steht die Bank of England weiterhin vor schwierigen Abwägungen. Der Ton der Dezember-Sitzung fiel überraschend hawkisch aus, weshalb eine Zinssenkung im Februar weniger wahrscheinlich erscheint. Dennoch halten wir zwei Zinsschritte in der ersten Jahreshälfte weiterhin für realistisch – voraussichtlich im März und im Juni.
Die hohe Lebensmittelinflation in Großbritannien dürfte kein Dauerzustand sein

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