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Silber - Kleiner Mann ganz groß?

Von Robert HalverRohstoffe21.10.2020 10:31
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Silber - Kleiner Mann ganz groß?
Von Robert Halver   |  21.10.2020 10:31
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Auch wenn aufgrund des Mehrheitswahlrechts die Umfragen zur US-Präsidentschaftswahl nicht eindeutig richtungsweisend sind, setzen sich Investoren immer mehr mit einem Sieg Bidens auseinander. Bei der zukünftigen Regierungsfähigkeit geht es aber nicht zuletzt auch um das Repräsentantenhaus und den Senat. Während die weitere Mehrheit der Demokraten im House wohl erhalten bleibt, ist sie im Senat offen. Grundsätzlich könnte ein deutlicher Sieg der Demokraten Silber die höheren Weihen verleihen.

US-Klimaschutz als new economic drive

Im Vergleich zur Trump-Regierung würde sich die Biden-Administration massiv für erneuerbare Energien einsetzen. Hier geht es den Demokraten nicht nur um den Wiedereintritt in das Pariser Klimaabkommen. Amerika soll nicht nur dabei sein. Es soll weltweit zu einem grünen Technologieführer werden. Das klingt mit Blick auf die bisher stiefmütterliche Behandlung des Umweltthemas zwar wie eine Illusion. Amerika verlässt sich noch stark auf Kohle-, Gas- und Atomenergie. Doch die (Wirtschafts-)Geschichte der USA zeigt, wenn Amerika erst einmal etwas für sich entdeckt hat, wird es zum Megathema und ist nicht mehr zu stoppen. Tatsächlich wollen die Demokraten ein Billionen schweres staatliches Investitionsprogramm auflegen, dass massiv dem Umweltschutz zugutekommt.

Mit ihrer Hilfe soll der amerikanische Stromsektor in 15 Jahren frei von Kohlenstoffemissionen sein. Nach weiteren 15 Jahren sollen die Emissionen vollständig auf null gesetzt sein. Hier tritt Amerika stark in Konkurrenz zur EU, die sich ebenfalls hohe Klimaschutzziele verordnet hat. Für die Finanzierung sind sowohl in Amerika als auch in Europa die Notenbanken zuständig. Beide haben ihre grüne Ader entdeckt. Kein Wunder, so können sie die gute Sache Klimaschutz als willkommenen Freifahrschein für weiter großzügige Geldpolitik missbrauchen.

Überhaupt sorgt neben dem politischen auch der öffentliche Druck dafür, dass Unternehmen vermehrt in Klimaschutz investieren. Dabei spielt die zunehmende Orientierung an ESG - Umwelt, Soziales und Unternehmensführung - eine entscheidende Rolle. Denn die Verkaufbarkeit von Unternehmensaktien und -anleihen wird immer mehr von der Erfüllung dieser Kriterien abhängen. Wer also an öffentlicher Reputation und an Präsenz in den Depots der Anlegerinnen und Anleger interessiert ist, kommt an validen ökologischen Geschäftsmodellen nicht mehr vorbei. Wir werden eine Inflation an Musterschülern sehen.

Treibmittel für Klimaschutz ist auch, dass grüne Umwelttechnik ein neuer hochlukrativer Wirtschaftsbereich ist. Daher werden auch die Asiaten ihre ökologischen Bemühungen immer weiter steigern, um möglichst viel vom grünen Kuchen abzubekommen. Überhaupt ist China gezwungen, seine gewaltigen Umweltschäden in den Griff zu bekommen.

Der Schatz im Silbersee?

Vor diesem Hintergrund steht grüner Umwelttechnik nichts mehr im Wege. So wird für die alternative Energieversorgung mehr Silber gebraucht. Für Solarpaneele, Sensoren von Windturbinen und überhaupt in der gesamten E-Mobilität und beim Aufbau des 5G-Netzes ist das Weißmetall unverzichtbar wie Hamburger im american diner.

So rechnen US-Banken damit, dass die jährliche Silbernachfrage bis 2035 um fast 90 Prozent von zurzeit 2.300 auf ca. 4.300 Tonnen explodieren könnte. Es könnte sogar zu einem Nachfrageüberhang kommen, der dem Silberpreis ähnlich viel Leben einhauchen würde wie zuletzt im Wonnejahr 2011. Damals stieg der Silberpreis auf fast 50 Dollar.

Sicher reagiert Silber als bedeutendes Industriemetall auch sensibel auf weltwirtschaftliche Fehlentwicklungen. Wer weiß heute schon, welcher Tribut weiteren Corona-Lockdowns zu zollen ist? Ginge der Konjunktur die Luft aus, bekommt auch Silber Schnappatmung.

Doch vertrauen die großen Silber-Investoren darauf, dass es bei Bedarf neue staatliche Konjunkturförderprogramme geben wird.

Längerfristig sind die Chancen für weiter steigende Silberpreise gut

Überhaupt gilt: Die Instabilität der Finanzsysteme ist eine unumkehrbare Einbahnstraße, die weltweite Verschuldung nimmt immer drastischer zu. Dies gilt erst Recht vor dem Hintergrund der diesjährigen Corona-Hyper-Verschuldung. Daher werden sich die Notenbanken weiter als barmherzige Samariter zeigen, die die Kreditzinsen drücken. Gleichzeitig sind sie Sadisten, die den Zinssparern die Anlagezinsen stehlen. Nach Abzug der Inflation geht die Qual weiter. Dann sind die Zinsen sogar negativ. Damit ist das frühere Killerargument, Silber werfe keine Zinsen ab, vom Tisch. Und gegenüber beliebig vermehrbarem Geld ist es auch noch rar. Auch diese Argumente haben in diesem Jahr zu massiven Zuflüssen in Silber-ETFs geführt.

Allerdings muss man wissen, dass Silber volatiler als Gold ist, das als Edelmetall Priorität genießt.

Zudem muss in Deutschland Mehrwertsteuer auf Barren und Münzen entrichtet werden.

Und nach einer Verdopplung des Silberpreises vom Jahrestiefstand im März sind zwischenzeitliche Gegenbewegungen wie seit August möglich. Doch solange Gold gefragt bleibt, werden ebenso Preiseinbrüche beim Edelmetall-Bruder Silber abgefedert. Zudem ist das Weißmetall deutlich günstiger als Gold, so dass die Einstiegshürden geringer sind.

Wenn Aktien einen Lauf haben, entsteht sicher mehr Anlagekonkurrenz. Da aber die Finanzwelt heutzutage in Liquidität ersäuft wird, ist für alle Anlageklassen und somit auch Silber Geld in Hülle und Fülle vorhanden.

Mit einem eindeutigen Wahlsieg der Demokraten bei den Wahlen am 3. November hat Silber gute Chancen, einen großen Schritt aus dem Schatten von Gold zu machen. Tatsächlich hat sich die Überbewertung von Gold zu Silber im Trend bereits abgeflacht.

Bei Silber sind bis Ende 2021 bis 35 US-Dollar drin. Ich behaupte, für Silber ist langfristig noch mehr drin. Denn es wird gebraucht und verbraucht.

Der kleine Mann kommt in die Pubertät. Er wird Wachstumsschübe machen. Mit etwas Weitblick lohnt es sich, bei Rücksetzern Positionen aufzubauen.

Rechtliche Hinweise / Disclaimer und Grundsätze zum Umgang mit Interessenkonflikten der Baader Bank AG: https://www.roberthalver.de/Newsletter-Disclaimer-725

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Kommentare (1)
Michael Stocker
Michael Stocker 21.10.2020 11:19
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Mein kleiner Mann hat auch gelegentlich Wachstumsschübe. Wenn er dann groß und stark ist muß er hart arbeiten. In aller Regel so lange bis er sich übergeben muss. Scheußlich.
Ilja Yanush
Ilja Yanush 21.10.2020 11:19
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welch wahre Worte!!!
 
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