Eilmeldung
Investing Pro 0
Werbefreie Version. Jetzt upgraden für ein Surferlebnis auf Investing.com ganz ohne Werbung. Sparen Sie bis zu 40%. Weitere Details

Staatsanleihen: Anleihe-Händler sorgen sich um Inflation

Von Investing.com (Darrell Delamaide/Investing.com)Anleihen16.11.2021 10:05
de.investing.com/analysis/staatsanleihen-anleihehandler-sorgen-sich-um-inflation-200465934
Staatsanleihen: Anleihe-Händler sorgen sich um Inflation
Von Investing.com (Darrell Delamaide/Investing.com)   |  16.11.2021 10:05
Gespeichert. Lesezeichen ansehen.
Dieser Artikel wurde bereits unter Lesezeichen gespeichert
 

Der unerwartet starke Preisanstieg in der vergangenen Woche führte letzten Mittwoch zu einem plötzlichen Ausverkauf bei US-Treasuries, nachdem der Verbraucherpreisindex per Berichtsmonat Oktober um 6,2 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen war. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe kletterte daraufhin um mehr als 11 Basispunkte auf 1,56 %. Am Dienstag hatte sie noch bei 1,41 % gelegen.

Entwicklung der 10-jährigen US-Rendite
Entwicklung der 10-jährigen US-Rendite

Nach dem Feiertag am Donnerstag legte die Zehnjahresrendite am Freitag um weitere 2 Basispunkte zu und näherte sich 1,58 %. Gestern überschritt sie dann die Schwelle von 1,6 %.

Angesichts der Ungewissheit, in welche Richtung sich die Geldpolitik entwickeln wird, dürften die Anleger weiterhin verunsichert bleiben und somit die Volatilität anhalten. Werden die Zentralbanken endlich auf die stetig steigende Inflation reagieren, die sich als nicht so vorübergehend erweist, wie sie behauptet haben?

Die Händler halten sich noch zurück und sind hin- und hergerissen zwischen zwei gegensätzlichen Szenarien - die Inflation führt entweder zu einer Straffung der Geldpolitik und/oder eine Verlangsamung der Wirtschaft.

Für solche Situationen gibt es ein wohlbekanntes Wort. Der Begriff "Stagflation", der sich aus den Begriffen "Stagnation" und "Inflation" zusammensetzt, taucht in Kommentaren und Gesprächen immer häufiger auf. Ihre plötzliche Rückkehr wird sogar als "Black Swan" bezeichnet, eine Anspielung auf überraschende Entwicklungen, die oft zu unverhältnismäßigen Reaktionen an den Märkten führen

Nassim Nicholas Taleb, der den Begriff geprägt und die Theorie entwickelt hat, erwartet von den Anlegern nicht, dass sie vorhersagen, was per se unvorhersehbar ist, sondern dass die Finanzmärkte robust genug sind, um die daraus resultierenden Verluste zu verkraften. Leichter gesagt als getan.

Doch keine "chronische" Inflation wie in den 70er Jahren?

Trotz der Beteuerungen des Chefvolkswirts der Europäischen Zentralbank, Philip Lane, dass die heutige Situation nicht mit der "chronischen" Inflation vergleichbar sei, die die Stagflation in den 1970er Jahren begleitete, sehen einige Analysten ähnliche Entwicklungen wie heute - eine Federal Reserve, die bereit ist, die Inflation zu tolerieren, um Arbeitsplätze zu schaffen, massive Staatsausgaben (der Vietnamkrieg damals und COVID-19 heute) und eine durch Knappheit verursachte Inflation (der Ölschock in den 1970er Jahren).

Sowohl die Fed als auch die Europäische Zentralbank verfolgen inzwischen einen flexibleren Ansatz für die Inflation. Die US-Zentralbank gab ihrer Vorliebe für Akronyme nach und nannte ihre neue Politik "Flexible Average Inflation Targeting" oder FAIT. Die EZB verlagerte ihr Inflationsziel von unter, aber nahe 2 % auf ein vages mittelfristiges 2%-Ziel.

Die derzeitige Situation stellt diese beiden neuen Richtlinien auf die Probe, und ihr Erfolg hängt davon ab, ob die politischen Entscheidungsträger Recht behalten, dass die Inflation vorübergehend ist. Der Wunsch mag Vater des Gedankens sein, aber die Anleger fragen sich, ob die Notenbanker nicht einfach falsch liegen.

Die Achterbahnfahrt der 10-jährigen Treasury-Rendite spiegelt diese Unsicherheit der Anleger wider. Die Rendite der Referenzanleihe erreichte im Oktober fast 1,7 %, bevor sie in der vergangenen Woche auf 1,4 % einbrach und nun wieder über 1,6 % gestiegen ist und sich weiter gen Norden orientiert.

Die Renditen der Eurozonen-Staatsanleihen folgten am Montag dem Anstieg der Treasuries, auch wenn der Anstieg durch die geringe Emissionstätigkeit gebremst wurde. Die Anleihekäufe der EZB verringern das Angebot weiter. Einem Analysten der Danske Bank (CSE:DANSKE) zufolge wird Deutschland gerade einmal Anleihen im Wert von 16 Milliarden Euro emittieren und damit kaum die 15,5 Milliarden Euro aus fällig werdenden Schuldtiteln abdecken, während die Anleihekäufe der EZB im Wert von mehr als 25 Milliarden Euro einen Markt aushungern, der auf der Suche nach sicheren Häfen ist.

Die EZB-Vertreter bleiben bei ihrer Meinung, dass es pandemiebedingte Engpässe sind, die das Wachstum bremsen und die Inflation anheizen. Die Anleger glauben das nicht, und die Geldmärkte rechnen inzwischen mit zwei Zinserhöhungen der EZB vor Ende 2022.

Staatsanleihen: Anleihe-Händler sorgen sich um Inflation
 

Verwandte Beiträge

André Stagge
EURO-Bonds durch die Hintertür   Von André Stagge - 09.03.2022

Die Beratungen des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag werden extrem spannend. Es geht nicht nur um die Wachstums- und Inflationserwartungen sondern auch um...

Staatsanleihen: Anleihe-Händler sorgen sich um Inflation

Kommentieren

Richtlinien zur Kommentarfunktion

Wir möchten Sie gerne dazu anregen, Kommentare zu schreiben, um sich mit anderen Nutzern auszutauschen. Teilen Sie Ihre Gedanken mit und/oder stellen Sie anderen Nutzern und den Kolumnisten Fragen. Um jedoch das Niveau zu erhalten, welches wir wertschätzen und erwarten, beachten Sie bitte die folgenden Kriterien:

  • Bereichern Sie die Unterhaltung
  • Bleiben Sie beim Thema. Veröffentlichen Sie nur Texte, die zu den genannten Inhalten passen. 
  • Respektieren Sie einander. Auch negative Meinungen und Kritik kann positiv und diplomatisch ausgedrückt werden. 
  • Benutzen Sie die anerkannten Ausdrucks- und Rechtschreibregeln. 
  • Beachten Sie: Spam, Werbenachrichten und Links werden gelöscht. 
  • Vermeiden Sie Profanität, Beleidigungen und persönliche Angriffe auf Kolumnisten oder andere Nutzer. 
  • Bitte kommentieren Sie nur auf Deutsch.

Diejenigen, die die oben genannten Regeln missachten, werden von der Webseite entfernt und können sich in der Zukunft je nach Ermessen von Investing.com nicht mehr anmelden.

Was denken Sie?
 
Sind Sie sicher, dass Sie diesen Chart löschen möchten?
 
Senden
Posten auf
 
Angehängten Chart durch einen neuen Chart ersetzen?
1000
Sie sind gegenwärtig aufgrund von negativen Nutzerbeurteilungen von der Abgabe von Kommentaren ausgeschlossen. Ihr Status wird von unseren Moderatoren überprüft.
Warten Sie bitte eine Minute bis zur erneuten Abgabe Ihres Kommentars.
Danke für Ihren Kommentar. Bitte beachten Sie, dass alle Kommentare erst nach vorheriger Überprüfung durch unsere Moderatoren veröffentlicht werden und deshalb nicht sofort auf unserer Webseite erscheinen können.
 
Sind Sie sicher, dass Sie diesen Chart löschen möchten?
 
Senden
 
Angehängten Chart durch einen neuen Chart ersetzen?
1000
Sie sind gegenwärtig aufgrund von negativen Nutzerbeurteilungen von der Abgabe von Kommentaren ausgeschlossen. Ihr Status wird von unseren Moderatoren überprüft.
Warten Sie bitte eine Minute bis zur erneuten Abgabe Ihres Kommentars.
Chart zum Kommentar hinzufügen
Sperre bestätigen

Sind Sie sicher, dass Sie %USER_NAME% sperren möchten?

Dadurch werden Sie und %USER_NAME% nicht mehr in der Lage sein, Beiträge des jeweils anderen auf Investing.com zu sehen.

%USER_NAME% wurde erfolgreich zu Ihrer Sperrliste hinzugefügt.

Da Sie diese Person entsperrt haben, müssen Sie 48 Stunden warten, bevor Sie sie wieder sperren können.

Diesen Kommentar melden

Sagen Sie uns Ihre Meinung zu diesem Kommentar

Kommentar markiert

Vielen Dank!

Ihre Meldung wurde zur Überprüfung an unsere Moderatoren geschickt
Mit Google registrieren
oder
Registrierung