Von FedEx bis Delta: Was uns die ersten Zahlen über die Wirtschaft verraten

Veröffentlicht am 15.07.2025, 07:49

Für das zweite Quartal rechnen die Analysten der Wall Street bei den Unternehmen im S&P 500 mit einem moderaten Gewinnwachstum von 4,8 %. Laut FactSet wäre das die niedrigste jährliche Wachstumsrate seit dem vierten Quartal 2023 (4,0 %).

Auch wenn 4,8 % der schwächste Wert seit sechs Quartalen wäre, bleibt das angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen eine beachtliche Leistung – insbesondere im Technologiesektor. Immerhin müssen sich die Unternehmen weiterhin mit hohen Zinssätzen, einem abkühlenden Arbeitsmarkt und anhaltenden Unsicherheiten in der Handelspolitik auseinandersetzen.

Gemischter Start in die Berichtssaison

Während viele Anleger den Start der Berichtssaison traditionell mit den Quartalszahlen der großen Banken verbinden, lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten: Tatsächlich haben bereits 20 S&P‑500‑Unternehmen ihre Ergebnisse vorgelegt – und diese frühen Zahlen geben erste Hinweise darauf, wie sich die Saison entwickeln könnte.

Das Bild, das sich bislang zeigt, ist gemischt. Es gibt positive Signale für die US-Wirtschaft, aber auch Anzeichen für Schwächen bei einzelnen Unternehmen. Zu den ersten Highlights zählen Micron (NASDAQ:MU) und Delta Air Lines (NYSE:DAL), während FedEx (NYSE:FDX) und Nike (NYSE:NKE) eher enttäuschten.

Micron konnte sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn deutlich über den Erwartungen liefern. Die starke Performance wurde vor allem durch die steigende Nachfrage und höhere Preise für Speicherchips getrieben – ein weiteres Indiz dafür, dass die KI-Nachfrage ungebrochen ist und so bald nicht nachlassen dürfte. Gleichzeitig zeigte das Consumer-Segment ein anderes Bild: Während die KI-Story glänzte, wies das Management darauf hin, dass die Märkte für klassischen Speicher in PCs und Smartphones weiter schwach bleiben. Das deutet auf unterschiedliche Ausgabentrends innerhalb des Technologiesektors hin.

Insgesamt fiel der Ausblick von Micron positiv aus. Das Unternehmen rechnet mit anhaltender Stärke bei den Preisen und einer robusten, KI-gestützten Nachfrage.

Delta Air Lines gehört zu den wenigen konsumorientierten Unternehmen, die bislang eine robuste Nachfrage zeigen konnten. Nach einem enttäuschenden ersten Quartal und gesenkten Erwartungen lief im zweiten Quartal alles nach Plan. Die internationale Fluggesellschaft meldete Gewinne und Umsätze, die über den Analystenschätzungen lagen, und unterstrich damit die anhaltende Stärke der Reisenachfrage.

Besonders gefragt waren Sommerreisen – vor allem in den Premium-Kabinen und auf transatlantischen Strecken. Das zeigt: Viele Verbraucher setzen weiterhin auf Erlebnisse und Reisen, statt ihr Geld für Waren auszugeben.

Auf der anderen Seite zeichnen Nike und FedEx ein weniger positives Bild vom US-Konsumenten. FedEx gab einen vorsichtigen, wenn auch leicht stabilisierenden Ausblick für die zweite Jahreshälfte. Der Logistikriese übertraf die Erwartungen beim Gewinn pro Aktie knapp, während der Umsatz weitgehend im Rahmen der Prognosen lag. Haupttreiber der Ergebnisse waren deutliche Kosteneinsparungen.

Allerdings bleiben die Versandvolumina schwach – besonders im margenstarken Express-Segment. Das Management äußerte sich zurückhaltend für das kommende Geschäftsjahr und rechnet mit einem weiter verhaltenen globalen Wirtschaftswachstum.

Nike wiederum präsentierte ein noch herausfordernderes Bild. Das Unternehmen verfehlte die Umsatzerwartungen, auch wenn der Gewinn pro Aktie dank striktem Kostenmanagement leicht über dem Konsens lag.

Der Umsatzrückgang war vor allem auf Schwäche in Nordamerika und eine durchwachsene Erholung in China zurückzuführen. Das Management sprach von einem „promotional environment“, um Lagerbestände abzubauen – ein Hinweis darauf, dass die Konsumenten bei teureren Konsumgütern zurückhaltender sind. Entsprechend fiel auch die Prognose für das kommende Quartal und das Geschäftsjahr enttäuschend aus. Zusätzlich belasteten makroökonomische Unsicherheiten und Währungseffekte den Ausblick.

Sektorale Gewinner und Verlierer im zweiten Quartal

Ein zentrales Thema dieses Quartals ist die erwartete unterschiedliche Entwicklung der Sektoren. Technologie- und Kommunikationsdienstleistungen bleiben die Haupttreiber des Gewinnwachstums im S&P 500. Die anhaltend starke Nachfrage nach künstlicher Intelligenz und Cloud-Computing dürfte insbesondere den „Mag 7“ und anderen großen Technologiekonzernen erneut starke Ergebnisse bescheren.

Auf der anderen Seite dürfte der Energiesektor zum Bremsklotz für das Gesamtwachstum werden. Analysten rechnen hier mit einem deutlichen Gewinnrückgang im Vergleich zum Vorjahr. Der Hauptgrund: die im Vorjahr noch deutlich höheren Energiepreise, die nun für schwierige Vergleichsbasis sorgen.

Diese Woche im Fokus: Die großen Banken

In dieser Woche richtet sich die ganze Aufmerksamkeit auf die Quartalszahlen der großen Banken. JPMorgan (NYSE:JPM) Chase, Citigroup und Wells Fargo (NYSE:WFC) legen ihre Ergebnisse am Dienstag, dem 15. Juli, vor. Einen Tag später, am Mittwoch, dem 16. Juli, folgen Bank of America (NYSE:BAC), Morgan Stanley (NYSE:MS) und Goldman Sachs (NYSE:GS).

Besonders spannend werden die anschließenden Telefonkonferenzen. Dort werden wir genau hinhören, was die Banken zur Lage der Wirtschaft und den Erwartungen für die zweite Jahreshälfte sagen. Das übergeordnete Thema: ein Übergang von dem kräftigen Ergebnisaufschwung – ausgelöst durch die rasante Zinswende – hin zu einem anspruchsvolleren Umfeld, in dem Fragen zur Kreditqualität und die zaghafte Erholung der Kapitalmärkte stärker in den Fokus rücken.

Wichtige Kennzahlen, auf die man in den Bankberichten achten sollte:

Nettozinseinnahmen: Der starke Anstieg der Nettozinseinnahmen – also der Differenz zwischen den Zinserträgen aus Krediten und den Zinsen, die Banken auf Einlagen zahlen – war in den letzten zwei Jahren ein zentraler Treiber der Bankprofitabilität. Im zweiten Quartal dürfte dieser Effekt jedoch zum Stillstand gekommen sein oder sogar leicht rückläufig gewesen sein.

Investment Banking: Kommt hier wieder Bewegung ins Spiel? Nach einer längeren Durststrecke gibt es vorsichtigen Optimismus für eine erste Erholung bei den Gebühren. Die Zahl der Börsengänge hat sich im ersten Halbjahr stetig verbessert, ebenso die Performance der neu gelisteten Unternehmen. Das M&A-Geschäft bleibt zwar insgesamt verhalten, doch einige Mega-Deals sorgten zuletzt für Schlagzeilen. Diese Woche werden Goldman Sachs und Morgan Stanley im Fokus stehen. Sollten ihre Investment-Banking-Ergebnisse positiv überraschen, wäre das ein mögliches Signal für eine breitere „Wiedereröffnung“ der Kapitalmärkte.

Kreditqualität: Dies wird der am aufmerksamsten verfolgte Aspekt der Bankberichte sein. Analysten werden nach ersten Anzeichen für Belastungen sowohl im Verbrauchergeschäft als auch bei kommerziellen Kreditnehmern suchen. Besonders im Blick stehen Ausfallraten bei Kreditkarten- und Autokrediten, die sich von historisch niedrigen Niveaus nach oben bewegen.

Handel: In den letzten Quartalen haben starke Schwankungen an den Märkten den Banken außergewöhnlich hohe Handelserträge beschert. Mit der abnehmenden Volatilität im zweiten Quartal wird nun eher mit soliden, aber nicht mehr spektakulären Ergebnissen gerechnet.

Q2 Berichtssaison

Vorschau auf die Berichtssaison Q2

Die intensivsten Wochen der Berichtssaison für das zweite Quartal werden voraussichtlich zwischen dem 28. Juli und dem 15. August liegen. In diesem Zeitraum werden wöchentlich mehr als 2.000 Unternehmensberichte erwartet. Besonders der 7. August dürfte der geschäftigste Tag werden: An diesem Tag sollen nach aktuellen Prognosen 1.269 Unternehmen ihre Ergebnisse veröffentlichen.

Bislang haben allerdings erst 49 % der Unternehmen (aus einem Universum von über 11.000 globalen Unternehmen) ihre Veröffentlichungstermine bestätigt. Die restlichen Daten basieren auf historischen Mustern und können sich daher noch verändern.

Q2 Berichtssaison

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