Warum der Pessimismus bei Airline-Aktien an der Realität vorbeigeht

Veröffentlicht am 10.07.2025, 07:28

Wer in den letzten Wochen die Mainstream-Finanzmedien verfolgt hat, könnte den Eindruck bekommen, dass die Luftfahrtbranche vor großen Problemen steht. Schlagzeilen über Zölle, steigende Arbeitskosten, geopolitische Spannungen und Verspätungen am Flughafen Newark lassen es so wirken, als würde der Flugverkehr einem massiven Einbruch entgegensehen.

Die Realität sieht jedoch ganz anders aus.

Schauen wir uns die offiziellen Zahlen an: Die Transportation Security Administration (TSA), die Transportsicherheitsbehörde der USA, hat gerade bekannt gegeben, dass sie in diesem Jahr bereits sechs der zehn verkehrsreichsten Tage in ihrer 24-jährigen Geschichte verzeichnet hat. Kein Tippfehler – sechs der Top-10-Reisetage aller Zeiten allein in der ersten Jahreshälfte.

Ein Beispiel: Am Sonntag, den 22. Juni, kontrollierte die TSA 3,097 Millionen Passagiere – ein neuer Rekord. Und auch am Flughafen Chicago O’Hare, einem der größten Drehkreuze weltweit, wurde mit fast 114.000 Passagieren an einem Tag ein Allzeithoch erreicht.

Tage mit dem höchsten Flugaufkommen für die TSA - Passagieraufkommen 2024-2025

Der vierte Juli hat vermutlich noch mehr Rekorde gebrochen

Die Reisebranche war sich einig: Das Wochenende rund um den 4. Juli würde aller Voraussicht nach neue Bestmarken setzen. Die AAA, das US-Pendant zum ADAC, schätzte, dass 72,2 Millionen Amerikaner in dieser Ferienzeit mindestens 50 Meilen von zu Hause unterwegs sein würden – und fast 6 Millionen davon per Flugzeug. Das wäre ein absoluter Rekord.

Auch die Federal Aviation Administration (FAA) meldete ein deutlich höheres Flugaufkommen: US-Fluggesellschaften sind aktuell mit mehr Maschinen unterwegs als im Vorjahr. Die Zahl der täglichen Linienflüge liegt 2025 um 4 % über dem Niveau von 2024, und allein am 3. Juli dürften über 51.000 Flüge gestartet sein. American Airlines (NASDAQ:AAL) plante für die Feiertagsperiode die Beförderung von 7,6 Millionen Passagieren, während United Airlines (NASDAQ:UAL) mehr als 6 Millionen „Paxe“ erwartete.

Das sind keine Anzeichen für eine Industrie in der Krise. Das sind vielmehr klare Signale eines Sektors, der im Aufwind ist.

Bullische Indikatoren

Lassen wir das einmal sacken und überlegen, was das wirklich bedeutet. Trotz Inflation, steigender Ticketpreise und geopolitischer Unsicherheiten setzen die Amerikaner weiterhin auf Reisen. Sie besuchen Menschen, die ihnen wichtig sind. Sie nehmen endlich lange aufgeschobene Urlaubstage. Sie führen ihre Geschäfte wieder persönlich – und das alles heißt vor allem eines: Sie buchen Flüge.

Die Analysten von Jefferies sehen in den rekordverdächtigen TSA-Zahlen einen Beweis dafür, dass es der Wirtschaft besser geht, als viele Schlagzeilen vermuten lassen.

Und ich kann mich dem nur anschließen. Wenn Menschen sich finanziell sicher genug fühlen, um Flüge zu buchen und in den Urlaub zu starten, ist das ein starkes Signal für Vertrauen – sowohl in den eigenen Arbeitsplatz als auch in die wirtschaftliche Lage insgesamt.

Europa im klaren Erholungsmodus

In Europa zeigt sich ein ganz ähnliches Bild. Laut Eurocontrol lag die tägliche Flugaktivität Mitte Juni bereits bei 99 % des Niveaus von 2019 – und damit nur einen Wimpernschlag von einer vollständigen Rückkehr zum Vorkrisenverkehr entfernt.

Low-Cost-Carrier wie Ryanair (IR:RYA), Wizz Air (LON:WIZZ) und Turkish Airlines fliegen inzwischen mehr Strecken als 2019 und übertreffen ihre Vorjahreszahlen deutlich. Bemerkenswert: Vier der zehn größten europäischen Fluggesellschaften (NYSE:JETS) haben ihr Passagieraufkommen bereits wieder auf oder über das Vor-COVID-Niveau gebracht.

Auch die weltweite Kerosin-Nachfrage zieht parallel zum steigenden Passagieraufkommen an. Bloomberg berichtete, dass während der Ferienwoche rund um den 4. Juli weltweit täglich mehr als 7,3 Millionen Barrel Kerosin verflogen wurden – das sind 3,1 % mehr als im Vorjahr.

Rekord-Investitionen

Warum also bleibt die Wall Street bei Airline-Aktien so zurückhaltend? Ein möglicher Grund ist Angst. Manche Anleger haben noch die Lockdowns von 2020 im Hinterkopf und fürchten heute Rezessionsrisiken oder die Auswirkungen der Inflation.

Aus meiner Sicht sind diese Sorgen jedoch rückwärtsgewandt.

Was viele übersehen: Die Fluggesellschaften haben ihre Geschäftsmodelle in den letzten Jahren deutlich effizienter aufgestellt. Sie arbeiten mit schlankeren Kostenstrukturen, setzen stärker auf profitable Routen und investieren gezielt in Kundenbindungsprogramme sowie Zusatzleistungen wie Sitze mit mehr Beinfreiheit.

Laut Airlines for America stecken US-Fluggesellschaften aktuell Rekordsummen in ihre Zukunft. Allein von 2022 bis 2024 fließen im Schnitt 21 Mrd. USD pro Jahr in neue Flugzeuge, Bodenausrüstung, Technologie und andere Schlüsselbereiche. Und der gesunde Menschenverstand sagt: Niemand investiert derart massiv, wenn er mit ernsthaften Turbulenzen rechnet.

Jährliche Investitionsausgaben der U.S. Airlines nach Zeitraum (2010-2024)

Ausgebuchte Flüge

Als Contrarian-Investoren suchen wir gezielt nach Diskrepanzen zwischen Wahrnehmung und Realität. Und im Moment sieht es so aus, als würden die Aktien von Fluggesellschaften auf Basis veralteter Vorstellungen zu Unrecht abgestraft. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Sie zeigen eine robuste, anhaltende Nachfrage. Ganz ehrlich – jeder Flug, den ich im vergangenen Jahr genommen habe, war restlos ausgebucht.

Während viele Wall-Street-Analysten noch immer im Rückspiegel fahren, sind wir überzeugt: Die Startbahn für diesen Sektor ist deutlich länger, als die meisten denken.

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Aktuelle Kommentare

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Top, Treffer, versenkt - siehe Delta Airline
Die Frage ist doch wie diese Realität finanziert wird - oftmals und gerade in den USA durch Schulden. nicht ohne Grund steigt die Verschuldung der Privathaushalte in den USA auf Rekordhöhen, der Staat macht es ihnen vor....warum verzichten! Früher oder später wird der Verbraucher einknicken und ihm die Schuldenlast zum Verhängnis und er zum Dominostein für das überschuldete System!
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