Warum Spock der bessere Anleger ist – und was wir daraus lernen können

Veröffentlicht am 02.05.2025, 23:27

Der Markt schöpft Hoffnung

Letzte Woche haben wir das Thema des Konflikts zwischen Präsident Trump und Fed-Chef Jerome Powell aufgegriffen. Dabei kamen wir zu folgendem Fazit:

„Während die Märkte auf die nächste Fed-Sitzung warten, sorgen sowohl die Unsicherheit über die Geldpolitik als auch die über die Handelspolitik – insbesondere die Zölle – für Druck. In der vergangenen Woche hat der Markt einen Teil seiner Gewinne aus der Phase der sogenannten ‚Zollbefreiung‘ wieder abgegeben. Doch mit einem neuen Kaufsignal im MACD und positiven Geldströmen zeigen sich erste Käufer wieder am Markt – wenn auch vorsichtig.

Der 20-Tage-Durchschnitt (20-DMA) bleibt ein wichtiger Widerstand und markiert den aktuellen Abwärtstrend. Zwar besteht weiterhin die Gefahr, dass die jüngsten Tiefststände nochmals getestet werden – was durchaus zu erwarten ist und auch zu einer vorsichtigen Haltung mahnt –, aber ein Durchbruch über den 20-DMA könnte eine Erholung in Richtung 50-DMA einleiten. (Im Artikel vom Montag ging es um das "Death Cross – das Todeskreuz" und seine Bedeutung für Anleger.)“

In der vergangenen Woche hat der Markt den 20-DMA überwunden – angetrieben von der Hoffnung, dass es doch noch Fortschritte im zähen Zollstreit geben könnte. Obwohl China erklärte, dass noch keine offiziellen Verhandlungen mit den USA laufen, sorgten Aussagen von Präsident Trump und Scott Bessent für Optimismus: Die Regierung wolle "nett" zu China sein, und es sei ein "sehr guter Deal" denkbar.

Wie schon zuvor betont: In einem überverkauften Marktumfeld reichen bereits kleine, positive Signale aus, um eine Erholung in Gang zu setzen.

Und auch wenn der erste Widerstand beim 20-DMA überwunden wurde, liegt direkt darüber ein hartnäckiger Widerstandsbereich – genau dort, wo der Markt vor den Zollnachrichten versucht hatte, einen Boden zu finden. Darüber hinaus treffen hier auch die 50- und 200-DMAs aufeinander.

Zwar ist der Markt aktuell noch nicht überkauft, aber sobald sich die Kurse weiter in diese Widerstandszone vorwagen, dürften sich auch wieder mehr Verkäufer zeigen. Wie wir in den letzten zwei Wochen bereits angedeutet haben, ist mit einer längeren Konsolidierungsphase zu rechnen. Der Markt muss die laufenden Handelsgespräche, das nachlassende Wirtschaftswachstum und die gesenkten Gewinnerwartungen erst einmal verarbeiten. Daher sollten Anleger mit weiteren Schwankungen – also mit Rücksetzern und Erholungen – rechnen, bis sich das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage etwas ausgeglichen hat.

S&P 500

Was am jüngsten Rückgang besonders auffällt: Während erfahrene, professionelle und meist auch ältere Anleger die Marktaussichten derzeit eher pessimistisch einschätzen, zeigen sich viele Kleinanleger überraschend optimistisch. Sie nutzen den Rücksetzer verstärkt zum Einstieg – so stark wie seit Anfang 2023 nicht mehr.

Retail Sentiment

Auch wenn man dabei vielleicht ungläubig den Kopf schüttelt – in den letzten zehn Jahren war es für viele Anleger tatsächlich eine erfolgreiche Strategie, bei Kursrückgängen beherzt zuzugreifen. „Buy the dip“ hat oft funktioniert. Das liegt nicht zuletzt an den immer wiederkehrenden Eingriffen von Zentralbanken und Regierungen – geld- und fiskalpolitische Unterstützung war fast schon die Regel.

Vor diesem Hintergrund überrascht es eigentlich nicht, dass besonders viele jüngere Anleger mit einem Gefühl von „moralischem Risiko“ in den Markt gegangen sind. Wie wir in unserem Artikel geschrieben haben:

„Aus Sicht der Märkte haben die Liquiditätszuflüsse der Federal Reserve den spekulativen Appetit deutlich angeheizt – viele Anleger haben sich ohne große Zurückhaltung auf sogenannte ‚Zombies‘ gestürzt. Warum? Weil es kaum Anreiz gab, Risiken zu vermeiden. Viele waren überzeugt: Wenn etwas schiefgeht, greift die Fed ohnehin ein. Mit anderen Worten: Viele Kleinanleger glauben, die Fed habe sie quasi gegen Verluste versichert.“

Buy the Dip

Wird es dieses Mal anders laufen? Vielleicht. Irgendwann schlägt übermäßiges spekulatives Risiko – etwa durch stark gehebelte ETFs oder Optionen – negativ zu Buche. Aber dieser Punkt ist womöglich noch nicht erreicht.

Wichtig ist: Märkte bewegen sich nicht nach Logik oder Fairness, sondern nach Angebot und Nachfrage – also nach dem Verhalten von Käufern und Verkäufern. Solange die spekulative Grundstimmung anhält und sich nicht grundlegend ändert, könnte der Markt weiterhin Unterstützung finden – selbst wenn man das fundamental nicht erwartet.

Und genau das ist der Kern der heutigen Überlegungen: Wir müssen lernen, unser Geld möglichst emotionsfrei zu steuern.

Spock und die Herangehensweise der Vulkanier an das Investieren

In unserem Artikel „Ist eine risikoaverse Positionierung das Signal für ein Markttief?“ haben wir uns mit der Frage beschäftigt, ob die derzeit extrem überverkauften Marktbedingungen ein Zeichen dafür sein könnten, dass der Markt ein kurzfristiges Tief erreicht. Unsere Analyse basierte dabei auf mehreren Faktoren – unter anderem der stark negativen Anlegerstimmung, der Positionierung am Markt und den deutlich überverkauften technischen Indikatoren.

Wie bereits erwähnt, erinnert das aktuelle Marktumfeld stark an das Jahr 2022. Die erste Grafik unten zeigt einen Vergleich zwischen der damaligen Marktkorrektur und der Situation im Jahr 2025. Die Erholung, die in der vergangenen Woche eingesetzt hat, könnte durchaus noch etwas Luft nach oben haben. Gleichzeitig gilt aber – wie schon angemerkt: Jede kurzfristige Rallye dürfte auf Widerstand stoßen, solange es keine klaren Fortschritte bei den Themen Zölle, Geldpolitik und Rezessionsrisiken gibt.

Korrektur 2022 vs 2025

Das nächste Diagramm zeigt unseren wöchentlichen Technical Composite Index im Vergleich. Auffällig dabei: Immer wenn der Index unter den Wert von 20 gefallen ist, hat der Markt entweder eine Bodenbildung vollzogen oder ist deutlich nach oben abgeprallt.

Korrektur 2022 vs 2025

Im Moment stellt sich die Frage, ob die sehr niedrigen technischen Werte, die der jüngsten Rallye vorausgingen, einfach nur eine technische Gegenbewegung signalisieren – oder ob wir es tatsächlich mit einer Bodenbildung zu tun haben. Leider lässt sich das erst im Rückblick mit Sicherheit sagen. Unser Bauchgefühl sagt uns allerdings: Angesichts der Tiefe des vorherigen Rückgangs und der insgesamt angeschlagenen Markttechnik dürfte jeder stärkere Aufschwung früher oder später wieder auf Verkaufsdruck stoßen.

Historisch gesehen ist das erste Tief in einer Korrekturphase selten der endgültige Boden. Auch wenn sich der Markt bislang recht eng am Verlauf von 2022 orientiert, sollte man nicht davon ausgehen, dass der Rest des Jahres genauso verlaufen wird.

Der optimistische Blickwinkel ist: Auch wenn es an den Märkten nie Garantien gibt, zeigt die Vergangenheit, dass nach Phasen hoher Volatilität meist auch wieder bessere Zeiten folgen – vorausgesetzt, es kommt nicht zu einer Rezession oder einem größeren Kreditereignis.

Die Kehrseite ist: Diese erhöhte Volatilität bringt viele Anleger dazu, emotional getrieben zu handeln – was selten gut ausgeht. Wir neigen dazu, Entscheidungen zu rechtfertigen, Verluste um jeden Preis vermeiden zu wollen, nicht zu handeln, wenn es nötig wäre – oder zu handeln, wenn wir es besser lassen sollten.

Gerade deshalb ist es so wichtig, das eigene Geld mit klarem Kopf und möglichst emotionsfrei zu steuern – vor allem, wenn man langfristig erfolgreich investieren will.

Howard Marks hat es einmal sehr treffend formuliert:

„Wenn ich Sie frage, was das Risiko beim Investieren ist, werden Sie mir wahrscheinlich antworten: das Risiko, Geld zu verlieren. Aber in Wahrheit gibt es zwei Risiken beim Investieren: Das eine ist, Geld zu verlieren. Das andere ist, eine Chance zu verpassen.

Man kann eines dieser Risiken ausschließen – aber nicht beide gleichzeitig.

Die eigentliche Frage ist also: Wo positioniert man sich zwischen diesen beiden Polen? Eher mittig, vorsichtig-defensiv oder offensiv und risikofreudig?

Ich stelle mir das ein bisschen wie eine Szene aus einer Komödie vor. Da steht jemand und überlegt, etwas zu tun. Auf der einen Schulter sitzt der Engel im weißen Gewand und sagt: ‘Lass es. Das ist keine gute Idee, das bringt Ärger.’ Auf der anderen Schulter flüstert der Teufel im roten Anzug mit der Mistgabel: ‘Mach’s. Du wirst reich.’

Und meistens – ja, meistens gewinnt der Teufel.

Vorsicht, Reife und das Richtige zu tun sind altmodische Konzepte. Und wenn sie mit dem Wunsch kollidieren, schnell reich zu werden, dann setzt sich fast immer der Wunsch durch – außer in echten Panikphasen. Das ist der Grund, warum es zu Blasen kommt. Und warum Betrüger wie Bernie Madoff so viel Geld bekommen.

Wie vermeidet man es, in diese Falle zu tappen?

Ich bin jetzt seit über 45 Jahren in diesem Geschäft – ich habe also einiges gesehen. Und ich bin kein besonders emotionaler Mensch. Die besten Investoren, die ich kenne, sind ebenfalls eher nüchtern. Denn wer emotional reagiert, kauft oft am Hoch – wenn die Euphorie groß und die Preise hoch sind. Und verkauft am Tief – wenn die Stimmung am Boden ist.

Man macht dann genau das, was alle anderen auch tun. Und das ist in Extremsituationen fast immer falsch.

Darum ist Emotionslosigkeit eine der wichtigsten Eigenschaften für erfolgreichen Umgang mit Geld. Wenn man nicht in der Lage ist, nüchtern zu denken, sollte man sein eigenes Geld besser nicht selbst verwalten. Punkt.

Viele der wirklich guten Investoren sind sogenannte Contrarians – sie handeln im Extrem genau entgegengesetzt zur Masse. Das funktioniert aber nur, wenn man kühlen Kopf bewahrt. Nüchternheit ist eine Grundvoraussetzung für diesen Ansatz.“

Wenn Sie dieses Zitat nicht aufmerksam gelesen haben, nehmen Sie sich ruhig noch einmal einen Moment dafür. Es lohnt sich.

Gerade in Phasen erhöhter Marktvolatilität lassen sich viele Anleger stark von Emotionen leiten. Doch diejenigen, die unter Druck am besten agieren, denken meist nicht wie hektische Trader – sondern eher wie Spock aus Star Trek.

Spocks kühle, logische und konsequente Art zu denken ist ein nützliches Vorbild, wenn es darum geht, sich in stürmischen Märkten zurechtzufinden. Er brachte es einmal auf den Punkt: „Unzureichende Fakten laden immer Gefahren ein.“ Genau dieser Ansatz – faktenbasiert, diszipliniert und frei von impulsivem Verhalten – ist es, den Anleger brauchen, wenn Angst oder Gier beginnen, rationale Entscheidungen zu gefährden.

Hier sind ein paar Überlegungen, die Sie im Hinblick auf Ihr Portfolio mitnehmen sollten:

Emotionen sind der Feind der Vernunft

Marktvolatilität erhöht den Stress – und mit steigendem Stress nehmen auch die emotionalen Reaktionen zu. Viele Anleger geraten dann in Aktionismus: Sie jagen Kursanstiegen hinterher oder verkaufen panisch, sobald die Kurse fallen. Genau hier bietet Spocks ruhige, rationale Art einen hilfreichen Gegenpol.

„Wenn man das Unmögliche eliminiert, muss das, was übrig bleibt – so unwahrscheinlich es auch erscheinen mag – die Wahrheit sein.“

Investieren bedeutet, genau das zu tun: den Lärm auszublenden, Spekulationen zu vermeiden und sich an den Fakten zu orientieren. Die Schlagzeilen sind oft dramatisch – es geht um zollbedingte Handelskriege, mögliche Rezessionen oder gar die Entdollarisierung der Weltwirtschaft. In der Realität treten solche Extremszenarien jedoch nur sehr selten ein.

Das folgende Diagramm zeigt eine normalverteilte „Gauß-Kurve“ möglicher Ereignisse und Ergebnisse. Einfach erklärt: In rund 68,26 % der Fälle bewegen wir uns im Bereich typischer Ergebnisse – bezogen auf die Wirtschaft bedeutet das entweder eine milde Rezession oder deren Vermeidung. In 95,44 % der Fälle liegt das Ergebnis irgendwo zwischen einer tiefen, aber nicht katastrophalen Rezession und einem normalen Wachstum. Dann bleiben 2,14 % Wahrscheinlichkeit für ein Szenario wie die Finanzkrise von 2008. Und was ist mit dem „wirtschaftlichen Armageddon“ – jenem Szenario, in dem nur noch Gold, Dosenravioli und ein Bunker zählen? Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei gerade einmal 0,14 %.

Gauß Kurve

Das Verständnis von Wahrscheinlichkeiten statt bloßer Möglichkeiten ist zentral, wenn es darum geht, Investitionen klug zu steuern. Spock hat nie behauptet, er könne die Zukunft vorhersagen – stattdessen hat er immer die verschiedenen möglichen Ergebnisse analysiert und ihre Eintrittswahrscheinlichkeiten berechnet. Genau das ist auch der Kern eines soliden Portfoliomanagements.

Erfolgreiche Anleger versuchen nicht, den Markt von morgen zu erraten. Sie denken in Szenarien, wägen Wahrscheinlichkeiten ab und planen entsprechend. Oder, wie Spock es formulierte:

„Veränderung ist der wesentliche Prozess aller Existenz.“

Mit anderen Worten: Wer glaubt, dass die jüngste Marktvolatilität dauerhaft so bleibt, wird vermutlich enttäuscht werden. Märkte verändern sich – immer. Deshalb betonen wir immer wieder, wie wichtig es ist, Risiken aktiv zu managen, regelmäßig neu zu gewichten, Gewinne mitzunehmen und die strategische Allokation im Blick zu behalten.

Ein Portfolio, das auf mögliche Abwärtsrisiken, unterschiedliche Wirtschaftsszenarien und Sicherheitsmargen ausgelegt ist, hilft dabei, auch in unsicheren Phasen gelassen zu bleiben. Denn am Ende ist das Einzige, was Anleger wirklich fürchten sollten – die Angst selbst.

Emotionale Entscheidungen schneiden langfristig meist schlechter ab als disziplinierte. Volatilität lässt sich nicht abschalten – wohl aber die eigene Reaktion darauf. Die Verhaltensökonomie, also die Behavioral Finance, liefert dafür reichlich Belege: Verlustaversion, Herdenverhalten oder die Tendenz, aktuelle Ereignisse überzubewerten (der sogenannte Rezenzeffekt), gehören zu den häufigsten Ursachen für schlechte Anlageentscheidungen.

Disziplin ist besser als Reaktivität

Emotionale Reaktionen auf kurzfristige Marktbewegungen sind oft der Grund dafür, dass langfristige Erträge vernichtet werden. Spocks Stärke lag nie in schneller Reaktion – sondern in Beständigkeit und Klarheit.

„Logik ist der Anfang der Weisheit, nicht das Ende.“

Die Fähigkeit, in unruhigen Zeiten einen Schritt zurückzutreten, neu zu bewerten und sich konsequent an den eigenen Investitionsprozess zu halten, ist entscheidend dafür, dass ein Portfolio langfristig mit den eigenen Zielen im Einklang bleibt.

Auch der legendäre Investor Charlie Munger hat diesen Gedanken auf den Punkt gebracht:

„Das große Geld liegt nicht im Kaufen und Verkaufen – sondern im Warten.“

Geduld ist ein echter strategischer Vorteil. Gerade in volatilen Marktphasen, wie wir sie aktuell erleben, lohnt es sich, den Blick aufs Ganze zu richten: Wie entwickelt sich das Portfolio im Verhältnis zu Ihren langfristigen Zielen? Wer sich diese Frage stellt, anstatt hektisch auf Kursschwankungen zu reagieren, hat bereits einen wichtigen Schritt in Richtung langfristiger Stabilität getan.

Ein disziplinierter, gut durchdachter Ansatz vor dem Eintreten von Volatilität ist der Schlüssel. Genau das macht Spocks Denkweise so wertvoll: Er wich Risiken nicht aus, sondern analysierte sie, bewertete sie – und bereitete sich vor.

Auch Anleger sollten zwischen gefühltem und tatsächlichem Risiko unterscheiden. Volatilität fühlt sich zwar oft bedrohlich an, ist aber in vielen Fällen nur die normale Schwankung rund um einen längerfristigen Trend. Das eigentliche Risiko liegt nicht in den Schwankungen selbst – sondern in dauerhaftem Kapitalverlust, übermäßiger Konzentration einzelner Positionen oder einer Portfolioausrichtung, die nicht zum eigenen Anlagehorizont und den persönlichen Zielen passt.

Wie schon erwähnt: Volatilität ist zyklisch. Auf Phasen niedriger Schwankungen folgen irgendwann unruhige Zeiten – und umgekehrt. Die Kunst besteht darin, die Hochphasen der Volatilität so gut zu überstehen, dass man bei den ruhigeren, wachstumsstärkeren Marktphasen voll dabei ist.

Preisvolatilität

Ray Dalio, der Gründer von Bridgewater Associates, spricht sich ebenfalls für einen nüchternen, analytischen Umgang mit Risiko aus. Einer seiner bekanntesten Sätze bringt es auf den Punkt:

„Wenn Sie sich keine Sorgen machen, sollten Sie sich Sorgen machen. Und wenn Sie sich Sorgen machen, brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen.“

Mit anderen Worten: Ständige Aufmerksamkeit und Vorbereitung sind deutlich hilfreicher als hektische Panik. In unsicheren Zeiten zu investieren kann durchaus riskant sein – aber es gibt Strategien, mit denen man auch in solchen Phasen klug handeln kann.

Hier ein paar praktische Grundsätze, die sich bewährt haben:

  • Halten Sie genügend Rücklagen für Notfälle bereit. So vermeiden Sie es, in einer Korrektur verkaufen zu müssen, nur um laufende Ausgaben zu decken.

  • Denken Sie langfristig. Ein Anlagehorizont von fünf bis sieben Jahren hilft, kurzfristige Schwankungen gelassener zu überstehen.

  • Überprüfen Sie Ihr Portfolio nicht täglich. Zwanghaftes Kontrollverhalten führt selten zu besseren Entscheidungen – meist nur zu mehr Stress.

  • Nutzen Sie steuerliche Verlustverrechnung, wenn es sinnvoll ist – Verluste lassen sich oft mit künftigen Gewinnen verrechnen.

  • Und vor allem: Bleiben Sie diszipliniert. Halten Sie an Ihrer Strategie fest – unabhängig von der aktuellen Marktstimmung.

Oder, um es mit einem Augenzwinkern zu sagen: Spock würde das genauso sehen.

Emotionen erschweren das Erkennen von Gelegenheiten

Ein oft übersehener Nachteil emotionalen Investierens ist die Unfähigkeit, in Marktabschwüngen Chancen zu erkennen. Oder wie Spock es formulierte:

„Die Angst ist der Feind. Sie ist der große Zerstörer der Logik.“

Ein häufiger Denkfehler in Phasen erhöhter Volatilität ist die Annahme, dass ein Kursrückgang bedeutet, dass alles gleichzeitig fällt. In Wirklichkeit ist das fast nie der Fall.

Ein interessantes physikalisches Gleichnis hilft hier beim Verständnis:

„Der erste Hauptsatz der Thermodynamik besagt, dass sich die innere Energie eines Systems gemäß dem Energieerhaltungssatz verändert, wenn Energie zugeführt oder abgeführt wird – in Form von Arbeit, Wärme oder Materie. In einem abgeschlossenen System bleibt die Gesamtenergie konstant – sie kann weder erzeugt noch vernichtet werden.“

Übertragen auf die Finanzmärkte bedeutet das: Auch hier wird kein Geld einfach „vernichtet“. Es verändert lediglich seine Form. Kapital verlässt einen Bereich – und fließt in einen anderen. Die Mittel verschwinden nicht, sie werden umgeschichtet.

An der Wall Street bringt man es gern auf den Punkt: „Es gibt immer irgendwo einen Bullenmarkt.“

Wenn Kapital einen Vermögenswert verlässt, fließt es häufig in einen anderen. Später dreht sich dieser Fluss wieder um – und was zuvor gefragt war, wird zur Liquiditätsquelle für das, was vorher verkauft wurde.

Ein aktuelles Beispiel für dieses Prinzip ist der Vergleich zwischen Gold und dem S&P 500. Die beiden Anlageklassen zeigen über eine 36-Monats-Betrachtung eine deutlich negative Korrelation. Einfach gesagt: Wenn der eine Wert steigt, wird er oft genutzt, um Liquidität für den anderen bereitzustellen – und umgekehrt.

Gold Chart

Das bedeutet nicht, dass der eine Vermögenswert „gut“ und der andere „schlecht“ ist – es heißt lediglich, dass Kapital seine Form ändert. Es bleibt im System, wird aber anders verteilt.

Gerade in Phasen erhöhter Volatilität neigen Märkte dazu, sich von den Fundamentaldaten zu lösen. Genau hier liegt die Chance für disziplinierte Anleger: Wer emotional gefestigt bleibt, kann unterbewertete Vermögenswerte erkennen – während andere in Panik verkaufen.

Deshalb entstehen die besten Kaufgelegenheiten oft dann, wenn der Pessimismus am größten ist. Nur: Wenige sind in solchen Momenten mutig – oder rational – genug, zu handeln.

Warren Buffett hat diesen Gedanken treffend zusammengefasst:

„Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und gierig, wenn andere ängstlich sind.“

Diese Fähigkeit zum konträren Denken erfordert emotionale Disziplin – und ist alles andere als leicht umzusetzen. Spock hätte vermutlich nicht die Masse beobachtet, um ihr zu folgen, sondern um sie als ein Stimmungsindikator einzuordnen – als ein Signal, das man analysieren, aber nicht blind übernehmen sollte.

Fazit: Bauen Sie sich Ihre eigenen „Vulkanier-Regeln“

Als Anleger lohnt es sich, sich ein Stück von Spocks Haltung abzuschauen – und Volatilität nicht als Ausnahmezustand, sondern als normalen Bestandteil des Investierens zu begreifen. Hier ein paar einfache Prinzipien, die helfen können, mit klarem Kopf durch turbulente Marktphasen zu navigieren:

  • Vertrauen Sie auf Prozesse – nicht auf Vorhersagen.

  • Denken Sie in Wahrscheinlichkeiten, nicht in Möglichkeiten.

  • Blenden Sie Extrem-Szenarien aus, die historisch kaum je eingetreten sind.

  • Hinterfragen Sie Ihre Annahmen – besonders Ihre eigenen.

  • Vermeiden Sie reaktive Entscheidungen.

  • Steuern Sie Risiken mit Ruhe und System.

Kurz gesagt: Tun Sie das, was viele der erfolgreichsten Investoren seit jeher tun – handeln Sie diszipliniert, rational und konsequent, gerade dann, wenn andere nervös werden.

Natürlich sind Sie kein Vulkanier, und niemand erwartet, dass Sie völlig frei von Emotionen investieren. Aber Sie sollten wissen: Emotionen – so menschlich sie auch sind – stehen rationalen Anlageentscheidungen oft im Weg. Deshalb lohnt es sich, in unruhigen Marktzeiten innezuhalten und sich Spocks wichtigste Erkenntnis in Erinnerung zu rufen:

„Lebe lang und in Frieden.“

Denn genau darum geht es am Ende – auch beim Investieren: Stabilität, Weitsicht und Gelassenheit.

60/40 Portfolio

Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis: Aus kurzfristiger Sicht ist der Markt aktuell wieder deutlich überkauft. Auch wenn solche Phasen sich gelegentlich etwas ausdehnen können, nähern wir uns wahrscheinlich dem Punkt, an dem viele Anleger mit sogenannten „gefangenen Longpositionen“ nach einer Gelegenheit suchen werden, auszusteigen.

Falls Sie es noch nicht getan haben, könnte die kommende Woche eine sinnvolle Gelegenheit sein, um über eine Neugewichtung Ihres Risikos nachzudenken – etwa durch die Erhöhung der Liquiditätsquote oder das Hinzufügen gezielter Absicherungen.

Hinweis: Die unten aufgeführte Portfolio-Allokation enthält eine Short-Position von 3,5 % auf den S&P 500 innerhalb der ETF-Komponente.

Portfolio-Allokation

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