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Wochenausblick: Rezessionsängste belasten Öl und Gold

Von Investing.com (Barani Krishnan/Investing.com)Rohstoffe16.03.2020 18:39
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Wochenausblick: Rezessionsängste belasten Öl und Gold
Von Investing.com (Barani Krishnan/Investing.com)   |  16.03.2020 18:39
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Vergessen Sie Öl. Der oft verwendete Refrain, dass „es wahrscheinlich schlimmer wird, bevor es besser werden kann“, hat plötzlich eine sehr beängstigende Bedeutung für Märkte und Investoren aller Art angenommen.

Aber was können wir noch erwarten, wenn die Federal Reserve die Zinssätze nahe null senkt, in ihrer zweiten Notmaßnahme in zwei Wochen, und bereitsteht, weitere 700 Milliarden US-Dollar in die Märkte zu pumpen und die Reaktion darauf bestenfalls verhalten ist?

WTI-Futures Wochenpreise
WTI-Futures Wochenpreise

Die Hysterie um das Coronavirus zwingt bereits 100.000 Millionen Europäer in Quarantäne, und die Amerikaner schaudern, dass sie die nächsten sein werden. Die Weltwirtschaft wurde auf eine Weise aufgewühlt, die sich nur wenige Zentralbanken hätten vorstellen können.

Wenn die Menschen nicht wie gewohnt unterwegs sind, arbeiten, fahren, essen, trinken und kaufen, ist es wahrscheinlich, dass keine Zinssenkungen oder Anreize es schaffen werden, die reale Nachfrage oder die Konsumentenstimmung wiederherzustellen.

Dies gilt insbesondere für die USA, wo fast 80% der Wirtschaftsleistung Konsumausgaben sind. Wenn die Mächtigen nicht doch noch einen Weg finden, Otto Normalverbraucher mit geschrumpften oder fehlenden Gehaltsschecks direkt mit Geld zu versorgen, damit sie online ausgeben können, was sie normalerweise in physischen Geschäften ausgeben würden, dürfte die Lage noch schlimmer werden.

Als Nike (NYSE:NKE), Urban Outfitters (NASDAQ:URBN) und 14 andere große Einzelhändler vorübergehend ihre Geschäfte schließen und Walmart (NYSE:WMT) und Apple (NASDAQ:AAPL) ihre Öffnungszeiten verkürzen, können wir vorerst alle Hoffnungen fahren lassen, dass die Dinge „besser“ werden.

US-Zinssenkung bedeutet gar nichts

Deshalb deutet der Dow Futures für den Handelsstart am Montag einen weiteren Verlust von 1.000 Punkten oder fast 5% an. Es ist ein vernichtendes Urteil, dass die Fed-Aktion am Sonntag nichts für die Wall Street bedeutete, auch wenn sie seltenes Lob von US-Präsident Donald Trump erhielt, der die Zentralbank seit seinem Amtsantritt beharrlich gedrängt hat, die Zinsen auf Null zu senken.

Im Fall von Öl lagen die Futures auf US-Rohöl und Brent am Montagmittag in Asien um etwa 2% oder mehr im Minus und machten damit eine Kehrtwende nach der Erholung am Freitag, die von Trumps Versprechen ausgelöst worden war, die US-Erdölreserve aufzufüllen - ein Geschenk für die Schieferölindustrie, der erwartungsgemäß nicht länger als einen Handelstag wirkte.

Brent-Futures Wochenpreise
Brent-Futures Wochenpreise

Sogar der Kassapreis von Gold hat nach der historischen Zinssenkung einen Anstieg von weniger als 2% verzeichnet - und wird damit seinem Status als krisensichere Wertanlage nicht ganz gerecht, insbesondere nach dem Rückgang um 9% in der letzten Woche, seinem höchsten Wochenverlust seit 2011.

Rezession „scheint unausweichlich”

"Von hier an scheint eine Rezession für die Welt unvermeidlich", sagte Jeffrey Halley, leitender Marktanalyst bei OANDA.

"Ein Best-Case-Szenario ist, dass Eindämmungsbemühungen Früchte tragen und in drei Monaten die Welt Licht am Ende des Tunnels erblickt und die Erholung einsetzt. Dies ist das optimistische Szenario, obwohl einige bedeutende Länder der Welt immer noch zögerlich sind oder sich in einem Zustand der Verleugnung befinden. Sie wissen, wen ich meine."

Für Öl könnte das bedeuten Goldmans 20-Dollar-Öl zu einer realen Möglichkeit wird. Während sowohl WTI als auch Brent sich bis jetzt über 30 USD behaupten, ist es nicht allzu schwer vorstellbar, dass sie ein weiteres Drittel an Wert verlieren.

Ein ernstes Überversorgungsrisiko droht beim Öl, da das durch das Coronavirus verursachte Sperrung von Luft-, Straßen- und Seereisen mit den unzeitgemäßen Produktionssteigerungen in Saudi-Arabien zusammenfällt.

Fluggesellschaften wie American Airlines (NASDAQ:AAL) haben bis zu 75% ihrer internationalen Kapazität zusammengestrichen, nachdem Trump ein vollständiges Einreiseverbot für Europäer in die USA angekündigt hatte, während EU-Mitglieder individuelle Maßnahmen zur Sicherung ihrer Grenzen ergriffen haben. In der letzten Woche sah die Beratungsfirma Rystad Energy für das Jahr 2020 einen Rückgang des weltweiten Flugverkehrs um 16% oder mehr, was zu einem Nachfragerückgang nach Flugbenzin um rund 780.000 bpd führen würde.

Der Durchschnittspreis für eine Gallone Benzin in den USA lag am Sonnabend bei 2,26 USD, dem niedrigsten Niveau seit 2017, meldete der amerikanische Automobilverband American Automobile Association. Während niedrigere Kraftstoffpreise normalerweise das Wirtschaftswachstum ankurbeln, kommt der derzeitige Rückgang zu einer Zeit, in der weniger Amerikaner Auto fahren, aufgrund der Störungen durch die Pandemie, an der sich in den USA bereits mehr als 3.700 Menschen infiziert haben und etwa 70 gestorben sind.

Wenig Freude für Schieferöl

Aber was ist mit Trumps Plänen, die strategische Ölreserve oder Strategic Petroleum Reserve (SPR) aufzufüllen? Wird das der Schieferölindustrie nicht helfen?

Ja und nein.

Wie Forbes Energiereporter Scott Carpenter es formuliert, könnte sich Trumps Plan, die SPR aufzufüllen, sich "effektiver als Metapher für den bodenlosen Appetit des Schiefersektors auf Schulden" erweisen, anstatt als bedeutender Katalysator für einen Anstieg der Ölpreise.

Das liegt daran, dass die Gesamtkapazität der SPR 713,5 Millionen Fass beträgt. Bis letzte Woche betrug das Gesamtvolumen an Rohöl in den unterirdischen Salzkavernen von Louisiana, wo die Reserven der Nation gebunkert sind, knapp 650 Millionen Fass.

Das Maximum, das Trump in diese Höhlen einspeisen kann, beträgt also 63,5 Millionen Fass. Selbst wenn die Verwaltung die SPR bis zum Jahresende auffüllt, kann sie in den verbleibenden 290 Tagen des Jahres, gerechnet vom 16. März an, höchstens 219.000 Fass am Tag in die unterirdischen Hohlräume pumpen.

"Dies entspricht nicht einmal der Hälfte der Produktionssenkungen, die die OPEC+ vor dem Zusammenbruch der jüngsten Gespräche in Betracht gezogen hatte. Und es ist nur ein Bruchteil der rund 4 Millionen Fass Überangebot pro Tag, mit denen die globalen Märkte jetzt konfrontiert sein könnten", sagt Carpenter und verweist auf den aggressiven saudischen Produktionsplan für die kommenden Wochen, mit dem die Russen den Erwartungen nach, zu einem gewissen Maße gleichziehen werden.

Und trotz ihrer starken Worte scheinen auch die Saudis in Schwierigkeiten zu sein.

Aramco (SE:2222), Riads staatseigenes Ölunternehmen, senkt die geplanten Ausgaben in diesem Jahr, was ein erstes Anzeichen dafür ist, dass die sinkende Nachfrage und der vom Königreich ausgelöste Rohölpreiskrieg auf das Königreich selbst zurückschlagen, berichtet Bloomberg.

Die Kapitalinvestitionen werden im Jahr 2020 zwischen 25 und 30 Milliarden US-Dollar liegen und die Ausgabenpläne für das nächste Jahr und darüber hinaus werden überprüft, sagte Aramco. Im Börsenprospekt des Ölriesen war noch von geplanten 35 Milliarden US-Dollar auf 40 Milliarden US-Dollar die Rede gewesen. 2019 wurden 32,8 Milliarden US-Dollar investiert.

Wie dem auch sei, Gold wird verkauft

Im Fall von Gold, dürfte jegliche Erholung begrenzt sein, da die Marktteilnehmer wahrscheinlich schnell verkaufen werden, um Margin-Calls und Verluste bei Aktien und anderswo abzudecken. Laut Halley von OANDA scheint die Liquidation von Gold-Longs unvermeidlich, sollten die Aktienkurse weiter fallen. Wenn Gold wieder in Richtung 1.600 USD steigt oder sogar wieder die 1.700 USD-Hochs der letzten Woche erreicht, dürfte der Ausverkauf umso schneller kommen.

Goldfutures Wochenkurse
Goldfutures Wochenkurse

"Höchstwahrscheinlich dürften Gold-Longs für Geduld belohnt werden, aber dazu werden sie tiefe Taschen brauchen", sagte er.

"Nachdem in der vergangenen Woche um 175 US-Dollar gefallen sind, können weitere Abwärtsschmerzen nicht ausgeschlossen werden, oder dass technische Niveaus eingehalten werden. Die Region von 1.460,00 bis 1.480,00 USD bietet jedoch eine längerfristige Unterstützung. Wenn man Augen zu und long gehen will, könnte dies ein guter Einstiegsbereich sein."

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Kommentare (2)
Roland Balan
Roland Balan 16.03.2020 23:37
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Und, "Wenn Gold long geht, muss man tiefer reingreifen" in die sich leerende Tasche..die sich bei den Anderen füllt. Wenn's nix mehr gibt, am rauen Yokon, mit letzter Patrone im Lauf... ja dann ist eh alles rum.
Roland Balan
Roland Balan 16.03.2020 23:32
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Gold geht mit dem Markt . Langsamer. Sowohl rauf wie runter... .Die Entdeckung der Langsamkeit. Und, immer hinterher.Palladium ist spannender , toxischer und aufregender...
 
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