Die beste KI-Aktie im März (+46% in 3 Wochen)
Ein erfolgreicher Test.
In der letzten Woche haben wir darüber gesprochen, dass sich dieser Markt wie ein „unaufhaltsamer“ Bullenmarkt anfühlt. Trotzdem ist es ganz normal, dass es zwischendurch auch mal Pausen gibt, bevor der nächste Anlauf nach oben startet. Die jüngste Konsolidierung kam daher nicht überraschend – wir hatten genau das erwartet.
„Trotz der Aussagen von Bessent bleibt der Markt kurzfristig überkauft, und in der kommenden Woche dürfte es erneut zu einer Phase der Konsolidierung kommen. Zum Ende der Woche haben wir unseren Short-Hedge aufgelöst, die Position in Anleihen ausgebaut und die Aktienquote etwas zurückgenommen. Wenn sich der Markt seitwärts bewegt, nutzen wir unsere Barmittel als primäre Absicherung. Sollte der 200-Tage-Durchschnitt (200-DMA) unterschritten werden, rückt der 50-DMA als nächste wichtige Unterstützung in den Fokus. Positiv ist, dass sowohl der 20- als auch der 50-DMA mittlerweile nach oben zeigen – ein gutes Zeichen für steigende Unterstützungsniveaus. Wir rechnen mit einer Stabilisierung des Marktes. Natürlich gibt es Risiken, die man im Blick behalten muss – deshalb halten wir aktuell bewusst einen höheren Kassenbestand.“
Vergangene Woche wurde der 200-DMA dann tatsächlich erfolgreich getestet. Der Rücksetzer an dieses zuvor durchbrochene Widerstandsniveau und die anschließende Erholung senden ein deutliches Signal: Die April-Korrektur könnte hinter uns liegen – und die Bullen übernehmen wieder das Steuer. Zwischen dem aktuellen Kursniveau und den bisherigen Allzeithochs liegt zudem nur wenig technischer Widerstand.
Gleichzeitig gilt aber weiterhin: Die Märkte sind nach wie vor überkauft, eine erneute Konsolidierung wäre also keine Überraschung – bevor es dann möglicherweise in Richtung neuer Höchststände geht. Da aktuell auch ein MACD-Verkaufssignal aktiv ist und die Kapitalzuflüsse etwas nachlassen, wäre ein weiterer Test des 200-DMA in der kommenden Woche nicht ungewöhnlich.

Interessanterweise scheint das alte Sprichwort „April bringt Regen, Mai dafür Sonnenschein“ in diesem Jahr besonders passend zu sein. Der im April durch Zolldiskussionen ausgelöste Rücksetzer hat nämlich im Mai eine starke Gegenbewegung nach sich gezogen.
Der S&P 500 verzeichnete im Mai sogar den besten Monatsgewinn seit 1990 – ein eindrucksvolles Comeback, das die Erholungskraft des Marktes einmal mehr unterstreicht.

Auch wenn die Stimmung am Markt aktuell sehr bullisch ist, bleibt der kurzfristige Überkauft-Zustand bestehen – wie bereits erwähnt. Deshalb ist es durchaus realistisch, dass der Juni etwas holpriger verläuft. Ein Grund: Die Aktienrückkäufe durch Unternehmen könnten nachlassen, da viele Firmen in die sogenannte „Blackout Period“ eintreten – also die Zeit vor Beginn der Berichtssaison fürs zweite Quartal, in der sie nicht am Markt aktiv sein dürfen.
Wir haben in der Vergangenheit mehrfach darauf hingewiesen, dass die Gewinnerwartungen der Analysten nach wie vor recht optimistisch wirken.
Laut MRB Partners dürfte die Berichtssaison zum ersten Quartal sogar bereits den Höhepunkt im aktuellen Gewinnzyklus markiert haben. Angesichts der engen Verbindung zwischen Ertragsschätzungen und Marktentwicklung sollte man diese Einschätzung nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Trotzdem sollten Anleger bei all den „Erklärungen dafür, was der Markt gerade macht“ vorsichtig bleiben. Solche Narrative klingen oft plausibel, können aber trügerisch sein – besonders dann, wenn sie stark emotionalisiert und medienwirksam präsentiert werden.
Wer sich davon zu sehr mitreißen lässt, läuft Gefahr, impulsive Entscheidungen zu treffen, die mehr schaden als nützen.
Genau darum ging es auch im aktuellen #BullBearReport dieser Woche.
Die Psychologie der Erklärungsversuche
Es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, wie schnell sich Markt-Narrative ändern – je nachdem, welche Argumente gerade zur eigenen Positionierung passen. Besonders auffällig ist das in Podcasts, in Influcener-Videos oder Medien, die auf eine optimistische Grundstimmung angewiesen sind – etwa um Gold zu verkaufen oder Klicks und Reichweite zu generieren.
Ich habe spaßeshalber mal zum Thema „Zinssätze“ gegoogelt – hier ein paar der Treffer:
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Der Treasury-Markt steht kurz vor dem Zusammenbruch.
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Die US-Wirtschaft bricht zusammen: Panik an den Anleihemärkten.
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Die Bond-Vigilantes sind am Zug.
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Die USA riskieren eine "Finanzkatastrophe".
Das Bild ist ziemlich eindeutig – zumindest wenn man sich auf diese Schlagzeilen verlässt: Alles steuert auf den Abgrund zu.
Warum sind solche Darstellungen für Anleger überhaupt so relevant? Ganz einfach: Weil wir Menschen sind.
Wir haben ein natürliches Bedürfnis nach Ordnung, Regeln und Vorhersehbarkeit – egal ob beim Thema Ernährung, Lernen oder Geldanlage. Das gibt uns ein Gefühl von Kontrolle. Und wir glauben oft: Wenn wir nur das „richtige“ System anwenden, bekommen wir am Ende auch das gewünschte Ergebnis.
Gerade beim Investieren wird dieser Drang nach Ordnung besonders sichtbar. Der Markt ist chaotisch und komplex – beeinflusst von Unternehmenszahlen, Zinspolitik, geopolitischen Entwicklungen, Technologie, und vor allem: von der Massenpsychologie. Und doch suchen wir unermüdlich nach Mustern, nach Erklärungen, nach einer Erzählung, die uns die Welt der Märkte verständlich macht.
Das Spannungsfeld zwischen Logik und Emotion, zwischen Kontrolle und Zufall ist dabei allgegenwärtig.
Ein gutes Beispiel: In einer Schlagzeile heißt es, Aktien steigen wegen des starken BIP-Wachstums. In der nächsten heißt es, Aktien fallen wegen des starken BIP-Wachstums – denn das könnte zu mehr Inflation führen.
Beides kann nicht gleichzeitig richtig sein. Aber wir Menschen lieben einfache Antworten. Analysten zeigen auf einen Datenpunkt – und wir klammern uns daran fest. Auch wenn sich das Bild morgen schon komplett ändern kann.
Warum bearishe Narrative besser ankommen
Unser Bedürfnis nach stimmigen Erklärungen ist tief in unserer Psychologie verankert. Als Menschen sind wir auf Muster und Logik programmiert – wir wollen, dass Dinge nachvollziehbar und vorhersehbar sind. Chaos macht uns nervös, weil es sich bedrohlich, unkontrollierbar und unsicher anfühlt.
Beim Investieren wird dieses Gefühl noch verstärkt – schließlich geht es hier direkt um unser Vermögen und unsere finanzielle Sicherheit. Wenn die Märkte schwanken, suchen wir nach Erklärungen, an denen wir uns festhalten können – ganz gleich, wie schwach sie im Einzelfall sein mögen. Diese Narrative geben uns das Gefühl, zu verstehen, was passiert – und was als Nächstes kommen könnte. Sie sind wie ein Pflaster für unsere Angst vor Ungewissheit.
Wenn man dieses Bedürfnis nach Kontrolle mit unserem natürlichen Verhalten zur Verlustvermeidung kombiniert, wird schnell klar, warum pessimistische – oder bearishe – Marktgeschichten oft mehr Gehör finden als optimistische.
Warum ist das so wichtig?
„Die Aversion gegen Verluste ist ein bekanntes Muster in der verhaltensorientierten Finanzwelt. Anleger haben oft so große Angst vor Verlusten, dass sie stärker darauf fokussiert sind, diese zu vermeiden, als darauf, mögliche Gewinne zu erzielen. Je mehr Verluste jemand erlebt, desto eher entwickelt sich eine Tendenz zur Verlustaversion.“ – Corporate Finance Institute

Die Realität: Wir reagieren stärker auf das Negative. Tatsächlich bevorzugen wir Menschen von Natur aus negative Informationen – und das hat evolutionäre Gründe. Für unsere Vorfahren war es überlebenswichtig, Gefahren schnell zu erkennen, etwa Raubtiere oder andere Bedrohungen. Dieser Instinkt – bekannt als Negativverzerrung – prägt auch heute noch, wie wir Informationen wahrnehmen und verarbeiten. Und das gilt auch für Finanznachrichten und Marktberichte.
Kein Wunder also, dass bearish orientierte Podcasts, Artikel oder Schlagzeilen oft besonders viel Aufmerksamkeit bekommen.
Warum wirken negative Narrative so stark?
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Angst motiviert stärker als Gier: Natürlich investieren wir in der Hoffnung, Gewinne zu erzielen – aber die Angst, Geld zu verlieren, ist ein noch viel stärkerer Antrieb.
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Pessimistische Aussagen wirken oft „vernünftiger“: In unsicheren Zeiten erscheint Vorsicht als klügerer Weg. Eine pessimistische Marktprognose wird schnell als rational, analytisch und verantwortungsvoll wahrgenommen.
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Medien wissen: Angst verkauft sich gut: Reißerische Schlagzeilen wie „TURBULENTE MÄRKTE“ oder „KOLLAPS STEHT BEVOR?“ erzielen hohe Klickzahlen – weil sie sofort emotional ansprechen.
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Herdenverhalten und Echokammern verstärken das Ganze: In volatilen Phasen suchen viele Anleger Bestätigung – und finden sie oft in pessimistischen Kommentaren. Wenn andere vorsichtig sind, verstärkt das das Gefühl, dass ein Abschwung bevorsteht – auch wenn die Fundamentaldaten eigentlich stabil sind. Soziale Medien und Finanznachrichtenportale verstärken diese Effekte zusätzlich, indem sie vor allem das zeigen, was gerade am meisten Aufmerksamkeit bekommt.
Das beste Beispiel: Die aktuellen Treasury-Auktionen
Ein aktueller Fall zeigt deutlich, wie stark mediale Darstellung die Wahrnehmung und Stimmung an den Märkten prägen kann.
Die Renditen sind zuletzt gestiegen – und ein Grund dafür war die Berichterstattung über eine angeblich „katastrophale“ Auktion der 20-jährigen US-Staatsanleihen. Schlagzeilen ließen vermuten, der US-Schuldenmarkt stehe kurz vor dem Kollaps.
Michael Lebowitz schrieb dazu vergangene Woche:
„Nach der Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit durch Moody’s und dem überraschend umfangreichen Gesetzesentwurf der Regierung überschlug sich die Berichterstattung mit Negativschlagzeilen. Aber solche Narrative brauchen ständige Nahrung. Der Abverkauf bei Anleihen setzte sich am 21. Mai 2025 fort, als die Auktion der 20-jährigen Treasuries von manchen Kommentatoren als 'schrecklich' oder 'grauenhaft' bezeichnet wurde. Einige sahen darin ein deutliches Zeichen dafür, dass sich das US-Finanzministerium schwer damit tut, neue Schulden zu platzieren.“
Er ergänzte:
„Manche Mahner verwiesen auf den 'großen Tail' der Auktion – also die Differenz zwischen der tatsächlichen Auktionsrendite und der erwarteten Rendite davor. Ein größerer Tail kann ein Hinweis auf schwache Nachfrage sein. Aber wie die Grafik unten zeigt, war der Tail bei dieser Auktion keineswegs außergewöhnlich. Außerdem schwankt er naturgemäß – mal nach oben, mal nach unten. Das liegt auch daran, dass die 20-jährige US-Staatsanleihe im Markt nicht denselben Benchmark-Status hat wie andere Laufzeiten.“

Die Schlagzeilen überschlugen sich: Das „schreckliche“, „katastrophale“ Ergebnis der Auktion sei ein klares Zeichen dafür, dass niemand mehr US-Staatsanleihen halten will.
Tatsächlich stimmt das so nicht. Immerhin wurden 82 % der versteigerten Anleihen an sogenannte indirekte Käufer vergeben – also vor allem an ausländische Zentralbanken. Die Auslandsnachfrage war also weiterhin hoch, trotz des weit verbreiteten Anti-USD-Narrativs, das behauptet, Zentralbanken würden sich in großem Stil von US-Anleihen trennen.
Wie Mike allerdings anmerkt, verlief die Auktion der 10-jährigen Treasuries – die mit rund dem dreifachen Volumen deutlich größer war – nur eine Woche zuvor ausgesprochen stark.
„Primärhändler, also Direktbieter, die bei Treasury-Auktionen als Käufer der letzten Instanz auftreten, erhielten mit nur 8,9 % der Anleihen die drittniedrigste Zuteilung seit mindestens 2008. Das zeigt: Die Nachfrage aus anderen Quellen war robust. Außerdem lag das Gebotsvolumen beim 2,6-Fachen des ausgeschriebenen Betrags – mehr als der Durchschnitt der letzten sechs Auktionen, der bei 2,4 lag. Und: Dieses Verhältnis liegt am oberen Ende der Spanne der letzten zehn Jahre.“

Trotz der starken Nachfrage bei der deutlich wichtigeren Auktion der 10-jährigen Treasuries ignorierten viele pessimistisch gefärbte Medienberichte genau diese Fakten. Stattdessen richtete sich der Fokus gezielt auf die 20-jährige Auktion – einfach, weil sie besser zum gewünschten Narrativ passte.
Bleibt also die Frage: Stimmt die Behauptung, dass das steigende Defizit unweigerlich zu einem Schuldenkollaps führen wird?
Oder ist das einfach nur der neueste Erklärungsversuch, der unseren angeborenen Pessimismus füttert?
Die Geschichte von Zinsen und Defiziten
Vor Kurzem habe ich einen ausführlichen Artikel über Ray Dalio veröffentlicht, in dem er warnt: Das Defizit ist kritisch geworden.
Er beschreibt es so:
„Es ist, als wäre ich Arzt und untersuche einen Patienten. Ich sage ihm: ‚Ich sehe bei Ihnen eine Anomalie, und ich kann Ihnen sagen, dass das sehr, sehr ernst ist – aber ich kann Ihnen nicht genau sagen, wann etwas passieren wird.‘ Ich würde sagen, dass wir uns innerhalb der nächsten drei Jahre – plus/minus ein oder zwei Jahre – in einer solchen kritischen Lage befinden werden.“
Natürlich darf bei solchen Warnungen die passende Visualisierung nicht fehlen – am besten ein drastischer Chart. In diesem Fall stammt er von der Deutschen Bank (ETR:DBKGn):
„Wir erinnern die Leser daran, dass das große, schöne Gesetz, das derzeit im Kongress liegt, die US-Staatsverschuldung um rund 5 Billionen USD erhöhen wird. Das führt uns direkt zu dem, was wir die Schuldenapokalypse nennen: Letztlich ist es ein Abwägen zwischen kurzfristigem Wohlstand (ein paar zusätzliche Billionen in den nächsten vier Jahren) und langfristigem wirtschaftlichem Zusammenbruch (eine langfristige Schuldenquote von 220 % des BIP).“

Das klingt ohne Frage beängstigend. Doch wie ich in dem erwähnten Artikel ausführlich gezeigt habe, warnt Ray Dalio seit über einem Jahrzehnt vor genau dieser Krise.
Anleger, die seinen damaligen Prognosen einer bevorstehenden „Depression“ gefolgt sind, haben damit allerdings einen der größten Bullenmärkte in der Geschichte der US-Börse verpasst.

Die Fakten zeigen jedoch ein anderes Bild: Steigende Schulden und Haushaltsdefizite führen in der Regel nicht zu höheren, sondern zu niedrigeren Zinsen.
Der Grund ist simpel: Eine wachsende Verschuldung lenkt Kapital weg von produktiven Investitionen – und hinein in den Schuldendienst. Dadurch wird das Wirtschaftswachstum gebremst.
Man kann das gut veranschaulichen, wenn man die Bundesverschuldung als Anteil am BIP dem potenziellen Wirtschaftswachstum gegenüberstellt. Da staatliche Ausgaben oft unproduktiv sind, überrascht es kaum, dass mehr Schulden nicht automatisch zu mehr wirtschaftlicher Aktivität führen – im Gegenteil.

Dalio und andere Dauerbären liegen mit ihrer Einschätzung daneben: Der jüngste Anstieg von Inflation und Zinsen ist nicht auf nachhaltiges, organisches Wirtschaftswachstum zurückzuführen.
Vielmehr war es ein kurzfristiger, stimulusgetriebener Effekt – ausgelöst durch massive geld- und fiskalpolitische Maßnahmen nach dem pandemiebedingten Stillstand. Als Angebot und Nachfrage plötzlich wieder anzogen, entstand vorübergehend Druck auf Preise und Zinsen.
Doch sobald diese monetären und fiskalischen Impulse zurückgehen – und das tun sie bereits – wird auch diese künstliche Unterstützung nachlassen.
Deshalb ist es entscheidend, zu verstehen, welche Faktoren langfristig wirklich Einfluss auf die Zinsen haben: Wirtschaftswachstum, Löhne und Inflation.
Um diese Dynamik greifbar zu machen, lässt sich ein zusammengesetzter, visueller Index erstellen, der BIP, Lohnentwicklung und Inflation den Zinssätzen gegenüberstellt.

Da Zinssätze – also die Verzinsung von geliehenem Kapital – sowohl durch die wirtschaftliche Aktivität (sprich: Kreditnachfrage) als auch durch die Inflation (also erwartete zukünftige Kosten) beeinflusst werden, überrascht die enge Korrelation zwischen diesen Faktoren kaum.

Entgegen der aktuellen Flut pessimistischer Narrative gilt: Wenn sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt, bremst das in der Regel auch die Inflation – denn sie ist letztlich eine Funktion von Angebot und Nachfrage – und damit auch die Zinsen.
Die Märkte ändern sich nicht
Für Anleger ist vor allem eines entscheidend: Auf lange Sicht verarbeitet der Markt selbst eine Flut negativer Schlagzeilen.
Die ständigen Warnungen zu Schulden, Defiziten, Zöllen, Inflation, geopolitischen Spannungen, Trump und vielem mehr – sie alle bedienen vor allem unsere eigene negative Verzerrung. Wer sich davon leiten lässt und aus Angst vor möglichen Verlusten nicht investiert hat, hat dafür einen hohen Preis gezahlt: ein spürbar geringeres Finanzvermögen.
Anders gesagt: Es gibt immer einen Grund, nicht zu investieren. Die jeweilige Begründung, warum man sich vom Markt fernhalten sollte, ändert sich ständig. Der Markt selbst jedoch bleibt – mit all seinen Zyklen, Aufs und Abs.
Wir sehen gerade live, wie sich Narrative wandeln: Seit 2007 sind die Zinsen mal gestiegen, mal gefallen. Heute sind sie zwar höher als noch vor ein paar Jahren, aber immer noch unter dem Niveau von 2008. Und jedes Mal, wenn die Zinsen gestiegen sind, wurde eine andere Erklärung geliefert.
Was sich dagegen nicht verändert hat: Die US-Haushaltsdefizite sind seit 2008 stetig gestiegen – aber erst jetzt ist das plötzlich ein dominierendes Thema.

Beim Investieren hat es immer wieder Phasen gegeben, in denen die Märkte deutlich eingebrochen sind. Doch diese Rückgänge kamen selten völlig aus dem Nichts. Meist gab es im Vorfeld zahlreiche Warnzeichen, die Anlegern die Möglichkeit boten, ihr Risiko zu steuern und durch schwierige Zeiten durchzuhalten.
Entscheidend ist: Wer investiert blieb, hat langfristig deutlich besser abgeschnitten als diejenigen, die aus Angst vor einem möglichen Abschwung ganz ausgestiegen sind – und dadurch auch nicht vom anschließenden Aufschwung profitieren konnten.

Um es klar zu sagen: Ich behaupte nicht, dass man passiv bleiben und sich einfach von einem möglichen rezessiven Bärenmarkt oder einem größeren Finanzereignis überrollen lassen sollte.
Anleger können – und müssen – ihr Portfoliorisiko aktiv steuern und sich gerade in unsicheren Phasen überlegt und verantwortungsvoll verhalten.
Aber: Die meisten der ständig kursierenden pessimistischen Erklärungsversuche sind letztlich nicht mehr als Hintergrundrauschen. Es wird immer Schlagzeilen oder Analystenberichte geben, die zum Ausstieg aus dem Markt raten.
Manche dieser Sorgen sind auch berechtigt – keine Frage. Doch genauso gilt: Wer emotional reagiert, alles verkauft und vollständig auf Bargeld umschichtet, verpasst am Ende oft die Chancen, die sich aus genau diesen Unsicherheiten ergeben.
Tipps für den Umgang mit Narrativen
Hier ein paar Strategien, die ich Anlegern empfehle, um sich gegen den stetigen Trommelschlag des Pessimismus zu wappnen:
1. Trennen Sie bei Nachrichten die Spreu vom Weizen
Pessimistische Narrative greifen oft einzelne Datenpunkte auf – aus dem Zusammenhang gerissen und dramatisch zugespitzt. Deshalb ist es wichtig, das große Ganze im Blick zu behalten:
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Lassen Sie sich nicht allein von einer inversen Zinskurve verunsichern. Schauen Sie stattdessen auf die Kreditvergabe, die Entwicklung der Unternehmensgewinne und das Verbrauchervertrauen.
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Wenn Märkte schwächeln, prüfen Sie, ob sich die Fundamentaldaten Ihrer Investments tatsächlich verschlechtert haben – oder ob es sich nur um kurzfristige Volatilität handelt.
2. Arbeiten Sie mit einem disziplinierten Risikomanagement
Wir bei RIA blenden Risiken nicht aus – wir gehen aktiv mit ihnen um:
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Rebalancing mit Augenmaß: Nach starken Marktphasen nehmen wir Gewinne mit und bringen Positionen zurück auf Zielgewichtungen. In Phasen der Panik nutzen wir Gelegenheiten gezielt.
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Klare Stopp-Loss-Marken: Sie helfen uns, Gewinne abzusichern und Verluste zu begrenzen – ohne emotional überzureagieren.
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Breite Diversifizierung: Über verschiedene Anlageklassen hinweg, um Schwankungen besser auszugleichen.
3. Fokus auf Wert, Qualität und Dividenden
In turbulenten Phasen neigen viele dazu, solide Fundamentaldaten zu übersehen. Genau dann setzen wir auf:
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Wertorientierte Aktien mit robusten Bilanzen und stabilen Cashflows.
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Dividendenwerte, die auch bei Marktschwäche regelmäßige Erträge liefern.
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Qualitätsunternehmen, die wirtschaftliche Abschwünge besser überstehen als spekulative Titel.
4. Denken Sie langfristig
Pessimistische Schlagzeilen wirken im Moment laut – aber Märkte blicken nach vorn. Wer langfristig investiert, kann zwischenzeitliche Rücksetzer verkraften. Historisch waren genau diejenigen Anleger am besten aufgestellt, die in Phasen der Unsicherheit nicht die Nerven verloren haben.
Erfolgreiches Investieren bedeutet nicht, ständig den Markt zu schlagen. Es geht darum, Risiken zu steuern, Kapital zu erhalten und mit ruhiger Hand stetige Renditen zu erzielen – um die eigenen Ziele zu erreichen.
Ignorieren Sie den Lärm, bleiben Sie diszipliniert und denken Sie daran: Für überhastete Entscheidungen belohnt der Markt niemanden – im Gegenteil, er stellt die Konsequenzen klar und direkt.
Halten Sie sich an ein paar einfache Grundregeln. Und bleiben Sie Ihrer Strategie treu.

