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Schweiz arbeitet an Nachfolger für Referenzzins Libor

Veröffentlicht am 22.09.2017, 16:05
© Reuters.  Schweiz arbeitet an Nachfolger für Referenzzins Libor

Zürich (Reuters) - Die Schweiz könnte auf der Suche nach einer Alternative für den in Misskredit geratenen Referenzzins Libor fündig geworden sein.

Eine nationale Arbeitsgruppe werde den noch jungen Saron-Zins voraussichtlich bei ihrem nächsten Treffen am 5. Oktober als neuen Referenzsatz empfehlen, sagte der Co-Vorsitzende der Arbeitsgruppe, Martin Bardenhewer, am Freitag auf einer Veranstaltung. Allerdings habe dieses Komitee, das sich mit Referenzzinssätzen beschäftigt, keine formelle Durchsetzungskraft. Man könne dem Markt die Umstellung nicht aufzwingen. Es hänge letztlich von den Marktteilnehmern ab, ob sich der Saron als Alternative durchsetze.

Dieser "Swiss Average Rate Overnight" bezieht sich auf besicherte Kredite mit einer Laufzeit über Nacht bis zu zwölf Monaten und basiert auf Marktpreisen, die über eine Plattform gestellt werden. Der 3-Monats-Libor misst den Zins für unbesicherte dreimonatige Frankenkredite der Banken untereinander. Er wird aus den Angaben einzelner Institute berechnet.

Nötig wird die Umstellung, weil die britische Finanzmarktaufsicht dem wegen Manipulationen in Verruf geratenen Libor bis Ende 2021 ihre Unterstützung entzieht. Damit dürfte der Zins an Bedeutung verlieren. Doch für die Finanzmärkte ist der Libor bislang von enormer Wichtigkeit: Nach Angaben der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ist er die Basis für Verträge mit einem weltweiten Volumen von 300 Billionen Dollar. Im Franken-Markt allein hängen Verträge mit einem Nominalwert von rund sechs Billionen Franken an dem Referenzsatz - darunter Kredite und Hypotheken für Wohnungen und Einfamilienhäuser.

Die Umstellung auf eine neue Referenzgröße stelle daher eine große Herausforderung dar, warnte SNB-Direktor Dewet Moser. Die Marktteilnehmer müssten sich gut darauf vorbereiten. Die Notenbank selbst wolle sich nicht zu ihren Präferenzen für oder gegen den Saron äußern. „Wir tun unser Bestes, den Prozess in der Schweiz zu begleiten. Aber wir wollen die Entscheidung nicht beeinflussen“, sagte Moser.

Auch die Notenbank selbst setzt auf den Libor als ihren Referenzzins und die Richtschnur ihrer Geldpolitik und muss nun eine Alternative suchen. Eine Umstellung habe aber keine Auswirkungen auf die Geldpolitik, sagte Moser.

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