von Peter Nurse
Investing.com - Der Dollar sank am Dienstag im europäischen Handel leicht, blieb jedoch aufgrund steigender Renditen von US-Staatsanleihen und der Erwartung einer robusten wirtschaftlichen Erholung in den USA in der Nähe seiner höchsten Niveaus seit mehreren Monaten.
Um 08:55 MEZ wurde der US-Dollar-Index, der die US-Währung gegenüber einem Korb aus sechs anderen Leitwährungen abbildet, um 0,2% tiefer zu 92,130 gehandelt, nachdem er zuvor mit 92,528 sein höchstes Niveau seit Ende November erreicht hatte.
Der EUR/USD Kurs stieg um 0,3% auf 1,1883, nachdem er zuvor auf die Tiefstwerte von Ende November 2020 gefallen war, bevor heute noch die Revision des Eurozonen-BIPs vom vierten Quartal erscheint und die Europäische Zentralbank am Donnerstag ihre geldpolitischen Entscheidungen bekanntgibt. Am Montag veröffentlichte Daten zeigten, dass die EZB ihre Anleihekäufe vor zwei Wochen nicht merklich verstärkt hatte, als Inflationsängste an den Weltmärkten um sich griffen.
Ein weiterer Test für den Markt wird der heutige Verkauf von US-Schatzanweisungen mit drei Jahren Laufzeit um 18:00 MEZ sein, eine Woche nachdem eine Auktion von siebenjährigen Schuldverschreibungen schlecht angekommen war, was einen starken Anstieg der Renditen auslöste. Die Dreijahresanleihen reagieren empfindlicher auf Veränderungen der kurzfristigen Zinssätze und die Gebote werden daher ein ausdrückliches Signal sein, wann Anleger erwarten, dass die Federal Reserve beginnt die Zinsen zu erhöhen.
Der USD/JPY Kurs fiel um 0,1% auf 108,78, knapp unter ein Neunmonatshoch, nachdem das japanische BIP vom vierten Quartal nach unten auf 2,8% revidiert wurde, während die vorläufigen Zahlen noch ein Wachstum von 3,0% gezeigt hatten. Der GBP/USD Kurs stieg um 0,4% auf 1,3880, nachdem er am Freitag ein Drei-Wochentief von 1,3779 USD erreicht hatte, während der AUD/USD Kurs um 0,4% auf 0,7680 zulegte.
Hinter den Gewinnen des Dollars, die den Dollarindex in diesem Jahr um rund 2,5% steigen ließen, stehen positive makroökonomische Daten, kombiniert mit einer lockeren Geldpolitik. Analysten haben ihre Prognosen für das Wachstum in den USA nach oben revidiert, während sie ihre Vorhersagen für andere Länder tendenziell gesenkt haben.
Hinzu kommt die Verabschiedung des 1,9-Billionen-Dollar-Konjunkturprogramms der Biden-Regierung, das diese Woche nach seiner Verabschiedung durch den Senat am Sonnabend an das Repräsentantenhaus zurückgeht und dessen Größe Sorgen über einen Anstieg des Inflationsdrucks aufgeworfen hat.
"Der Anstieg der Renditen war nicht stark genug, um einen Wendepunkt an den globalen Aktienmärkten auszulösen - wir sehen eher eine Rotation aus Technologie in Financialwerte - aber wir sehen, dass spekulative Dollar-Short-Positionen gegen Niedrigzinswährungen abgewickelt werden - zuerst kam der JPY, dann der CHF und jetzt scheint der EUR an der Reihe zu sein“, schrieben Analysten von ING (AS:INGA).
Die Rendite des US-Benchmarks, der 10-jährigen Staatsanleihe, liegt derzeit bei 1,55% und damit unter dem Stand von 1,62% Ende letzter Woche. Sie könnte jedoch diese Woche wieder steigen, da der Markt eine Auktion von 120 Mrd. USD von 10- und 30-Jahresanleihen zu verdauen hat, neben den Dreijahresanleihen, die am Dienstagabend unter den Hammer kommen.
Das heißt: „Wir sehen dies als eine korrigierende Dollar-Rallye an - nicht als eine Wende im Bärentrend - und gehen davon aus, dass sie nach weiteren 1% bis 2% nach oben zum Stillstand kommt“, war weiter in INGs Notiz zu lesen.