Der US-Dollar steht zuletzt etwas unter Druck, weil sich die Wachstumsaussichten in den USA geändert haben und viele hoffen, dass der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine bald enden könnte. Doch wir gehen davon aus, dass die US-Zölle wieder in den Fokus rücken und den Greenback langfristig stützen werden.
Nachdem in den Märkten große Long-Positionen auf den Dollar nach den US-Wahlen zunächst reduziert wurden, scheint der Dollar nun wieder Potenzial für eine Rally zu haben.
Ein Hauptgrund ist unsere Annahme, dass die USA neue Zölle auf Importe aus der EU und Asien erheben könnten. Bisher haben sich Investoren zwar an die launische Rhetorik des Präsidenten Trump gewöhnt und reagieren skeptischer. Aber wir vermuten, dass das US-Finanzministerium diesmal eine durchdachtere, langfristigere Strategie verfolgt. Wir erwarten, dass diese protektionistische Dynamik besonders im zweiten Quartal zunimmt und dem Dollar Aufwind verleiht, indem europäische und asiatische Währungen tendenziell schwächer werden.
Auch die Sorgen um die US-Konjunktur haben den Greenback zeitweise nach unten gedrückt. Zwar hat die Konsumlust etwas abgenommen, aber wir glauben nicht, dass die harten Wirtschaftsdaten so stark einbrechen werden, dass die Federal Reserve schon früher als geplant die Zinsen senkt. Wir rechnen erst im September mit dem ersten Zinsschritt nach unten. Solange maximal zwei Zinssenkungen bis 2025 im Raum stehen, dürfte der Abwärtseffekt für den Dollar überschaubar bleiben.
Der dritte Faktor ist die geopolitische Lage. Viele Marktteilnehmer wetten auf ein baldiges Ende des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine, was den Dollar tendenziell belasten könnte. Doch wir halten das zusätzliche Abwärtspotenzial für begrenzt. Am Ende könnte sich die transatlantische Kluft sogar vertiefen, wenn die USA und die EU sich stärker auseinanderleben. Mehr Verteidigungsausgaben in Europa werden kaum reichen, um das schwächelnde Wirtschaftswachstum dort zu befeuern. Der restliche Abwärtsdruck dürfte minimal bleiben.
Mit Blick auf den EUR/USD bleiben wir skeptisch und halten eine Bewegung bis zur Parität für durchaus realistisch. Wir peilen zum Jahresende ein Niveau von 1,02 an, geben aber zu, dass es Risiken nach oben geben könnte, falls das Zoll-Thema oder der sogenannte US-„Bonus“ schneller verpuffen. Außerdem rechnen wir damit, dass die Europäische Zentralbank ihre Zinsen bis mindestens 2,0 % senkt und damit den Euro weiter unter Druck setzt. Unsere Prognose bleibt.
Auch im restlichen G10-Universum weht ein frischer Gegenwind für viele Währungen. Das britische Pfund (GBP/USD) gerät durch Turbulenzen in der Fiskalpolitik und womöglich größere Zinssenkungen der Bank of England unter Druck. Wir sehen den Kurs eher in Richtung niedriger 1,20er-Marken wandern. Rohstoffwährungen dürften an Schwung verlieren, wenn neue US-Zölle alte Handelskonflikte wieder entfachen. Der japanische Yen könnte sich allerdings als etwas stabiler erweisen, da er traditionell eine gewisse Krisenresistenz mitbringt.
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