Der DAX hat letzte Woche einen starken Rücksetzer erlebt: Von einem neuen Allzeithoch bei 22.900 Punkten am Mittwoch fiel er in nur zwei Tagen um 2,5 % auf unter 22.300 Punkte. Während einige Anleger den Rückschlag als Kaufgelegenheit sehen, warnen andere vor einem möglichen weiteren Einbruch. Doch welche Faktoren sprechen für steigende Kurse – und welche für fallende?
+ Warum der DAX bald wieder steigen könnte +
- Robuste Marktstimmung trotz Rücksetzer
Trotz des jüngsten Kursrückgangs bleibt die Selbstzufriedenheit unter Anlegern stabil bei +2,0 %. Das zeigt, dass viele den Rückschlag erwartet haben und sich nicht aus dem Markt drängen lassen. Eine Panikstimmung, die größere Abverkäufe nach sich ziehen könnte, ist nicht zu erkennen. - Vergleichbare Stimmungsphasen führten oft zu Kursgewinnen
Die aktuelle DAX-Erwartung befindet sich auf einem extrem niedrigen Niveau – historisch gesehen gab es in den letzten 19 Jahren nur fünf ähnlich negative Phasen. Viermal folgte ein deutlicher Anstieg innerhalb von sechs Monaten, im Durchschnitt um 7 %. Sollte sich die Geschichte wiederholen, könnte der DAX in den kommenden Monaten also zulegen. - Niedrige Investitionsbereitschaft als Kontraindikator
Die Investitionsbereitschaft ist aktuell gering – das deutet darauf hin, dass viele Anleger noch an der Seitenlinie stehen. Sobald wieder Zuversicht einkehrt, könnte das frisches Kapital in den Markt bringen und für steigende Kurse sorgen. - Ausländische Investoren treiben den Markt
Ein wesentlicher Faktor für den jüngsten DAX-Anstieg war das Interesse ausländischer Investoren. Sie setzen darauf, dass deutsche Unternehmen beim Wiederaufbau der Ukraine eine führende Rolle spielen. Falls sich diese Erwartungen bestätigen, könnte das den DAX langfristig weiter beflügeln.
- Warum der DAX weiter fallen könnte -
- Rekordhohe Absicherung gegen Kursverluste
Institutionelle Investoren sichern sich so stark wie nie gegen fallende Kurse ab: Das Put/Call-Verhältnis auf DAX-Optionen liegt bei einem Rekordwert von 2,71 %. Zum Vergleich: Der bisherige Höchststand aus der Corona-Krise lag im Dezember 2021 bei 2,66 % – damals fiel der DAX in den folgenden zehn Monaten um 25 %. Diese starke Absicherung spricht für große Unsicherheit und könnte ein Warnsignal sein. - Fehlendes Sicherheitsnetz durch tiefe Put-Optionen
Viele dieser Absicherungen wurden auf deutlich tiefere DAX-Stände abgeschlossen. Das bedeutet: Sollte der Markt weiter fallen, gibt es wenig Kaufinteresse durch Rückkäufe von Put-Optionen. Dadurch könnte der Abwärtstrend verstärkt werden. - Überzogene Erwartungen an deutsche Unternehmen
Die DAX-Rallye wurde maßgeblich von Hoffnungen auf deutsche Unternehmen getrieben. Doch ob sie die hohen Erwartungen erfüllen können, ist fraglich. Sollten Zweifel aufkommen, könnten Investoren schnell Gewinne mitnehmen und den Markt weiter nach unten ziehen. - Kurzfristig schwächere Kurse wahrscheinlich
Die niedrige Investitionsbereitschaft deutet darauf hin, dass viele Anleger auf noch bessere Einstiegskurse warten. In der Vergangenheit folgten nach solchen Phasen meist kurzfristige Schwächeperioden, bevor es wieder aufwärts ging.
-> Fazit: Eine Richtungsentscheidung steht bevor
Der DAX befindet sich an einem entscheidenden Punkt: Auf der einen Seite gibt es Anzeichen für eine baldige Erholung, auf der anderen Seite signalisieren die starken Absicherungen großer Investoren Vorsicht. Eine heftige Bewegung scheint unausweichlich – die Frage ist nur, in welche Richtung es geht.