Die DR Kongo setzt den Export des Batteriemetalls Kobalt für mehrere Monate aus und erhofft sich eine Stabilisierung der Preise. Ob es dazu kommt, ist nach Ansicht von Analysten aber noch unklar.
Die Demokratische Republik Kongo (DR Kongo), der weltweit größte Kobaltlieferant, hat eine dreimonatige Aussetzung der Kobaltexporte angekündigt. Begründet wird die Maßnahme durch die Behörde zur Regulierung und Kontrolle der Märkte für strategische Mineralstoffe (ARECOMS) mit dem Versuch, die stark gesunkenen Preise zu stabilisieren.
"Mit dieser Maßnahme wollen wir das Angebot auf dem internationalen Markt regulieren, der mit einem Überangebot an Produktion konfrontiert ist", erklärte ARECOMS-Präsident Patrick Luabeya in der Erklärung.
Kobaltpreise im freien Fall
Der Leitpreis des Metalls ist laut Fastmarkets-Daten unter 10 Dollar pro Pfund gefallen, ein Niveau, das abgesehen von einem kurzen Rückgang Ende 2015 seit 21 Jahre lang nicht unterschritten wurde. Kobalthydroxid, die wichtigste Form des im Kongo produzierten Metalls, ist unter 6 Dollar pro Pfund gerutscht.
Die Aussetzung gilt für sämtliche Kobaltbergbauaktivitäten, einschließlich industrieller, halbindustrieller, kleingewerblicher und handwerklicher Betriebe und trat am 22. Februar in Kraft.
ARECOMS erklärte, dass die Maßnahme "innerhalb von drei Monaten überprüft" werde. Zu diesem Zeitpunkt könnten die Behörden je nach Marktlage entscheiden, die Aussetzung zu ändern oder aufzuheben.
Der Markt reagiert auf das Exportverbot: Der am stärksten gehandelte März-Futures-Kontrakt für Elektrolytkobalt an der chinesischen Wuxi Stainless Steel Exchange erreichte im Nachthandel am Montag seine festgelegte Obergrenze und verzeichnete am Dienstagmorgen einen weiteren Kursgewinn von knapp drei Prozent.
Das Überangebot geht zu erheblichen Teilen auf die Ausweitung der Produktion durch chinesische Unternehmen zurück, die in der DR Kongo tätig sind. CMOC, der weltgrößte Kobaltbergbaukonzern, hatte im vergangenen Jahr seine Produktion des Metalls von rund 56.000 Tonnen auf rund 114.000 Tonnen mehr als verdoppelt.
Chinas Lagerbestände sind hoch
Die Lagerbestände in China sind dementsprechend hoch. Nach dem Exportverbot dürften die Bestände allmählich sinken. Ob dieser Effekt innerhalb weniger Monat stark genug ist, um die Preise nachhaltig zu stabilisieren? Der Markt scheint sehr deutliche Effekte zu erwarten.
Während die Aktien von CMOC nach der Bekanntgabe des Exportverbots leicht nachgaben, stiegen chinesische Kobaltaktien deutlich. Die Aktien von Nanjing Hanrui Cobalt stiegen in Shenzhen um bis zu 17 Prozent, während Zhejiang Huayou Cobalt um bis zu 7,8 Prozent zulegte. Diese Unternehmen könnten von steigenden Preisen und einer Aufwertung ihrer Lagerbestände profitieren.
Einige Marktteilnehmer sind beunruhigt, aus Unternehmen ertönt Kritik an der Entscheidung. Ian Liu, Kobalt-Einkaufsleiter beim chinesischen Batteriehersteller CNGR Advanced Material wird bei Bloomberg zitiert: "Alle geraten in Panik und wir wissen nicht, wie wir das Material sichern können. Wir brauchen einen langfristigen Mechanismus zur Stützung der Kobaltpreise, keinen plötzlichen Exportstopp, der Chaos verursachen würde."
Die Politik des Kongo könnte das globale Kobaltangebot um rund 20.000 Tonnen pro Monat reduzieren. Xu Aidong, Analyst bei Beijing Antaike Information, glaubt jedoch, der Markt könne die Lücke durch die hohen Lagerbestände ausgleichen.
Benchmark Mineral Intelligence ging in der Prognose 2024 davon aus, dass die DR Kongo in diesem Jahr mehr als drei Viertel des gesamten Angebots stellen dürfte. Will Talbot, Researchleiter bei Benchmark, hält die Effekte des Erlasses für noch nicht ausgemacht.
Preiserholung nur bei sinkender Produktion
"Wir gehen nicht davon aus, dass dieses Verbot das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wesentlich beeinflussen wird, es sei denn, größere Produzenten wie ERG und Glencore (LON:GLEN) stellen ihre Produktion ein", so Talbot.
Ein mehrmonatiger Stopp der Kobaltexporte durch die Demokratische Republik Kongo könne das für dieses Jahr prognostizierte Überangebot verringern. Vieles hänge jedoch davon ab, ob die Produzenten ihre Produktion drosseln oder ihre Lagerbestände aufstocken.
"Da es sich hier um ein Exportverbot und nicht um eine Produktionsquote handelt, könnte dies lediglich die Lagerbestände erhöhen und den Angebotsüberhang etwas hinauszögern", sagte Talbot. Umgekehrt könne es mehr Produzenten dazu ermutigen, ihre Kobaltproduktion einzuschränken, was zu einem erheblichen Rückgang des Angebots führen und zu einer Verringerung der Lagerbestände führen könne.