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Durch den Shutdown kam es zu erheblichen Verzögerungen bei zentralen Wirtschaftsberichten, sodass die offiziellen Arbeitsmarktdaten weiterhin lückenhaft sind. Zwar veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics (BLS) in der vergangenen Woche den Arbeitsmarktbericht für den Monat September, doch der für Anfang des Monats erwartete Oktober-Bericht bleibt vorerst aus – möglicherweise sogar dauerhaft.
Der Hintergrund: Aufgrund des Shutdowns konnte das BLS die Haushaltserhebung nicht durchführen. Die Fed ist damit gezwungen, auf alternative Indikatoren auszuweichen, um die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt einschätzen zu können.
In Abwesenheit offizieller Beschäftigungszahlen rücken daher vermehrt Berichte aus dem privaten Sektor in den Fokus. Der jüngste ADP-Bericht zeigt, dass im Oktober lediglich 42.000 neue Stellen im Privatsektor geschaffen wurden. Ausschlaggebend ist dabei weniger die einzelne Monatszahl als vielmehr der übergeordnete Trend.
Und obwohl vielerorts auf eine spürbare Belebung der Wirtschaft im Jahr 2026 gesetzt wird, lässt die bisherige Entwicklung der Beschäftigungsdaten derzeit kaum Anhaltspunkte dafür erkennen. Zumindest im Moment nicht.

Eine weitere „Echtzeit“-Quelle für Arbeitsmarktdaten ist Revelio Labs, das Beschäftigungstrends anhand von Unternehmensangaben und Mitarbeiterprofilen auswertet. Der jüngste Bericht von Revelio geht von einem Netto-Rückgang von mehr als 9.000 Arbeitsplätzen aus.

Auch LinkUp, das Stellenanzeigen auswertet, verzeichnete im Oktober einen Rückgang und meldete einen Verlust von 5.000 Arbeitsplätzen.

Diese Daten sind bereits für sich genommen Anlass zur Sorge. Doch laut der Stellenausschreibungs-Website Indeed geht auch die Zahl der offenen Stellen weiter zurück: Die Ausschreibungen liegen inzwischen wieder auf dem Niveau von 2021, und im Jahresvergleich verzeichnet nahezu jeder von Indeed erfasste Bereich einen Rückgang.

Auch wenn der BLS-Beschäftigungsbericht deutliche Schwächen aufweist, bleibt er der zentrale Referenzpunkt für Märkte und Fed. Gleichzeitig zeigen alternative Datensätze, dass die Abschwächung am Arbeitsmarkt breit gefächert ist und nicht allein auf den Regierungsstillstand zurückgeführt werden kann.
In vielen Bereichen der Wirtschaft entstehen derzeit zwar neue Stellen, gleichzeitig gehen jedoch auch Arbeitsplätze verloren – etwa in der Logistik, im Gesundheitswesen, im Einzelhandel und in den professionellen Dienstleistungen. Einstellungsstopps treten vermehrt auf und sind weniger Ausdruck einzelner Unternehmensentscheidungen als vielmehr ein Hinweis auf eine strukturelle Veränderung der Nachfrage.
Zwar deutet all dies nicht auf einen abrupten Einbruch des Arbeitsmarktes hin, doch die Dynamik hat sich spürbar verschoben: Die Jobschaffung verliert an Schwung, die Zahl offener Stellen nimmt ab, während Entlassungen zunehmen. Eine solche Verlangsamung geht häufig einer breiteren wirtschaftlichen Schwäche voraus. Vor diesem Hintergrund könnten die nächsten geldpolitischen Schritte der Fed stärker auf die Stabilisierung des Arbeitsmarktes abzielen – und weniger auf die Sorge um die Inflation.
Die Fed zwischen Arbeitsmarktabkühlung und anhaltenden Inflationsrisiken
Das doppelte Mandat der Fed – Vollbeschäftigung und Preisstabilität – bringt die Notenbank derzeit in eine anspruchsvolle Position. Wie bereits erwähnt, mehren sich die Hinweise auf eine abnehmende wirtschaftliche Dynamik, und auch die Beschäftigungsdaten signalisieren eine klare Abschwächung. Gleichzeitig bleibt die Inflation, insbesondere im Dienstleistungssektor, erhöht, und die Inflationserwartungen liegen weiterhin über dem Zielwert der Fed.

Fed-Chair Jerome H. Powell brachte die Lage kürzlich klar auf den Punkt:
"Auf kurze Sicht sind die Risiken für die Inflation eher nach oben und die Risiken für die Beschäftigung eher nach unten gerichtet – eine schwierige Situation ... wir bleiben dem Ziel verpflichtet, die maximale Beschäftigung zu unterstützen und die Inflation nachhaltig auf unser Ziel von 2 Prozent zu bringen."
Die Herausforderung für die Fed besteht nun darin, die Risiken ihrer nächsten Schritte sorgfältig abzuwägen. Die schwächeren Arbeitsmarktdaten deuten darauf hin, dass das Beschäftigungsziel unter Druck gerät. Gleichzeitig bergen Zinssenkungen oder eine zu früh eingeleitete Lockerung der Geldpolitik das Risiko eines erneuten Aufflammens der Inflation. Bleibt die Teuerung jedoch hoch, wird das Ziel der Preisstabilität verfehlt – mit Belastungen für Wirtschaftstätigkeit und Beschäftigung. Präsidentin Mary C. Daly formulierte es so:
"Zum jetzigen Zeitpunkt ... sind die Risiken für die Inflationsseite unseres Mandats und die Risiken für die Beschäftigungsseite unseres Mandats in einem besseren Gleichgewicht. Wir müssen also darauf achten, nicht zu früh zu lockern, aber wir müssen auch darauf achten, nicht zu lange zu warten."
Bei ihren kommenden Entscheidungen dürfte die US-Notenbank daher verstärkt alternative Beschäftigungsindikatoren, Lohntrends und Inflationssignale berücksichtigen. Sollten diese weiterhin auf einen nachlassenden Arbeitsmarkt hindeuten, ohne dass die Lohninflation anzieht, spricht vieles dafür, dass die Fed eine Lockerung der Geldpolitik in Betracht zieht, um einen tieferen Abschwung zu vermeiden.
Ähnliche Situationen hat die Fed bereits in der Vergangenheit erlebt: schwächeres Beschäftigungswachstum bei gleichzeitig über dem Ziel liegender Inflation. Im Protokoll einer früheren Sitzung hieß es dazu:
"Eine Reihe von Teilnehmern merkte an, dass ... obwohl der Arbeitsmarkt weiterhin stark sei, ... ein gewisses Risiko bestehe, dass eine weitere Abkühlung der Arbeitsmarktbedingungen mit einem erhöhten Entlassungstempo verbunden sein könnte."
Und in einem jüngeren Kontext erklärte Powell auf dem Monetary Policy Forum im März 2025:
"Sollte sich der Arbeitsmarkt unerwartet abschwächen oder die Inflation schneller als erwartet sinken, können wir die Geldpolitik entsprechend lockern."
Diese Aussage unterstreicht die Grundlogik der Notenbank: Geldpolitik folgt den Daten, nicht einem vorab festgelegten Kurs. Die Herausforderung bleibt jedoch die richtige Dosierung. Zu viel oder zu wenig Lockerung – beides hat die Fed in der Vergangenheit nicht selten im falschen Moment getroffen.

Das Dilemma der Fed liegt, wie bereits ausgeführt, im Spannungsfeld ihrer beiden Mandate: Vollbeschäftigung und Preisstabilität wirken häufig gegeneinander. Wird die Wirtschaftstätigkeit angekurbelt, steigen in der Regel auch die Preise. Soll die Inflation gedrückt werden, muss die Aktivität abkühlen – mit der Folge, dass weniger Arbeitsplätze entstehen.
Genau dieser Zielkonflikt führt dazu, dass die Fed immer wieder Gefahr läuft, das eine Problem durch eine Lockerung oder Straffung der Kreditvergabe zu adressieren, dabei jedoch gleichzeitig neue Spannungen beim jeweils anderen Ziel zu erzeugen.
Was die Fed wahrscheinlich als nächstes tun wird
Die US-Notenbank steht weiterhin vor einem altbekannten Dilemma: Die Arbeitsmarktdaten kühlen sich ab, während die Inflation hartnäckig über dem Zielwert verharrt. Zugleich scheint es – zumindest außerhalb des Aktienmarktes – so, als ließen die klassischen geldpolitischen Instrumente an Wirksamkeit nach.
Nach der erneuten Zinssenkung um 0,25 % in der Dezember-Sitzung dürfte die Fed den Kurs einer vorsichtigen Lockerung beibehalten, verbunden mit der klaren Botschaft, weiterhin „datenorientiert“ zu handeln. In der Praxis reflektiert diese Ausrichtung jedoch den Versuch, das Wirtschaftswachstum zu stabilisieren – auch wenn dies das Risiko birgt, die Inflation erneut anzufachen.
Gleichzeitig sieht sich die Fed mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert: dem potenziell deflationären Einfluss der aufkommenden künstlichen Intelligenz, dem demografischen Wandel sowie dem Anstieg unproduktiver Verschuldung. Unter diesen Bedingungen wirkt die Geldpolitik zunehmend so, als würde man „an einer Schnur ziehen“. Die Zinssenkung im Oktober war ein unmissverständliches Zeichen dafür, dass die Entscheidungsträger bereit sind, auf die konjunkturelle Abschwächung zu reagieren. Dennoch bleibt die Hürde, dieses Umfeld ohne politischen Fehltritt zu navigieren, außerordentlich hoch.
Vor diesem Hintergrund rechnen wir weiterhin mit folgendem Verlauf:
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Eine vorsichtige Pause, allerdings mit der Option weiterer Lockerungsschritte, sofern sich die Inflationsdaten nicht spürbar verbessern oder der Beschäftigungsabbau an Tempo gewinnt.
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Intensivere Beobachtung alternativer Arbeitsmarktindikatoren wie ADP, Indeed, Revelio und LinkUp – insbesondere solange offizielle BLS-Daten nur eingeschränkt verfügbar sind.
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Potenzial für eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte Anfang 2026, sofern sich das Lohnwachstum weiter abschwächt, die Kündigungsraten niedrig bleiben und die Entlassungen zunehmen.
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Vermeidung aggressiver Zinssenkungen, außer die Rezessionsrisiken steigen deutlich. Wie Fed-Chair Powell betonte: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu früh oder zu spät handeln.“
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Kontinuierliche Abwägung der Abwärtsrisiken, mit besonderem Augenmerk auf Kreditkonditionen, Verbraucherzahlungsrückstände und Unternehmensinvestitionen.
Die Fed wird einen überstürzten vollständigen Lockerungszyklus vermeiden, solange nicht beide Elemente ihres Mandats – Beschäftigung und Inflation – klar in diese Richtung weisen. Der Arbeitsmarkt zeigt derzeit Gelb, nicht Rot. Die Inflation bleibt zäh, beschleunigt sich aber nicht mehr. Wir erwarten daher, dass der geldpolitische Kurs der Fed genau diese Ambivalenz widerspiegeln wird.
Wie sich Investoren vorbereiten sollten
Anleger sollten sich auf erhöhte Volatilität einstellen. Die widersprüchlichen Wirtschaftssignale machen die Märkte anfällig für starke Ausschläge – sei es aufgrund von Kommentaren der Fed, neuen Inflationsdaten oder frischen Hinweisen zur Lage am Arbeitsmarkt. Der weitere Verlauf wird alles andere als linear sein.
Worauf Anleger jetzt achten sollten – und wie sie sich positionieren können:
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Zinskurven beobachten: Fallen die kurzfristigen Renditen weiter, während sich die langfristigen stabilisieren, signalisiert der Anleihemarkt langsameres Wachstum und nachlassenden Preisdruck. Davon profitieren durationsempfindliche Anlagen.
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Hochwertige festverzinsliche Papiere erwägen: Ein schwächeres Beschäftigungswachstum und niedrigere Inflationserwartungen verbessern das Risiko-Ertrags-Profil von Investment-Grade-Anleihen und Staatsanleihen.
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Spekulative Anlagen meiden: Bleibt die Fed zurückhaltend, könnten die Liquiditätsbedingungen angespannt bleiben. Hohe-Beta-Aktien, unprofitable Tech-Werte und Kryptowährungen bleiben entsprechend verwundbar.
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Relative Stärke defensiver Sektoren nutzen: Gesundheitswesen, Basiskonsumgüter und Versorger bieten tendenziell Schutz, wenn sich die wirtschaftliche Schwäche ausbreitet.
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Flexibilität in der Allokation bewahren: Die Gewinnschätzungen könnten weiterhin zu optimistisch sein. Druck auf Umsätze und Margen geht häufig einem Rückgang der Auftragseingänge voraus. Die Bewertungen sind in vielen Segmenten nach wie vor anspruchsvoll.
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Indikatoren für kleine Unternehmen im Blick behalten: Stellenausschreibungen, Lohnpläne und Einstellungsabsichten aus NFIB- und anderen Umfragen liefern wichtige Hinweise auf den breiteren Arbeitsmarkttrend.
Generell sollten Anleger eine Phase erwarten, in der die Geldpolitik keinen klaren Anker bietet. Eine Fed, die vorsichtig agiert und ein Übermaß an Aggressivität vermeiden will, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Märkte auf weiche Signale, regionale Inflationstrends und Echtzeitdaten zum Arbeitsmarkt überreagieren.
Zwar steht die Wirtschaft nicht vor einem abrupten Einbruch, doch die Dynamik lässt deutlich nach – und die Trendwende am Arbeitsmarkt ist real. Diese Schwäche spricht dafür, dass die Inflation nicht mehr das dominierende Problem ist. Zum ersten Mal seit fast zwei Jahren verschiebt sich der Fokus der Fed langsam von der Eindämmung der Teuerung hin zum Schutz der Beschäftigung. Historisch betrachtet ist ein solcher Kurswechsel jedoch selten ohne negative Nebenwirkungen geblieben.
Auch wenn „dieses Mal alles anders sein könnte“, würde ich darauf keine aggressiven Wetten platzieren.


