KI-Wettrüsten: Staaten pumpen Milliarden in Chips, Cloud und Supercomputer

Veröffentlicht am 24.09.2025, 10:44

Eine der wichtigsten Ressourcen im Jahr 2025 ist Rechenleistung. Chips und Rechenzentren sind im 21. Jahrhundert das geworden, was Ölraffinerien und Kraftwerke früher waren – und genau so werden sie inzwischen auch von Regierungen behandelt.

Von Washington über London bis Peking investieren Politiker Milliarden in Halbleiter und Cloud-Infrastrukturen. Es geht dabei nicht nur um wirtschaftliche Vorteile, sondern auch darum, im Wettlauf um künstliche Intelligenz (KI) ganz vorne mitzuspielen.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist OpenAI. Anfang dieses Monats hat das Unternehmen einen der größten Cloud-Deals aller Zeiten mit Oracle abgeschlossen – im Volumen von rund 300 Mrd. USD über fünf Jahre. Um diese Rechenleistung zu stemmen, braucht es eine Stromversorgung von 4,5 Gigawatt – mehr als zwei Hoover-Staudämme liefern könnten.

Dieser Investitionsschub von OpenAI hat die gesamte Tech-Branche mitgerissen. Seit dem Start von ChatGPT Ende 2022 sind die Börsenwerte von Nvidia, Microsoft, Oracle und Broadcom um atemberaubende 8 Bio. USD gestiegen. Kein Wunder also, dass auch der Nasdaq und der S&P 500 in diesem Jahr weiter auf Rekordkurs liegen.

KI-Boom hat seit ChatGPT-Start  8 Bio USD zu Tech-Giganten hinzugefügt

Milliarden für Rechenzentren

Die KI-Revolution hat in den USA eine Bauwelle von Rechenzentren ausgelöst, wie es sie so noch nie gegeben hat. Laut Bank of America erreichten die Bauausgaben allein im Juni ein Rekordniveau von 40 Mrd. USD – ein Plus von 30 % gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kommt der Anstieg um 50 % im Jahr 2024.

Dabei bleibt Washington nicht untätig. Ein gutes Beispiel ist BAE Systems: Mit Mitteln aus dem CHIPS Act modernisiert das in London ansässige Rüstungsunternehmen gerade sein 110.000 Quadratmeter großes Mikroelektronikzentrum in New Hampshire. Das Werk zählt zu den wenigen US-Standorten, die speziell Halbleiter für militärische Zwecke herstellen.

Regierungen unterstützen die KI-Technologie

Im vergangenen Monat hat Intel eine historische Vereinbarung mit der Trump-Administration geschlossen. Die Regierung sagte zu, sich mit 8,9 Mrd. USD an Intel zu beteiligen – zusätzlich zu den Milliarden aus dem CHIPS Act. (Und erst diese Woche hat Nvidia angekündigt, weitere 5 Mrd. USD in das angeschlagene Unternehmen zu investieren).

Die Botschaft dahinter ist eindeutig: Halbleiter sind strategische Güter – vergleichbar mit Öl oder kritischen Metallen – und Washington ist bereit, erhebliche Steuermittel einzusetzen, um die Branche zu stützen.

Auch auf der anderen Seite des Atlantiks zieht das Investitionstempo an. Im Vereinigten Königreich will Microsoft bis 2028 rund 30 Mrd. USD in den Bau des größten Supercomputers des Landes stecken, ausgestattet mit über 23.000 Nvidia-GPUs. Dazu kommen Milliarden-Investitionen von Google, Nvidia, OpenAI und Salesforce. Insgesamt fließen damit mehr als 40 Mrd. USD in die KI-Infrastruktur Großbritanniens.

Nvidia, Broadcom und AMD - der Kampf um den Spitzenplatz in der Branche

Wer wird der König der Chip-Industrie?

Laut Morningstar führt Nvidia das Feld weiterhin unangefochten an. Der Finanzdienstleister erwartet, dass sich der Umsatz mit KI-Chips in den kommenden Jahren vervierfachen wird – mit Nvidia als Hauptprofiteur.

Ganz ohne Konkurrenz ist das Unternehmen jedoch nicht. Broadcom sichert sich eine starke zweite Position, während AMD entschlossen ist, sich ein größeres Stück vom Markt für Allzweck-GPUs zu sichern.

Dominanz von Nvidia bei KI-Halbleitern

Unerhörter Energiebedarf

So beeindruckend diese Chips auch sind – ihr Energiehunger ist enorm. Nach Schätzungen des US-Energieministeriums wird der strombedingte Verbrauch durch KI jedes Jahr um rund 33 % steigen – deutlich mehr als alle bisherigen Vergleichswerte.

Strombedarfsprognose für Rechenzentren, US-Energieministerium

Das gesamte KI-Ökosystem steht und fällt mit der Frage, ob genügend Strom erzeugt und bereitgestellt werden kann, um es zu versorgen. Deshalb sollten Anleger den Stromnetzen und Kühlsystemen mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit schenken wie den Chip-Aktien selbst. Genau darauf bin ich bereits in einem Artikel im vergangenen Monat eingegangen.

High-Tech-Anwendungen im Rüstungssektor

Die Verbindung zwischen Halbleitern und Verteidigung wird immer enger. Wie ich bereits zuletzt geschrieben habe, steigen die weltweiten Verteidigungsbudgets rasant. PwC rechnet damit, dass die Militärausgaben von knapp 3 Bio. USD im Jahr 2024 bis 2030 auf rund 4 Bio. USD anwachsen – und ein wachsender Anteil davon fließt in Hightech-Systeme wie Drohnen, Satelliten, autonome Schiffe und KI-gestützte Kampfjets.

Trägt die KI zur Abschwächung des Arbeitsmarktes bei?

Überlagern Sie all das mit dem Makrobild: Der Arbeitsmarkt zeigt erste Schwächesignale. Die Zahl offener Stellen geht zurück, und kleinere Unternehmen halten sich bei Lohnerhöhungen zurück. Gleichzeitig sprechen CEOs in nahezu allen Branchen zunehmend über Automatisierung – vor allem bei Büro- und Verwaltungstätigkeiten.

Daraus ergibt sich meines Erachtens ein Paradoxon: KI wird als Produktivitätstreiber verkauft – und das genau in einer Phase, in der die Konjunktur an Dynamik verliert. Historisch gesehen fielen Phasen schwacher Arbeitsnachfrage häufig mit Automatisierungswellen zusammen. Es ist also kein Zufall, dass Unternehmen gerade jetzt, da die Einstellungszahlen sinken, massiv in KI investieren.

Darüber hinaus sollten Investoren bedenken: Rechenleistung ist die neue Energie. Regierungen sichern sich Zugang dazu, Unternehmen generieren daraus ihre Erträge. Meine Überzeugung ist klar: So wie Öl das 20. Jahrhundert geprägt hat, wird Rechenleistung das 21. Jahrhundert dominieren. Die eigentliche Frage lautet nicht, ob man an dieser Entwicklung teilnimmt – sondern wie.

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Aktuelle Kommentare

pro badge
Sehr interessanter Artikel. Das alles sehe ich auch so.
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