In den ersten fünf Wochen des Jahres haben sich internationale Aktien besser entwickelt als der S&P 500. Besonders europäische und chinesische Märkte konnten die US-Indizes hinter sich lassen, während einige Schwellenländer – etwa Chile oder Polen – sogar noch stärker zulegten.
Meine zentrale These für die erste Jahreshälfte bleibt unverändert: Ein „International Risk Parity“-Portfolio, das auf long US-Anleihen und long globale Aktien setzt.
Aber warum genau? Werfen wir einen Blick auf die Hintergründe.
Unsere Grafik zeigt, dass die Wachstumsdominanz der USA möglicherweise an Dynamik verliert.
Ein besonders aufschlussreicher Indikator für das nominale Wachstum ist die Entwicklung des aggregierten Einkommens. Diese Datenreihe kombiniert die Beschäftigungsentwicklung im privaten Sektor, die durchschnittliche Wochenarbeitszeit und das Lohnwachstum – und gibt damit ein genaues Bild der Einkommenszuwächse der US-Arbeitnehmer.
Der aktuelle Wert liegt bei 4,5 %, was exakt dem Durchschnittsniveau zwischen 2014 und 2019 entspricht.
Das bedeutet: Wir befinden uns in einem stabilen Goldilocks-Szenario – ein Umfeld mit moderatem Wachstum und kontrollierter Inflation, von dem vor allem internationale Aktien profitieren.
Nun wollen wir eine datengestützte Analyse durchführen, um herauszufinden, welche Anlageklassen unter den aktuellen makroökonomischen Bedingungen die besten Ergebnisse liefern. Dabei konzentrieren wir uns auf folgendes Szenario:
- Die Kerninflation bewegt sich in einer Spanne von 1,75 bis 2,25 %.
- Das reale Wachstum liegt zwischen 1,50 und 2,50 %.
Und hier ist das Ergebnis:
Auf risikobereinigter Basis schneiden Anleihen gut ab – insbesondere am langen Ende der Zinskurve.
Auch Aktien liefern solide Ergebnisse, wobei internationale Märkte etwas besser abschneiden als US-Titel. Unsere Analyse zeigt, dass europäische Aktien besonders häufig unter den Top-Performern auftauchen. Vor allem Länder aus Mittel- und Osteuropa (CEE), darunter Märkte mit höherem Beta wie Rumänien oder Ungarn, führen das Ranking an.
Für eine nachhaltige Outperformance internationaler Aktien sind drei zentrale Faktoren entscheidend:
- Goldilocks-Wachstumsbedingungen – das bedeutet eine gesunde Wirtschaftsdynamik, aber ohne übermäßige US-Dominanz.
- Kontrollierte Inflation und berechenbare Zentralbanken – diese Faktoren schaffen ein stabiles Umfeld für Investoren.
- Angemessene Bewertungen und ein überzeugendes neues Narrativ – Märkte brauchen eine frische Story, die den bisherigen Markttreiber ersetzt.
Das führt uns direkt zu einer weiteren entscheidenden Frage: Welche Länder bieten aktuell die besten Chancen für Anleger?
Werfen wir zunächst einen Blick auf die Bewertungen:
Die obige Tabelle zeigt das Forward-KGV für eine Reihe internationaler Aktienmärkte. Die rechte Spalte gibt das 10-Jahres-Perzentil der Bewertungen an, was eine historische Einordnung der aktuellen Bewertungen ermöglicht.
Europäische Aktien sind weiterhin attraktiv bewertet – insbesondere der STOXX 600, der breiter aufgestellt ist als der Stoxx 50, der stärker von deutschen und französischen Großkonzernen dominiert wird. Besonders herausragend bleibt jedoch Polen, das sich durch besonders günstige Bewertungen abhebt.
Auch außerhalb Europas gibt es attraktive Anlagechancen: Mehrere Märkte in Asien und Lateinamerika weisen ebenfalls niedrige Bewertungsniveaus auf.
Allerdings ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) allein kein ausreichender Maßstab für die Bewertung von Aktienmärkten. Um ein vollständigeres Bild zu erhalten, berücksichtige ich auch die Free-Cashflow-Rendite (FCF-Rendite).
Die FCF-Rendite setzt den freien Cashflow ins Verhältnis zum Unternehmenswert und gibt an, wie viel Nettobargeld ein Unternehmen erwirtschaftet, das potenziell den Aktionären zufließt. Je höher die FCF-Rendite, desto attraktiver die Bewertung.
Die folgende Tabelle zeigt das 10-Jahres-Perzentil der FCF-Rendite für verschiedene Sektoren in den USA und der EU sowie für ausgewählte Aktienindizes weltweit. Hier gilt: Je niedriger das Perzentil, desto günstiger die Bewertung.
Unter Berücksichtigung von Bewertungen, politischen Entwicklungen und Marktkommentaren würde ich die folgenden internationalen Aktienmärkte in die engere Auswahl nehmen:
- Industrieländer: Europa, Japan und Kanada
- Schwellenländer: China und Mexiko
Europa, Kanada und Mexiko wurden in den vergangenen Jahren stark abverkauft – vor allem aufgrund von Zollandrohungen und geopolitischen Unsicherheiten. Doch bislang sind diese Risiken weitgehend ausgeblieben, während die Märkte zunehmend erkennen, dass die Inflation unter Kontrolle ist und die Zentralbanken eine eher dovish ausgerichtete Geldpolitik verfolgen. Das schafft ein unterstützendes Umfeld für Aktien.
In Japan bleiben die Bewertungen trotz des starken nominalen Wachstums (über 5 %) weiterhin attraktiv. Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor ist die Geldpolitik der Bank of Japan (BoJ) – Anleger fürchten, dass die Notenbank aggressiver straffen könnte als erwartet. Allerdings hat BoJ-Gouverneur Ueda bereits verbal eingegriffen, um die Anleiherenditen zu deckeln.
Ein anhaltend solides nominales Wachstum, kombiniert mit einer moderaten geldpolitischen Straffung, dürfte japanischen Aktien weiter Rückenwind verleihen.
Trotz der jüngsten Kursgewinne bleiben chinesische Aktien günstig bewertet. Die People’s Bank of China (PBoC) hält an einer lockeren Geldpolitik fest, es gibt gezielte fiskalische Impulse, und viele Anleger sind weiterhin untergewichtet – was zusätzliches Aufwärtspotenzial bietet.
Fazit: Unsere Analyse deutet darauf hin, dass ein „International Risk Parity“-Portfolio, das auf long US-Anleihen und long internationale Aktienmärkte setzt, im ersten Halbjahr 2025 attraktive Renditen liefern könnte.
Vielen Dank für Ihr Interesse!
Haftungsausschluss: Dieser Artikel wurde ursprünglich auf The Macro veröffentlicht. Werden Sie Teil der lebendigen Community von Makro-Investoren, Asset Allocators und Hedge-Fonds - finden Sie heraus, welche Abo-Stufe am besten zu Ihnen passt, indem Sie auf diesen Link klicken.