FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 17. Juli 2015. Zwar glaubt noch längst nicht jeder, dass für Griechenland eine echte Lösung gefunden ist, an den Märkten kehrt jedoch etwas Ruhe ein.
Nach dramatischen Tagen können sich Politiker und Börsianer wohl nun auf ein etwas ruhigeres Wochenende freuen. "Das war knapp. Um ein Haar wäre Griechenland am Montag aus der Eurozone herauskatapultiert worden", kommentiert die HSH Nordbank. Nun sei der Grexit - zumindest zunächst - abgewendet und andere Themen rückten in den Vordergrund.
"Die Normalität ist zurück", erklärt Arthur Brunner von der ICF Bank. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen aus Europas Peripherie sanken im Laufe der Woche, die Renditen für spanische und italienische Staatsanleihen mit Laufzeit von zehn Jahren rutschten wieder unter 2 Prozent. Zur Beruhigung trugen die Zustimmung des Athener Parlaments zum Sparprogramm sowie die Erhöhung der ELA-Notkredite für Griechenland durch die EZB bei, ebenso die Zustimmung zu einem Brückenkredit aus dem EFSF.
"Nach dem Kompromiss zeigten Bundesanleihen zunächst eine schwächere Tendenz, konnten aber im Handelsverlauf am Montag gut zulegen", berichtet Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Am Freitagmittag notiert der Euro-Bund-Future im Vergleich zur Vorwoche fester bei 152,54 Prozent, zehnjährige Bundesanleihen werfen 0,82 Prozent ab nach 0,89 Prozent vergangenen Freitag.
Nur Grundlage für weitere Verhandlungen
Doch es gibt auch viele Skeptiker unter Händlern und Analysten. "Noch längst ist nicht alles in trockenen Tüchern", betont Klaus Stopp von der Baader Bank. "Bei den Menschen und in den Parlamenten ist noch genügend Überzeugungsarbeit zu leisten, weil die getroffenen Vereinbarungen nur die Grundlage für weitere Gespräche bilden." Man dürfe also gespannt sein, was zum Jahresende noch von den guten Vorsätzen, die man jetzt gefasst habe, übrig bleibe. Bei der heute anstehenden Abstimmung des Deutschen Bundestages gilt eine Mehrheit für die Aufnahme von Verhandlungen über ein neues Hilfsprogramm für Griechenland als sicher.
Anleger hielten sich in dieser Woche weiter zurück. "Es ist einfach kein Umfeld, in dem man Geld in die Hand nimmt", bemerkt Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Neuigkeiten kamen auch aus den USA und China: US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen äußerte bei ihrer Rede vor dem Finanzausschuss des Abgeordnetenhauses am Mittwoch, dass ein erster Zinsschritt noch in diesem Jahr angemessen sei. "Den Rentenmarkt hat das allerdings kalt gelassen", stellt Brunner fest. Auch die Entwicklungen in China hatten zuletzt einen neutralen Effekt auf die Rentenmärkte, wie die HSH Nordbank beobachtet hat. "Einem erneuten Einbruch an den Aktienmärkten, der einer kurzen und kräftigen Erholung zu Wochenbeginn folgte, stand eine über den Erwartungen liegende Wachstumsrate für das zweite Quartal von 7 Prozent gegenüber."
Neue Bundesanleihen nicht so gefragt
Neben Italien und Belgien gab es in dieser Woche vor allem Neuemissionen von Staatsanleihen aus Spanien, schwerpunktmäßig mit längeren Laufzeiten. "Die Nachfrage war gut", meldet Brunner.
Zudem brachte die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland eine neue zehnjährige Anleihe auf den Markt (WKN 110238) mit Kupon von 1 Prozent. "Das bedeutet gegenüber der vergleichbaren Emission im Februar dieses Jahres eine Verdoppelung des Nominalzinses", bemerkt Stopp. Die Nachfrage habe sich dennoch in Grenzen gehalten: "Dem Emissionsvolumen von 5 Milliarden Euro standen lediglich Orders für insgesamt 4,499 Milliarden entgegen."
Alternative Fremdwährungspapiere
Bei den Neuemissionen von Corporate Bonds bleibt es vergleichsweise ruhig. Ein neues Papier, das ab der kommenden Woche in den Handel der Börse Frankfurt aufgenommen wird, gibt es von der Immobiliengesellschaft Deutsche Wohnen: Der Bond (ISIN XS1250867642) läuft bis 2020 und bietet einen Kupon von 1,375 Prozent, die Stückelung liegt bei 1.000 Euro.
Daniel berichtet von größerem Interesse an Fremdwährungsanleihen, etwa an einer auf mexikanische Peso lautenden Weltbank-Anleihe (WKN A1HPVJ). "In US-Dollar-Papieren werden jetzt oft Gewinne mitgenommen", ergänzt der Händler.