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Der dramatische Absturz der Comcast-Aktie und die Ursachen

Von Vincent MartinAktienmärkte06.05.2022 06:51
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Der dramatische Absturz der Comcast-Aktie und die Ursachen
Von Vincent Martin   |  06.05.2022 06:51
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Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass Comcast (NASDAQ:CMCSA) im Moment alles verkörpert, was Anleger an einer Aktie nicht mögen. Selbst in Relation zu dem steilen Markteinbruch der letzten Wochen haben die Sektoren, in denen Comcast tätig ist, einen kompletten Absturz erlebt.

In weniger als acht Monaten hat diese Aktie mehr als ein Drittel ihrer Marktkapitalisierung verloren, was für ein Großunternehmen unglaublich ist. In nur zehn Börsensitzungen wurden 35 Milliarden Dollar der Marktkapitalisierung Comcasts vernichtet.

So etwas passiert nicht alle Tage und ist daher auch eine echte Überraschung. Und so glauben viele Anleger, dass dies eine Kaufgelegenheit ist, denn ein seit langem erfolgreiches Unternehmen ist jetzt in einem schwierigen Marktumfeld zu einem sehr viel niedrigeren Preis erhältlich.

Ja, ein erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für die nächsten 12 Monate (Forward Earnings Multiple) von etwa 10x scheint superbillig. Tatsächlich ist es aber ein Multiple, das das Ende der Wachstumsphase des Unternehmens signalisiert. Und genau das ist der Punkt: denn wenn man sich Comcast heute so ansieht, ist es nicht besonders schwer zu erkennen, dass das Wachstum tatsächlich zum Stillstand kommen wird.

Comcast - von allen Seiten unter Beschuss

Die letzten Wochen waren für die Comcast-Aktie ein vierfacher Schlag ins Wasser. Die Stimmung in den wichtigsten Endmärkten des Unternehmens hat sich eingetrübt.

Die Investoren haben ihre Gewinnerwartungen im Streaming-Bereich drastisch gesenkt, was zum großen Teil auf die massive Verfehlung der Umsatzerlöse von Netflix (NASDAQ:NFLX) im letzten Monat zurückzuführen war. Daraufhin haben Streaming-Aktien an Wert verloren:

Vergleichschart Streaming-Aktien
Vergleichschart Streaming-Aktien

Quelle: Investing.com

Aktien von Parkbetreibern wurden von gesamtwirtschaftlichen Sorgen erfasst, wenngleich sich SeaWorld Entertainment (NYSE:SEAS) erfolgreich gegen den Trend stemmte.

Doch all diese Kursrückgänge kommen nicht wirklich überraschend. Denn sämtliche Geschäftsbereiche von Comcast geben berechtigten Anlass zur Sorge.

Vergleichschart Park-Aktien
Vergleichschart Park-Aktien

Quelle: Investing.com

Am stärksten und unerwartetsten war der Einbruch bei Breitbandanbietern. Die Teuerung könnte nicht nur die Verbraucherausgaben, sondern auch die rasanten Preissteigerungen innerhalb der Branche bremsen. Unterdessen bauen Unternehmen wie AT&T (NYSE:T) und WideOpenWest (NYSE:WOW) zügig Glasfasernetze aus, was den Wettbewerbs- und Preisdruck erhöht. Ein Sektor, der jahrelang zu den Gewinnern gehörte, war somit in den letzten Wochen einer der größten Verlierer:

Vergleichschart Cable-Aktien
Vergleichschart Cable-Aktien

Quelle: Investing.com

Auch Aktien von TV-Sendern hatten bereits vor diesem Kursrutsch Probleme. Zu dieser Kategorie gehört sicherlich auch Comcast. Das Mediengeschäft von NBCUniversal trug im vergangenen Jahr etwa 12 % zum EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von Comcast bei, wie aus dem vom Unternehmen eingereichten Formular 10-K hervorgeht. Angesichts der wirtschaftlichen Bedenken hat der ohnehin angeschlagene Sektor weiter an Wert verloren:

Vergleichschart Network-Aktien
Vergleichschart Network-Aktien

Quelle: Investing.com

Sicherlich spielt auch die Marktstimmung in allen vier Charts eine gewichtige Rolle. Aber fast jeder der Konkurrenten von Comcast ist im letzten Monat um mindestens 15 % eingebrochen. Und normalerweise sind das keine Aktien, die so stark und so schnell fallen. In der Vergangenheit haben sich diese Aktien - einschließlich Comcast - in der Regel besser geschlagen als der allgemeine Markt. Das ist jetzt nicht mehr so: Der S&P 500 ist im gleichen Zeitraum nur um 9 % gesunken, CMCSA hingegen um fast 20 %.

Breitband-Bedrohung für Comcast

Diese Underperformance ist auf reale Veränderungen in allen Geschäftsbereichen von Comcast zurückzuführen.

Comcast Cable, das im Finanzbericht als Segment Kabelkommunikation ausgewiesen wird, gilt als Zugpferd der Comcast-Aktie. Im Jahr 2021 entfielen auf dieses Segment etwa 80 % der Comcast-Gewinne. Seine Bedeutung hat in den letzten Jahren mit steigenden Kabelgewinnen zugenommen, während NBCUniversal und das Park-Geschäft geschrumpft sind.

Im Nachhinein scheint die Bedeutung des Kabelgeschäfts eine absolut gute Sache zu sein. Von 2018 bis 2021 wuchs das EBITDA im Kabelgeschäft um 30 %. Somit lautet das einfache Argument für die CMCSA-Aktie am Tiefpunkt, dass 80 % des Geschäfts die Gewinne mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 9 % gesteigert haben, der Aktienkurs jedoch im Wesentlichen ein Nullwachstum für die Zukunft widerspiegelt.

Doch auch dieses Wachstum könnte bald ein Ende haben. Jeder Verbraucher in den USA ist sich der gewaltigen Preissetzungsmacht der Kabelnetzbetreiber in den letzten Jahren bewusst. Das Internet ist in den USA mehr oder weniger unverzichtbar geworden, und in vielen Märkten konnten die Konkurrenten von Comcast bisher nur qualitativ schlechtere Alternativen wie DSL anbieten.

Das ändert sich aber gerade. Mobilfunkunternehmen bieten 5G-Datentarife an, die den Bedarf vieler Haushalte decken können. Unternehmen wie WideOpenWest, die auf bestehenden Netzen aufbauen ("Overbuilders"), versuchen, Marktanteile zu gewinnen. Das Glasfasernetz ist ein wichtiger Bestandteil der künftigen Wachstumsstrategie von AT&T.

Dass Kabel ein so gutes Geschäft ist, liegt daran, dass die Gewinnspannen so hoch sind. Da die Breitbandinfrastruktur bereits existiert, kostet es Comcast nicht viel, ein zusätzliches Unternehmen oder einen zusätzlichen Haushalt anzubinden. Es kostet praktisch nichts, die Preise für bestehende Abonnenten zu erhöhen.

Sinkt jedoch die Zahl der Abonnenten oder werden die Preise negativ, kehrt sich dieser Effekt um. Die Zahl der Video- (d. h. Kabeldienste) und Telefoniekunden ist bereits rückläufig. Wenn das Gleiche bei den Breitbandkunden geschieht, wird der Gesamtgewinn von Comcast aufgrund der Wichtigkeit des Breitbandgeschäfts sinken.

Der Markt befürchtet, dass genau das passieren wird. Ein Wall-Street-Analyst formulierte es letzten Monat so: "Es gibt einfach zu viel Kapital, das auf der Jagd nach Breitbandkunden im Festnetz- und Drahtlossegment ist"

Ist das Unternehmen in den anderen Bereichen wettbewerbsfähig?

Auch das übrige Geschäft des Unternehmens gibt Anlass zur Sorge. Das Park-Geschäft rund um die Universal Studios weltweit dürfte sich weiter erholen, wenn nach der Pandemie wieder Normalität einkehrt. Aber dieser Bereich ist nicht wirklich groß; selbst 2019 steuerte das Park-Geschäft weniger als 8 % zum Gesamtgewinn bei. Das Gleiche gilt für das Filmstudio-Geschäft, das vor der Pandemie etwa 2 % der Einnahmen ausmachte.

Die Gewinne im TV-Segment werden unweigerlich über einen langen Zeitraum hinweg stetig sinken; ohne die Verluste von Peacock sanken die Erträge im ersten Quartal um fast 8 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Comcast hat für die Übernahme des in Großbritannien ansässigen Sky eindeutig zu viel bezahlt. Mit einem Anteil von etwa 6 % am Gesamtgewinn kann Sky allein das Ruder nicht herumreißen.

Theoretisch könnte der Streaming-Dienst Peacock den Aktienkurs bewegen. Selbst nach dem Kurseinbruch ist Netflix noch rund 100 Mrd. Dollar schwer. Ein erfolgreicher Bereich Peacock könnte als Teil des rund 180 Milliarden schweren Aktienwerts von Comcast schon etwas bewirken.

Allerdings ist auch Peacock leistungsmäßig nicht unbedingt auf der Höhe der Zeit. Die Kundenverlustrate ist hoch. Der Nettozuwachs an Abonnenten von 180.000 im ersten Quartal ist solide, aber nicht spektakulär. Und obwohl Peacock im Laufe der Zeit zu Comcasts Gewinnen beitragen wird, steht dem Wachstum der Streaming-Gewinne zumindest bis zu einem gewissen Grad die anhaltende Erosion bei den traditionellen Fernsehnetzen gegenüber. Wenn das Kabelgeschäft stagniert, wird es nicht genug andere Optionen geben, um diese Defizite auszugleichen.

Comcast: Kaufen, halten, verkaufen?

Trotz all dieser Negativität eignet sich die Comcast-Aktie natürlich nicht als Short-Kandidat. Das Festhalten an diesem Unternehmen zum 10-fachen der prognostizierten Gewinne ist sicherlich nicht die schlechteste Investition. Möglicherweise sind die Befürchtungen in Bezug auf die Wettbewerbssituation übertrieben - insbesondere bei den Breitbanddiensten gibt es echte Einschränkungen in puncto Bandbreite und Distribution.

Aber CMCSA zu kaufen, nur weil die Aktie seit September und seit April so stark gefallen ist, erscheint mir doch etwas gefährlich. Es gibt Gründe, warum die Comcast-Aktie in den vergangenen Monaten mehr als doppelt so stark verloren hat wie der Gesamtmarkt. Es liegt nicht daran, dass die Anleger in einem Anfall von Panik wahllos verkauft haben. Vielmehr liegt es daran, dass das Geschäft von Comcast plötzlich ganz anders aussieht, und leider weit weniger attraktiv.

Die Anleger können Wetten darauf eingehen, dass sich der Markt irrt, aber sie sollten zumindest verstehen, auf welchen Argumenten die Bewertung beruht.

Haftungsausschluss: Vince Martin hält zu dem Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels keine Positionen in hier besprochenen Wertpapieren.

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Kommentare (1)
Herbert Türk
Herbert Türk 06.05.2022 9:49
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ich finde Comcast toll. Habe da meine Shorts zum größten Teil verkauft. Halte da nur noch Kleinstmengen. Warte auf weitere Rücksetzer. Aktien dürfen auch Mal fallen.
 
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