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Die Zinsen steigen, aber Aktien auch – Viel Negatives ist eingepreist

Von Jürgen MolnarMarktüberblick09.09.2022 14:38
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Die Zinsen steigen, aber Aktien auch – Viel Negatives ist eingepreist
Von Jürgen Molnar   |  09.09.2022 14:38
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Als alle Rückblicke über eine positive Handelswoche schon geschrieben waren, kam kurz vor dem vergangenen Wochenende die Nachricht, dass vorerst kein Gas mehr durch Nord Stream 1 fließen wird. Sowohl der Deutsche Aktienindex nachbörslich als auch die Wall Street knickten ein, nachdem sie zuvor die Arbeitsmarktdaten noch positiv aufgenommen hatten. Wie erwartet sprang der Preis für europäisches Erdgas am Montag an und zog den Aktienmarkt mit nach unten. Doch die Anleger schoben die Frage, wie Deutschlands Wirtschaft und Haushalte ohne russisches Gas über den Winter kommen sollen, relativ schnell beiseite und den DAX wieder zurück in Richtung 13.000 Punkte.

Auch die historische Entscheidung der Europäischen Zentralbank, den Leitzins um 75 Basispunkte zu erhöhen, hat die Börse am Ende weniger bewegt als gedacht. Viel Lärm um nichts also, könnte man meinen. Zwar schlug der DAX im Anschluss an die Entscheidung nach unten und oben aus, um dann aber nahezu unverändert aus dem Handel zu gehen. Auch die US-Notenbank meldete sich erneut zu Wort. Fed-Chef Jerome Powell bekräftigte ebenfalls den konsequenten Zinserhöhungskurs. Aber auch hier blieb die Wall Street auf Kurs, alle negativen Nachrichten scheinen eingepreist und ein überverkaufter Markt versucht die Wende. Während ein Teil der Anleger mit der Aussicht auf weiter steigende Zinsen den Aktienmarkt vorerst meidet, sieht der andere Teil den konsequenten und konzertierten Kampf der Notenbanken gegen die Inflation als ein gutes Signal für die Zukunft und greift ungeachtet aller Risiken bei Aktien zu.

Inflationsdaten und Sitzung der Bank of England

Wie erfolgreich dieser Kampf bereits war oder wie viel Wegstrecke noch vor den Notenbanken liegt, um die Teuerung wieder in Richtung Zwei-Prozent-Ziel zu drücken, dürfte in der kommenden Woche etwas klarer werden. Am Dienstag werden die Verbraucherpreise aus den USA gemeldet. Hier war zuletzt etwas Entspannung angesagt, nachdem die Teuerung im Juli mit 8,5 Prozent wieder etwas zurückgekommen war. Alles, was den rückläufigen Trend bestätigt, dürften die Börsen positiv aufnehmen. Am Mittwoch dann folgt der Frühindikator für die Inflationsentwicklung mit den Erzeugerpreisen. Geldpolitisch interessant wird es am Donnerstag, wenn die Bank of England zu ihrer nächsten Sitzung zusammenkommt. Mit einer Inflationsrate von gut zehn Prozent dürfte eine weitere Erhöhung des Leitzinses um 0,5 auf dann 2,25 Prozent zwar nahezu beschlossen sein. Allerdings dämpften BoE-Vertreter mit dem Blick auf die negativen Effekte der quantitativen Straffung zuletzt die Zinsfantasien im Vereinigten Königreich wieder etwas.

Licht und Schatten bei den Unternehmen

Auf Unternehmensseite könnte die Lufthansa (ETR:LHAG) in der vergangenen Woche die Weichen für eine positive Zukunft gestellt haben. Großaktionär Kühne ließ verlauten, dass er weiterhin ungebrochenes Interesse an der Airline hat und seinen bisherigen Anteil von 15 Prozent ausbauen will. Gleichzeitig einigten sich Pilotengewerkschaft und Unternehmen in letzter Sekunde auf einen Deal und wendeten damit den zuvor angekündigten zweitägigen Streik ab. Und im Gespräch zwischen dem Chef der Lufthansa und ihrem größten Aktionär dürfte mit diesem Ausgang der Blick in die Zukunft durchaus positiv gewesen sein, trotz der Diskussionen über Personal und höhere Kosten.

Auf der anderen Seite steckt Uniper (ETR:UN01) tiefer in der Krise als bisher angenommen. Zwar hat der Bund bereits beschlossen, bei Uniper einzusteigen wie einst bei der Lufthansa und der Commerzbank (ETR:CBKG). Doch bis es so weit ist, steht der Konzern so unter Druck, dass er neues Geld braucht. Vier Milliarden als Hilfe für die sieben Milliarden Euro Mehrausgaben für die Ersatzbeschaffung des russischen Gases, die laut des Chefs noch diesen Monat erreicht werden. Das Beispiel Uniper zeigt eindrucksvoll, wie teuer die Energiekrise nicht nur für Millionen Haushalte, sondern auch wie viel finanzielle Unterstützung nötig sein wird, um ganze Industrien vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

Auch die Börse wird in der kommenden Woche zwischen einem langfristigen Optimismus und den kurzfristig Belastungsfaktoren Energiekrise und Rezession schwanken. Aus technischer Sicht allerdings bietet der nun schon fast komfortable Sprung des DAX über die 13.000 Punkte das Potenzial für weitere Kursgewinne, den saisonal schwächsten Börsenmonaten September und Oktober zum Trotz.

DAX – aktuelle Unterstützungen und Widerstände:

  • Unterstützungen:  12.900/12.850 + 12.700/12.650 + 12.400/12.350
  • Widerstände: 13.150/13.200 + 13.350/13.400 + 13.550/13.600

Dieser Artikel stammt von RoboMarkets.

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Kommentare (1)
Michael Balzer
Michael Balzer 09.09.2022 16:43
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Das Geld was über die Jahre gedruckt wurde, ist ja auch noch da.
 
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