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Energiekrise: Deutschland braucht seinen eigenen Marshallplan

Von Katharine NeissMarktüberblick31.08.2022 08:53
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Energiekrise: Deutschland braucht seinen eigenen Marshallplan
Von Katharine Neiss   |  31.08.2022 08:53
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Wenn jemand immer die gleiche Antwort gibt, egal wie die Frage lautet, ist das ein Grund, misstrauisch zu werden. Ein Beispiel dafür ist die deutsche Finanzpolitik.

Die Antwort nach der globalen Finanzkrise? Sparsamkeit. Die europäische Staatsschuldenkrise? Sparsamkeit. Russlands Einmarsch in der Ukraine? Wieder einmal scheint die Antwort des deutschen Finanzministers zu lauten: Sparen. Immer wieder die gleiche Antwort zu geben, zeugt nicht nur von mangelnder Kreativität. Sparsamkeit ist für Deutschland auch heute der falsche Weg.

Der Einmarsch Russlands war ein Schock für die Angebots- und Nachfrageseite in Deutschland. Das Finanzministerium und die Bundesbank des Landes scheinen diesen Schlag zu akzeptieren. Die von ihnen befürwortete straffere Finanz- und Geldpolitik würde die Nachfrage weiter dämpfen. Auf internationaler Ebene würde ihre Politik die Handelsungleichgewichte verschärfen und die transatlantische Einheit in dieser fragilen Zeit belasten.

Um den Schaden für das Angebot aktiv auszugleichen und die Auswirkungen der Inflation abzumildern, sollten deutschen Politiker stattdessen einen positiven Impuls erzeugen. Schon vor dem Einmarsch Russlands machte die Pandemie den deutschen Investitionsrückstand deutlich. Zusammen mit einer alternden Bevölkerung trug dieses Defizit zum schwachen Wachstum seit der globalen Finanzkrise bei. Dieser Trend spiegelte sich in der gesamten Europäischen Union wider.

Außerdem hatten die Spannungen zwischen dem Westen und China, einem wichtigen Exportmarkt für deutsche Produkte, die exportorientierte deutsche Wirtschaft gebremst. Chinas Streben nach Autarkie und die Fragmentierung der globalen Lieferketten werden das deutsche Geschäftsmodell weiter in Frage stellen.

Der Krieg in der Ukraine ist ein weiterer Schlag für die deutsche Industrie, die auf billige fossile Brennstoffe aus Russland angewiesen ist. In einem Worst-Case-Szenario eines plötzlichen Stopps der russischen Energielieferungen nach Deutschland schätzen wir, dass die kumulativen Auswirkungen einer unangemessenen Politik über mehrere Krisen hinweg bis zu 15 % des deutschen BIP ausmachen könnten.

Stattdessen könnte Deutschland in die öffentliche Infrastruktur investieren, und zwar in einer Größenordnung, die an den Marshallplan erinnert. Insbesondere Investitionen in die Energieinfrastruktur, wie der Next Generation EU, den Deutschland während der Pandemie unterstützt hat, würden die Sicherheit des Landes erhöhen, den ökologischen Wandel beschleunigen und positive Innovations-Spillover-Effekte erzeugen.

Auch das Eigeninteresse spricht für Investitionen. Angesichts der Größe der deutschen Wirtschaft würden höhere Ausgaben die gesamte Europäische Union stärken. Die tiefe Integration des Landes in die EU-Wirtschaft würde wiederum dazu führen, dass die wirtschaftlichen Vorteile nach Deutschland zurückfließen.

Deutschland verfügt über die Talente und Ressourcen, die für die von uns vorgeschlagenen Investitionen erforderlich sind. Die Politiker der ersten Reihe sollten eine zuversichtliche Vision für die Zukunft des Landes entwerfen und darauf vertrauen, dass sich die Investitionen in ihr Land auszahlen werden. Ja, höhere Ausgaben bedeuten mehr Schulden, aber künftige Generationen werden das Vermögen erben, das durch diese Schulden aufgebaut wird. Nicht zu investieren, wird zu einem dauerhaften Verlust des BIP führen – ein schwacher Trost für jede Generation.

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Kommentare (12)
Ulrich Brandner
Ulrich Brandner 01.09.2022 7:22
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Frau Neiss, Sie leben in London und arbeiten für die "PGiM Fixed Income". Wenn die britische Regierung die bisherige Politik fortsetzt, wird die Zahl der Menschen in absoluter Armut bis zum Haushaltsjahr 2023/24 (31. März) um 3 auf 14 Millionen steigen. Wäre ein Mashallplan sprich mehr Schulden für UK nicht noch sinnvoller? Übrigens: Schuldnerquote 2020 in Deutschland 9,9%, Großbritannien 19,6 und den USA 21,7.
Dominik Greren
TINTIDAX 31.08.2022 22:33
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Wenn ich mir die Deutschen Politiker anschaue muss ich immer an den Nokia Vorstand denken…
Reinhard Reh
Reinhard Reh 31.08.2022 20:48
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Der Artikel trifft den Kern des Übels nicht. WIR brauchen Leute mit politischem Verstand, welche Politiker mit Verstand wählen. Wenn ich sehe, dass eine Mehrheit Habeck als Kanzler möchte, kann ich nur noch beten.. " oh Herr, lass Hirn vom Himmel regnen". Ich persönlich habe echt schlaue Leute im Umfeld, welche jedoch politisch gesehen dermaßen naiv und dämlich sind, dass es kaum zu glauben ist... Vielleicht lernen diese aber durch die kommenden Schmerzen dazu??
Grün Gehtgarnicht
Grün Gehtgarnicht 31.08.2022 16:11
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Deutschland braucht sofort eine neue Ideologie freie Regierung. Wenn ich mir vorstelle, noch 3 Jahre diese Chaoten und Nichtsnutze erdulden, dann wird mir schlecht. Erst eine Energiekrise schaffen, dann alles subventionieren und zum Schluss geht unsere Wirtschaft den Bach runter.
31.08.2022 16:11
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Dem ist nichts hinzuzufügen
Hans Siebenschwanz
Hans Siebenschwanz 31.08.2022 16:11
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Man sollte sich vielleicht auch mal Gedanken über das Strafmaß machen. Es kann ja nicht sein, dass die Typen alles verwüsten und dann mit einer saftigen Abfindung in den Ruhestand gehen.
Hans Siebenschwanz
Hans Siebenschwanz 31.08.2022 13:20
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Sparen ist gut. Spare in der Zeit dann hast du in der Not. Mein Vorschlag: den Bau des neuen Regierungsgebäudes (600 Millionen), auf bessere Zeiten vertagen, Anzahl der Minister und Ministerien mindestens halbieren. Strafen für Steuergeldverschwendung und Steuerhinterziehung angleichen, Großprojekte wie Stuttgart 21 und den Bau des neuen Flughafens in Berlin zukünftig von Fachleuten planen lassen. Zahlungen an ferne Länder unterlassen. Nur um ein paar Beispiele zu nennen.
Sören Friese
Sören Friese 31.08.2022 13:20
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AlsoSie möchte ich ihn keiner Ethik Kommission sitzen haben
hartmut braune
hartmut braune 31.08.2022 12:09
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...ein neues Erleben...werden Sie hier und woanders erleben....alles Dagewesene kann in den Schatten gestellt werden...weil nicht nur hier...sondern weltweit der Tornado wüten wird...
Sören Friese
Sören Friese 31.08.2022 12:09
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Ach ja, die Nazi Romantik vom Final Storm
hartmut braune
hartmut braune 31.08.2022 12:09
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Sören Friese  ...rate Ihnen geistige Nachhilfe zu nehmen...es sind noch Plätze frei...
Johnny Crash
Johnny Crash 31.08.2022 11:20
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Zusätzliche staatliche Investitionsausgaben würden allerdings das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage noch verstärken und die Inflation weiter anheizen.
Martin Schulz
Martin Schulz 31.08.2022 10:21
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Kann ich Frau Neiss nur zustimmen.
Go Elder
Go Elder 31.08.2022 10:06
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Mit anderer Leute (Steuerzahler-) Geld als aus eigener Tasche läßt sich leicht Schuldenmachen. Und rechnen müßte man können. Die Hälfte von 8 ist ja 3, oder von XII ist VII. Nur immer weiter so, vorwärts in den Abgrund.
Go Elder
Go Elder 31.08.2022 9:47
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Aber es war ja wohl nicht im Sinne von USA und Nato. Und mit dem Vorrücken der Nato sowie der USA nach Osten (NATO Militärmanöver in den Ostblockstaaten nach der Wende unter Beteiligung der USA | US-Zerstörer vor Varna im Schwarzen Meer usw.) hat man Russland nur provoziert und vor den Kopf gestoßen. Selbst verschuldetes Desaster vom Westen - kann man da nur sagen. Logisches, vorausschauendes, komplexes, schlußfolgerndes Denken auf allen Ebenen, auch bei den Problemen in Deutschland selbst, ist ohnehin bei allen Beteiligten wohl Mangelware. Und Selenskyi schickt sein eigenes Volk als Kanonenfutter in den Tod, fordert ständig weitere Waffen – zieht andere mit in diesen Krieg und setzt noch das Leben von Menschen anderer Länder auf’s Spiel (Kriegsausweitung, Nahrungsmittelkrise usw.). Hätte, hätte,…- Chance für friedliche Zusammenarbeit in Europa verpaßt…
Martina Friedrich
Martina Friedrich 31.08.2022 9:47
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