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Inverse Zinskurve: Ist diesmal alles anders?

Von Investing.com (Darrell Delamaide/Investing.com)Anleihen06.04.2022 07:24
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Inverse Zinskurve: Ist diesmal alles anders?
Von Investing.com (Darrell Delamaide/Investing.com)   |  06.04.2022 07:24
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Die Inversion der Zinskurve (das Phänomen, dass die Rendite der 2-jährigen Treasury-Note höher als die der 10-jährigen Treasury-Note ist), wird normalerweise als Signal für eine bevorstehende Rezession interpretiert. Aber dieses Mal, so die Analysten, ist es nur ein Signal zur Vorsicht, die Anleger sollten einfach wachsam sein.

Renditespread zwei- und zehnjähriger US-Staatsanleihen
Renditespread zwei- und zehnjähriger US-Staatsanleihen

Natürlich gibt es nichts Besseres als eine inverse Renditekurve, um Analysten und Börsenkommentatoren auf die Jagd nach Gründen zu schicken, warum es wohl dieses Mal anders sein könnte. Ignorieren Sie die Vergangenheit, heißt es, denn die Zeiten haben sich geändert (was die Analysten seit jeher sagen).

Oder sie behaupten, es sei einfach unangebracht. Begründet wird dies dann mit Aussagen wie "Seht euch doch den robusten Arbeitsmarkt an!" "Seht euch die Stärke der Wirtschaft an!" Früher mag das ein verlässlicher Indikator gewesen sein, aber heute liegen die Dinge anders.

Die Rendite für 2-jährige Staatsanleihen liegt seit drei Handelstagen hintereinander über der für 10-Jährige. Am Montag ging die Verzinsung für zweijährige Schuldtitel im späten Handel um einen Basispunkt auf 2,42 % zurück, lag aber immer noch über der Rendite für zehnjährige Anleihen, obwohl diese um fast 4 Basispunkte auf 2,41 % stieg.

Das ist das Problem mit Prognosen und Indikatoren - sie befassen sich mit der Zukunft, nicht mit der Gegenwart. Zweifler, die sich nicht mit der Vorstellung anfreunden können, dass eine Rezession unmittelbar bevorstehen könnte, berufen sich auf Daten, die ihre Bedenken untermauern.

Für einige dieser Skeptiker ist die Renditekurve von 3 Monaten zu 10 Jahren maßgeblich, die steil positiv ist und keine Rezession signalisiert. Außerdem bleiben die Realzinsen weiterhin im negativen Bereich, so dass sie nicht zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und einer Rezession führen werden.

Womöglich liegen die Skeptiker richtig, doch das entscheidende Wort in "Vorsicht geboten" ist vielleicht Vorsicht. Bill Dudley, der ehemalige Leiter der New Yorker Fed und stellvertretende Vorsitzende ihres Entscheidungsgremiums, hat die Geldpolitik der Fed in letzter Zeit heftig kritisiert und sagt nun, eine Rezession sei aufgrund dieser Politik "unvermeidlich".

Dudley stützt sich dabei auf die sogenannte Sahm-Regel, die besagt, dass eine Rezession eintritt, wenn der gleitende 3-Monats-Durchschnitt der Arbeitslosenquote um mehr als einen halben Prozentpunkt gegenüber dem Tiefstand des letzten Jahres ansteigt. Dudley zufolge muss die Fed die Leitzinsen nun so stark anheben, dass die Arbeitslosigkeit deutlich ansteigt und die Sahm-Regel greift.

Die Arbeitslosenquote ist zuletzt zwar gesunken, doch sollte Dudley Recht behalten, so wird sich dies ändern, wenn die Fed die von den Anlegern erwartete Erhöhung der Zinsen um 2 Prozentpunkte umsetzt.

Mohamed El-Erian, ein weiterer Kritiker der Fed-Geldpolitik, befürchtet, dass ihre Bemühungen, die Inflation zu bekämpfen, die USA in eine Rezession stürzen könnten, ganz gleich, wie positiv die Renditekurve der 3-Monats- und 10-Jahres-Renditen derzeit ist. Die amerikanischen Verbraucher hätten noch nicht auf die vollen Auswirkungen der Inflation reagiert, so El-Erian, ehemaliger Chef des Investmentriesen PIMCO.

Viele Analysten erwarten, dass das Protokoll des Offenmarktausschusses der US-Notenbank von Mitte März, das an diesem Mittwoch veröffentlicht werden soll, die Rendite 10-jähriger Anleihen in die Höhe treibt und die Inversion durch konkrete Details zu den Plänen der Fed, ihr Anleiheportfolio zu verkleinern, beendet. Die Anleihekäufe der Fed, die noch lange nach Abklingen der Pandemie fortgesetzt wurden, gelten als Ursache für Preisverzerrungen, die die Aussagekraft der inversen Renditekurve möglicherweise beeinträchtigen.

Die Verkleinerung der Bilanz wird die Fed jedoch nicht aus ihrem Dilemma befreien, wie schnell sie die Leitzinsen anheben soll, da die Inflationsdynamik dadurch nicht beendet wird. Das Signal einer inversen Zinskurve kann auch zwei Jahre vor der eigentlichen Rezession auftreten. Und in zwei Jahren kann noch eine ganze Menge passieren.

Inverse Zinskurve: Ist diesmal alles anders?
 

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Kommentare (2)
Kurt Donderer
Kurt Donderer 06.04.2022 12:18
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Da hat jemand Sokrates gelesen ...grins
Georg Johannes Stach
Georg Johannes Stach 06.04.2022 7:33
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Man weiss dass man nichts weiss, nur die Unsicherheit ist sicher.
 
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