Job-Report rückt näher: Fed und Dollar im Brennpunkt

Veröffentlicht am 02.09.2025, 07:13

Nach dem Labor-Day-Feiertag ist der US-Datenkalender diese Woche prall gefüllt mit Arbeitsmarktzahlen, die am Freitag im August-NFP ihren Höhepunkt erreichen. Gleichzeitig sorgt ein Urteil eines Berufungsgerichts für Gesprächsstoff: Demnach waren Trumps universelle Zölle illegal. Könnte das eine Geschichte von entgangenen Einnahmen sein, die nun auf dem US-Treasury-Markt lastet? Wir gehen davon aus, dass der US-Dollar vorerst weiter unter Druck bleibt.

USD: Exekutive am Limit

Der US-Feiertag Labor Day und der geschlossene Treasury-Markt machen es derzeit schwer, einzuschätzen, wie Investoren das Urteil eines Bundesberufungsgerichts vom Freitag bewerten. Dieses kam zu dem Schluss, dass die von Präsident Donald Trump verhängten universellen Zölle illegal waren. Damit bestätigte das Gericht die Entscheidung des Handelsgerichts vom Mai, wonach der Präsident seine Befugnisse überschritten hatte, als er ein Notstandsgesetz als Grundlage für die Zölle heranzog.

Im Kern geht es darum, dass der Kongress bei großen wirtschaftspolitischen Fragen ein Mitspracherecht haben sollte. Doch wie geht es nun weiter? Das Berufungsgericht entschied, dass die Zölle vorerst bestehen bleiben. Ob der Fall allerdings vor den Obersten Gerichtshof geht oder an das Handelsgericht zurückverwiesen wird, ist noch offen.

Handelspartner weltweit werden sich mit Jubel daher noch zurückhalten – endgültig entschieden ist bislang nichts. Spannend bleibt, ob der Treasury-Markt unter Druck gerät, sollte es zu Rückzahlungen bereits vereinnahmter Zölle kommen. Diese Diskussion fällt in eine Phase, in der vor allem lange Laufzeiten ohnehin belastet sind – nicht zuletzt durch den Versuch des Präsidenten, die Fed-Gouverneurin Lisa Cook zu entlassen.

Abseits der Politik liegt der Fokus in dieser Woche auf den US-Arbeitsmarktdaten. Am Mittwoch erscheinen die JOLTS-Zahlen zu offenen Stellen, am Donnerstag folgt der ADP-Beschäftigungsbericht, und am Freitag steht schließlich der große August-Jobbericht an. Zur Erinnerung: Der Juli-Report – insbesondere die nach unten revidierten 258.000 aus den Vormonaten – stoppte die Dollar-Rally abrupt und brachte Fed-Chef Jerome Powell dazu, die Tür für eine mögliche Zinssenkung im September zu öffnen.

Inzwischen preist der Markt eine 88%-Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung am 17. September ein. Die ING geht sogar von drei Zinsschritten der Fed in diesem Jahr aus – deutlich mehr als die aktuell erwarteten 56 Basispunkte Lockerung. Sollten wir recht behalten, könnten die Arbeitsmarktdaten dieser Woche die kurzfristigen US-Zinsen und damit auch den Dollar weiter nach unten ziehen. Besonders wichtig werden die Revisionen der Vormonate sein – da im ersten Monat nur rund 60 % der Befragten antworten. Der Konsens für Freitag liegt bei einem verhaltenen Plus von 75.000, während die Arbeitslosenquote von 4,2 % auf 4,3 % steigen dürfte.

Darüber hinaus stehen in dieser Woche die ISM-Umfragen zur Unternehmensstimmung sowie die Veröffentlichung des Beige Book der Fed (Mittwoch) an. Beide könnten zusätzliche Hinweise zu Preistrends und zur Lage am Arbeitsmarkt in den zwölf Fed-Distrikten liefern.

In Summe könnte all dies dazu führen, dass der DXY die Unterstützung bei 97,50 testet. Fällt diese Marke, wäre 97,20 die letzte Haltelinie, bevor das Jahrestief bei 96,38 in den Fokus rückt.

EUR: Fokus auf Inflation

Die Entwicklungen in den USA werden auch diese Woche den Takt für das Währungspaar EUR/USD vorgeben. In Europa richtet sich der Blick heute vor allem auf die Inflationsdaten für August (Inflation). Der Konsens erwartet bereits den dritten Monat in Folge eine Jahresrate von 2,0 % – auch wenn die Werte auf nationaler Ebene auseinandergehen.

So lagen die deutschen Zahlen etwas höher, während Frankreich und Italien niedrigere Werte meldeten. Für die Markterwartungen macht das jedoch kaum einen Unterschied: Man geht fest davon aus, dass die Europäische Zentralbank am 11. September den Einlagensatz bei 2,00 % unverändert lässt.

Am Wochenende meldeten sich erneut eher taubenhafte Stimmen aus der EZB zu Wort – unter anderem Olli Rehn. Sie warnten davor, das Risiko einer zu schwachen Inflation zu unterschätzen. Solange es aber keine gravierenden negativen Überraschungen gibt oder die Spreads französischer Staatsanleihen gegenüber Bunds wegen der Haushaltsdebatte über 100 Basispunkte steigen, dürfte sich an den Lockerungserwartungen wenig ändern.

Damit bleibt letztlich die US-Seite ausschlaggebend für die Richtung von EUR/USD. Unser Eindruck: Der Dollar hat aktuell genügend Gegenwind, damit der Euro den Widerstand bei 1,1750 überwinden und die Jahreshochs bei 1,1830 ernsthaft testen kann.

GBP: Kommt diese Woche das Haushaltsdatum?

Wenn die britische Regierung möchte, dass die Bank of England (BoE) auf ein restriktives Haushaltsbudget reagieren kann – etwa mit Zinssenkungen –, muss sie den Termin bald festlegen. Konkret müsste das Haushaltsdatum noch diese Woche bekanntgegeben werden. Der Hintergrund: Das Office for Budget Responsibility verlangt eine Vorlaufzeit von zehn Wochen, und die nächste BoE-Sitzung findet bereits am 6. November statt. Damit sitzt die Regierung in einer engen fiskalischen Ecke, denn eines der Hauptrisiken für das Pfund in den kommenden Monaten ist die Kombination aus straffer Fiskalpolitik und gleichzeitig lockereren geldpolitischen Maßnahmen.

Zum Thema Geldpolitik: Am Mittwoch treten mehrere BoE-Mitglieder vor dem Haushaltsausschuss auf. Es ist zu erwarten, dass sie ihre eher falkenhafte Haltung bekräftigen – ein Grund, warum der Markt derzeit nur rund 10 Basispunkte an Zinssenkungen der BoE für dieses Jahr einpreist. Damit könnte GBP/USD in dieser Woche die Marke von 1,3600 ins Visier nehmen.

Ein nachhaltiger Ausbruch nach oben dürfte allerdings schwierig werden, denn unsere Hauserwartung bleibt eine Zinssenkung um 25 Basispunkte im November. Anleger sollten zudem mit weiteren steuerpolitischen Vorschlägen der britischen Regierung rechnen – zuletzt kam am Freitag die Idee auf, die Körperschaftsteuer für den Bankensektor anzuheben.

Hinweis/Disclaimer: Diese Publikation wurde von ING ausschließlich zu Informationszwecken erstellt – unabhängig von den individuellen Möglichkeiten, der finanziellen Situation oder den Anlagezielen des Lesers. Die Inhalte stellen weder eine Anlageempfehlung noch eine rechtliche oder steuerliche Beratung dar, ebenso wenig ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Finanzinstruments. Mehr dazu hier

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