von Clement Thibault aus dem Englischen übersetzt
Am vergangenen Freitag, den 16. Juni kündigte Amazon (NASDAQ:AMZN) die Übernahme von Whole Foods Market Inc (NASDAQ:WFM) Inc (DE:WFMI) in einem 13 Milliarden Dollar Deal an.
Im Zuge der Nachricht sprang der Kurs von Whole Foods um 29% auf 42 USD.
Zur gleichen Zeit machte Amazon einen Kurssprung von 2,4% auf 987 USD.
Andere große Einzelhändler im Lebensmittelbereich wurde auf die Nachricht hin verkauft. Viele kamen am Freitag unter den Hammer: Kroger (NYSE:KR) brach um über 9% ein, Costco (NASDAQ:COST) fiel über 7%, Target rutschte um 5% ab und Walmart gab 4,6% ab.
Was bedeutet nun die Whole Foods Übernahme für Amazon und was könnten die Auswirkungen auf die gesamte Industrie sein.
Überrascht von dem Schritt? Sollten Sie nicht sein
Die US-Einzelhandelsumsätze mit Lebensmitteln beliefen sich in den vergangenen 12 Monaten auf 630 Mrd. USD. Es wird geschätzt, dass Walmarkt sich von dem Kuchen rund 40% oder 260 Mrd. USD gesichert hat. Es handelt sich um eine große und über die letzte Dekade kaum veränderte Industrie. Es kommt also nicht als Überraschung, dass Amazon das Potential für eine Marktneuordnung sieht.
Amazon hat den Lebensmittelbereich nun schon eine ganze Weile im Visier. Es hat hat automatische Kassensysteme entwickelt und mit Lebensmittellieferungen experimentiert. Aufschlüsse darauf gibt es in zwei auf Youtube veröffentlichten Videos von Amazon; AmazonGo zeigt die Kassentechnologie des Online-Händlers und AmazonFresh Pickup, beschreibt die Auslieferung von Lebensmitteln.
Whole Foods ist kein Branchenführer
Nach Bekanntgabe der Übernahme behauptete ein Sprecher von Amazon, es gäbe keine Pläne für automatisierte Systeme in den von Whole Foods betriebenen Läden. Uns erscheint das unglaubwürdig.
Zum einen hat Amazon keinen Branchenführer mit einem gesunden, wachsenden Geschäft übernommen. In den vergangenen 5 Quartalen lag das Umsatzwachstum von Whole Foods niemals über 2%. Die operative Marge sank seit 2013 - um 35% in dem Zeitraum - von 6,84% auf 4,45%. Die Nettomarge steht nicht besser da und ist in der gleichen Periode von 4,64% auf 2,65% gefallen.
Whole Foods betreibt 464 Läden (442 in den USA. 13 in Kanada und 9 in Großbritannien), verglichen mit Walmarts 4.700 in den USA und über 11 Tausend Märkten weltweit. Whole Foods ist eher eine Nischenanbieter im Lebensmittelhandel und zielt auf eine begrenzte Zielgruppe ab, die hochwertige, organische und naturbelassene Lebensmittel bevorzugt, d.h. gesundheitsbewusste Familien der gehobenen Mittelschicht und einige Millenials.
Walmart mit seinen niedrigeren Preisen und auf die Masse abzielenden Angebot ist am unteren Ende des Spektrums und versorgt preisbewusste Familien der unteren Einkommensschichten. Zwischen Walmart und Whole Foods besteht kein direkter Wettbewerb. Amazon müsste dramatische Preisanpassungen bei Whole Foods vornehmen, um mit Walmart konkurrieren zu können. Derzeit will Amazon jedoch das Management und die Markenführung beibehalten.
Was will Amazon mit Whole Foods?
Das ist in der Tat die 13 Milliarden Dollarfrage. Natürlich will sich Amazon ein Stück vom 630 Milliarden Dollarkuchen im Lebensmittelhandel sichern. Und Whole Foods ist dabei eine mittelgroßes Einstiegsinvestition. Es gibt Läden, das Geschäft ist profitabel und das Wissen des Managements, wie man physische Einzelhändler betreibt ist der Schlüssel für Amazon. Ein ähnliches Netzwerk ohne Erfahrung im Offline-Geschäft aufzubauen, wäre ein Alptraum für den Internet-Giganten.
Bemerkenswert ist, dass Amazon mit seiner Übernahme zugeben könnte, dass der ausschließlich online-basierte Lebensmitteleinzelhandel wahrscheinlich keine Zukunft hat und das das Unternehmen trotz aller Expertise im Einzelhandel sich im Ladengeschäft versuchen muss, wenn es im Lebensmittelgeschäft einen signifikanten Marktanteil erobern will.
Schlussfolgerung
Wir betrachten die Übernahme von Whole Foods als großes, womöglich teures Experiment für Amazon. Sie haben ihre Pläne für die Zukunft des Lebensmitteleinzelhandels und glauben die Industrie aufrollen zu können, indem sie Technologie in die Läden bringen. Whole Foods ist dafür mit 460 Läden zum Kaufpreis von 13 Milliarden USD die richtige Größe zu einem vernünftigen Preis. Es erlaubt dem Internet-Giganten seine Ideen zu testen.
Basierend auf unserer obigen Schlussfolgerung sollten die unmittelbaren Folgen für die anderen Einzelhändler minimal sein. Der Deal sollte in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen sein. Danach dürfte sich erst mal nichts wesentliches ändern. Wir glauben die Verluste der anderen Einzelhandelsaktien am Freitag waren eine absurde Überreaktion auf eine experimentelle Übernahme in einer sehr wettbewerbsintensiven Industrie.
Amazons Übernahme erinnert uns eher an Alphabets "spekulative Wetten". Es gibt eine großes Gewinnpotential hier, aber es ist ein langer Weg dahin.