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ROUNDUP: Rote Zahlen bei Thyssenkrupp - Aktie auf Rekordtief

Veröffentlicht am 14.08.2024, 12:08
© Reuters
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ESSEN (dpa-AFX) - Der Industriekonzern Thyssenkrupp (ETR:TKAG) hat im dritten Geschäftsquartal erneut rote Zahlen geschrieben. Eine geringere Dynamik in wichtigen Kundenindustrien wie der Autobranche, dem Maschinen- und Anlagenbau und der Bauwirtschaft hätten dabei die Geschäfte belastet, erklärte das Unternehmen am Mittwoch bei der Vorlage endgültiger Zahlen. Die Prognose hatte Thyssenkrupp bereits im Juli zum dritten Mal in diesem Jahr gesenkt. Für die Autozulieferer-Sparte kündigte der Konzern weitere Restrukturierungen inklusive des Abbaus hunderter Stellen in Deutschland an. Das Konzept für die Neuausrichtung des Stahlgeschäfts hängt unterdessen weiter in der Schwebe.

Die ganze Gemengelage führte zu weiteren Verlusten der ohnehin stark gebeutelten Aktie. So tauchte das Papier bereits am frühen Morgen ab und weitete die Verluste auf ein Rekordtief bei 3,14 Euro aus. Zuletzt lagen sie beim Kurs von 3,18 Euro und einem Minus von 3,4 Prozent im MDax auf dem vorletzten Platz. Die Thyssenkrupp-Aktien haben sich seit Jahresanfang glattweg halbiert. Schwache Ergebnisse und die hohe Unsicherheit über die weitere Geschäftsentwicklung führten dazu, dass Anleger davonliefen. Im MDax zählen sie 2024 zu den schwächsten Werten.

Christian Obst, Analyst bei der Baader Bank, sieht derzeit keinerlei Impulse für ein schnelles Ende der negativen Stimmung. Er verwies auf die fortwährende und für den Markt essenzielle Diskussion um anhaltende Mittelabflüsse, gepaart mit unklaren Kosten für die laufende Transformation und die geplanten Portfolio-Bereinigungen. Gegenwind kommt dazu von einem sich weiter abschwächenden Wirtschaftsumfeld und einer erneuten Verzögerung der Entscheidung über die Zukunft der Stahlsparte. Zudem könnte es zu weiteren Restrukturierungskosten in der Autozulieferer-Sparte kommen.

Im dritten Geschäftsquartal (per Ende Juni) lief bei Thyssenkrupp unter dem Strich ein Verlust von 54 Millionen Euro auf, wie das Unternehmen in Essen mitteilte. Im Vorjahreszeitraum hatte Thyssenkrupp noch 83 Millionen Euro verdient. Bereits in den ersten beiden Quartalen hatte der Konzern Verluste verbucht.

Diesmal belasteten Einmaleffekte im Volumen von 80 Millionen Euro im Anlagenbau das Ergebnis. Diese waren insbesondere auf Mehrkosten für Altprojekte zurückzuführen, wie es hieß. Zusätzlich wirkte sich die Entkonsolidierung der 55-prozentigen Beteiligung Thyssenkrupp Industries India negativ aus.

Der Umsatz sank um sechs Prozent auf rund neun Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern ging um knapp 40 Prozent auf 149 Millionen Euro zurück. Während Automotive Technology, Materials Services und Marine Systems ihre Ergebnisse verbessern konnten, wurde das Ergebnis im Stahlbereich mit 100 Millionen Euro nahezu halbiert. Thyssenkrupp hat bereits im Juli vorläufige Zahlen zum operativen Geschäft vorgelegt.

Für das Automobilzulieferer-Geschäft kündigte Thyssenkrupp eine Neuausrichtung im Karosseriebau an. In diesem Zusammenhang sollen bis zu 400 Stellen in Deutschland gestrichen werden. Dies betrifft vor allem den saarländischen Standort Lockweiler, wie der neue Finanzvorstand Jens Schulte in einer Pressekonferenz erläuterte. Parallel dazu sollen die Kapazitäten an anderen Standorten außerhalb von Deutschland erhöht werden. Die Umsetzung ist den Angaben zufolge schrittweise bis zum Ende des Geschäftsjahres 2024/2025 geplant.

Den Verkaufsprozess für den Bereich Automation Engineering stoppte Thyssenkrupp vorerst. So erwägt das Management für das darin enthaltene Geschäft mit Antriebssträngen in Bremen verschiedene Optionen "bis hin zu tiefergehenden strukturellen Maßnahmen", wie es hieß. Ob dies auch eine Schließung beinhalten könnte, wollte Schulte nicht sagen. Dafür sei es noch zu früh. Eine Entscheidung soll bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres erfolgen. Dagegen liefen die Gespräche mit potenziellen Interessenten für den Bereich Federn und Stabilisatoren weiter.

Keine weiteren Neuigkeiten gab es zur Zukunft des Stahlgeschäfts. Dieses leidet unter hohen Kosten, etwa für Energie, einer schwachen Nachfrage sowie anhaltendem Preisdruck sowie unter zusätzlichen Importen, insbesondere aus Asien. Thyssenkrupp will das volatile Geschäft ausgliedern und 50 Prozent an die Gesellschaft des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky abgeben. Dessen EPCG hat kürzlich 20 Prozent übernommen, über die weiteren 30 Prozent laufen Gespräche. "Unser gemeinsames Ziel ist und bleibt eine eigenständige Aufstellung des Stahlbereichs, der sich wirtschaftlich trägt - und zwar aus eigener Kraft", sagte Schulte.

Am vergangenen Freitag hatte der Aufsichtsrat von Thyssenkrupp Steel über das vom Stahl-Vorstand geplante Restrukturierungskonzept, das auch einen Stellenabbau vorsieht, beraten, aber keine Entscheidung getroffen. Keine Einigung gab es auch über ein entsprechendes Finanzierungskonzept. So gab es unterschiedliche Auffassungen über die Höhe der Finanzierungskosten und die Frage, wie die Finanzierungslücke geschlossen werden kann, wie Aufsichtsratschef Sigmar Gabriel im Anschluss der Sitzung erklärte. Stattdessen wurde die Erstellung eines neutralen Gutachtens beschlossen, auf dessen Grundlage dann über das Restrukturierungsprogramm gesprochen werden soll. Es soll noch in diesem Jahr vorgelegt werden.

Schulte lobte am Mittwoch die Arbeit des Stahl-Vorstands. Die strukturelle Neuaufstellung des Stahlgeschäfts sei "ein äußerst anspruchsvolles Unterfangen, da es gleichzeitig um eine Performancetransformation, Performancesteigerungen und eine grüne Transformation geht", sagte Schulte. "Und das alles noch in einem sehr angespannten Umfeld. Insofern, und das sage ich hier und das sage ich auch intern im Unternehmen, verdient die Arbeit daran auch durch den Stahl-Vorstand den größten Respekt." Die Diskussionen um die Pläne nannte er "intensiv" und "wichtig". Erst am Samstag hatte sich Thyssenkrupp-Konzernchef Miguel López kritisch zu den vorgelegten Plänen geäußert.

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