Investing.com - Die europäischen Aktienmärkte sind am Donnerstag stark gefallen. Ursache war die sich abschwächende Risikostimmung nach dem Protokoll der Juni-Sitzung der US-Notenbank (Fed), das einen hawkishen Ton anschlug. Darüber hinaus wurden schwache Konjunktursignale registriert.
Bis 10.50 Uhr MESZ fiel der DAX in Deutschland um 0,8%, der CAC 40 in Frankreich um 1,4% und der FTSE 100 im Vereinigten Königreich um 1%.
Hawkishes Fed-Protokoll belastet
Die europäischen Aktienmärkte folgten damit dem negativen Trend an der Wall Street und in Asien, nachdem das Protokoll der letzten Fed-Sitzung veröffentlicht wurde. Aus dem Protokoll ging hervor, dass nahezu alle Fed-Mitglieder weitere Zinserhöhungen in den kommenden Monaten befürworten.
"Fast alle Teilnehmer merkten an, dass sie in ihren Wirtschaftsprognosen weitere Erhöhungen des Zielsatzes für die Federal Funds Rate im Jahr 2023 für angemessen hielten", heißt es in den Mitschriften.
Darüber hinaus hatten sich einige Entscheidungsträger auf der Juni-Sitzung für eine Zinserhöhung ausgesprochen, als die US-Notenbank ihren einjährigen Straffungszyklus aufgrund von Bedenken über die Stärke des Arbeitsmarktes und die "unannehmbar hohe" Inflation pausierte.
Die Sorge, dass andauernde Zinserhöhungen die US-Wirtschaft in eine Rezession treiben könnten, hat die meisten Aktienmärkte der Industrieländer angesichts der Bedeutung der größten Volkswirtschaft der Welt als globaler Wachstumsmotor schwer belastet.
Europäische Wirtschaftssorgen nehmen zu
In Europa wachsen die wirtschaftlichen Sorgen bereits. So zeigten die am Mittwoch veröffentlichten Daten, dass die Wirtschaftstätigkeit in der Eurozone im vergangenen Monat in den Kontraktionsbereich gerutscht ist.
Der endgültige Gesamt-Einkaufsmanagerindex, der weithin als guter Gradmesser für die gesamtwirtschaftliche Gesundheit gilt, sank im Juni auf 49,9 (Mai: 52,8).
Doch nicht alle Nachrichten waren schlecht: Die deutschen Industrieaufträge stiegen im Mai um 6,4 % gegenüber dem Vormonat und damit weitaus stärker als erwartet. Dies war vor allem zahlreichen Großaufträgen zu verdanken. Trotz der ermutigenden Signale aus der deutschen Industrie wird die EZB ihren Straffungszyklus wahrscheinlich auch nach der Juli-Sitzung fortsetzen.
Yellen besucht China
Auch der Besuch von US-Finanzministerin Janet Yellen in China dürfte von den Marktteilnehmern aufmerksam verfolgt werden, zumal sich der Handelskonflikt zwischen den beiden Ländern zu verschärfen droht, nachdem China Anfang der Woche den Export von wichtigen Materialien für die Chipherstellung in die USA eingeschränkt hat.
Airbus steigert Auslieferungen im ersten Halbjahr
Die Aktie von Airbus (EPA:AIR) fiel um 1 %, obwohl Reuters berichtete, dass der europäische Flugzeughersteller seine Auslieferungen in der ersten Jahreshälfte um 6 % auf 316 Flugzeuge erhöht hat. Für dieses Jahr peilt Airbus 720 Auslieferungen an, was darauf hindeutet, dass es leicht hinter diesem Ziel zurückbleibt. Das Unternehmen lehnte es ab, sich vor der für den Freitag anstehenden Datenvorlage zu äußern.
Innerhalb des Sektors legten die Aktien von Norwegian Air Shuttle (OL:NAS) um 1,5 % zu, nachdem die Fluggesellschaft dem Kauf des inländischen Konkurrenten Wideroe zugestimmt hatte und das Potenzial für erhebliche jährliche Synergien sieht.
Konjunktursorgen belasten den Ölpreis
Die Sorgen über weitere Zinserhöhungen, die sich negativ auf die Wirtschaftstätigkeit in den USA, dem größten Rohölverbraucher der Welt, auswirken könnten, überschatteten am Donnerstag den Rückgang der US-amerikanischen Ölvorräte.
Die am Mittwoch von der Industriegruppe American Petroleum Institute veröffentlichten Daten zeigten, dass die US-Ölbestände in der Woche bis zum 30. Juni um fast 4,4 Millionen Barrel gesunken sind, also deutlich mehr als der erwartete Abbau von 1,8 Millionen Barrel.
Offizielle Zahlen der Energy Information Administration werden im weiteren Verlauf der Sitzung erwartet. Zuletzt hatten mehrere Bestandsrückgänge die Hoffnung genährt, dass die Ölnachfrage in den USA während der reiselastigen Sommersaison steigt.
Der Preis für die Nordseesorte Brent fiel um 0,4 % auf 76,36 Dollar, während der US-Rohöl-Future 0,2 % tiefer bei 71,66 Dollar pro Barrel gehandelt wurde (Stand 03:40 Uhr ET).
Der Gold-Future sank um 0,1 % auf 1.925,75 Dollar je Unze. Für den EUR/USD ging es um 0,1 % auf 1,0863 nach oben.