EUR/USD eröffnet bei 1,0501 (05:42 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0457 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 149,40. In der Folge notiert EUR-JPY bei 156,88. EUR-CHF oszilliert bei 0,9386.
Märkte: US-Tech-Aktien unter Druck
An den Finanzmärkten gab es mehrere wenig korrelierte Entwicklungen. US-Tech-Aktien standen unter Verkaufsdruck. Das lastete auf dem S&P 500. Auch der Nikkei verlor. Dagegen waren Europas Aktienmärkte zum US-Handelsschluss freundlicher, ebenso die Märkte in Fernost ex Nikkei. Rentenmärkte lieferten Entspannung. Sowohl in den USA als auch in Deutschland sanken die Renditen leicht. Zudem gab es eine "Liquiditätspräferenz". Die nicht korrelierten Anlagen Bitcoin (Tief 86.300 USD), aber auch Gold (Tief bei 2,895 USD) und Silber (Tief 31,35 USD) sanken zwischenzeitlich massiv, um sich im Verlauf von den Tagestiefstständen partiell zu erholen.
Geopolitisch kam es tendenziell zu Entspannungen. Washington und Kiew stehen laut Insidern vor dem Abschluss eines Rohstoffabkommens. Damit holen sich die USA Kosten ihres Ukraine-Konflikts zurück (und die EU?). Europa fremdelt derweil weiter mit dem potentiellen Frieden und steht faktisch vor der vollen Kostenübernahme in haushaltstechnisch kritischer Zeit. Hat man in Europa dann noch Willen und Mittel, um die massiven eigenen Probleme angemessen zu lösen?
Das Datenpotpourri war durchwachsen. In den USA brach der Index des Verbrauchervertrauens ein, Kfz-Neuzulassungen (J) waren in Europa wenig erbaulich. Die Nachrichtenlage aus D bleibt prekär (u.a. Bundesbank mit historischem Verlust, DIHK-Umfrage prekär, reale Bauaufträge).
Aktienmärkte: Late Dax +0,93%, EuroStoxx 50 +0,71%, S&P 500 -0,98%, Dow Jones +0,02%, US Tech 100 -1,77%. Aktienmärkte in Fernost Stand 05:57 Uhr: Nikkei (Japan) -1,07%, CSI 300 (China) +0,13%, Hangseng (Hongkong) +2,54%, Sensex (Indien) +0,20% und Kospi (Südkorea) +0,17%. Rentenmärkte: Die 10-jährige Bundesanleihe rentiert heute früh mit 2,45% (Vortag 2,47%), während die 10-jährige US-Staatsanleihe eine Rendite in Höhe von 4,33% (Vortag 4,37%) abwirft.
Devisenmärkte: Der EUR (+0,0027) stieg leicht gegenüber dem USD im Tagesvergleich und testet das Widerstandsfeld bei 1.0500 – 30 (Tageshoch bisher 1,0524). Gold (-22,40 USD) und Silber (-0,60 USD) gaben gegenüber dem USD nach. Bitcoin notiert aktuell gegenüber dem USD bei 88.700 (05:59 Uhr). Gegenüber dem Vortag ergibt sich ein Rückgang im Tagesvergleich um 3.300 USD.
Deutschland: Schwacher Außenhandel belastet Wirtschaft
Schwache Exporte haben die Wirtschaft im 4. Quartal 2024 schrumpfen lassen. Das BIP sank laut Statistischem Bundesamt von Oktober bis Dezember um 0,2% sowohl im Quartals- als auch im Jahresvergleich.
Quartalsvergleich: Während die privaten und staatlichen Konsumausgaben im Herbst zulegten, verlor der Außenhandel an Fahrt. Die Exporte sanken um 2,2% zum Vorquartal und damit so stark wie zuletzt im Frühjahr des Corona-Jahres 2020, während die Importe um 0,5% stiegen.Damit bremste der Außenhandel das Wirtschaftswachstum um 1,2%. Leichte Impulse kamen von den Konsumausgaben der Verbraucher, die um 0,1% stiegen. Der Staatskonsum nahm um 0,4% zu. Die Investitionen in Ausrüstungen sanken um 0,3%. Das war der fünfte Rückgang in Folge (Kapitalstock!).
Der Blick nach vorne: 2024 schrumpfte Europas größte Volkswirtschaft um 0,2%, nachdem sie 2023 ein Minus von 0,3% auswies. Zwei Rezessionsjahre in Folge gab es zuletzt 2002/03. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rechnet für 2025 mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,1% und die Deutsche Industrie und Handelskammer unterstellt einen Rückgang um 0,5%. Käme es so, wäre dies die längste Konjunkturflaute in der Geschichte der Bundesrepublik.
Kommentar: Es sind die fehlenden positiven Rahmendaten mit der Folge des Verlusts der Konkurrenzfähigkeit. Dabei geht es vorrangig um das Thema Energie (Sicherheit und Preise). Adressiert die kommende Regierung diese Themen? Die Antwort lautet "nein". Wir haben eine export- und importseitiges Geschäftsmodell (existentiell!). Wurde das unter Scholz interessenorientiert gepflegt? Die Antwort lautet "nein"!
Sitzen Herr Merz & Co. Bezüglich der wichtigsten Wirtschaftspartner USA, China und Russland auf oder zwischen den Stühlen? Die Antwort lautet "zwischen". Tut uns das gut? Die Antwort lautet „nein“! Kann man hier Politik? Wie lautet Ihre Antwort?
Deutschland: Staatliche Bestellungen verhelfen Baubranche 2024 zu Auftragsplus (nominal)
Die Baubranche hat ihr Neugeschäft im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt maßgeblich wegen staatlicher Großaufträge gesteigert. Im Bauhauptgewerbe wuchs der Auftragseingang um 1,1% auf 103,5 Mrd. EUR. Erreicht wurde das vor allem durch Preiserhöhungen: Inflationsbereinigt (real) fiel der Umsatz um 0,7% geringer aus als 2023. Das Neugeschäft im Tiefbau, wozu der staatlich dominierte Straßenbau zählt, wuchs 2024 um 5,7% nominal und 3,4% real auf 56,3 Mrd. EUR. Großaufträge, vor allem bei der Autobahn-, Brücken- und Tunnelsanierung und beim Ausbau des Stromnetzes, trugen maßgeblich zu diesem Rekordergebnis bei, so das Statistische Bundesamt.
Wenig erbaulich fällt die Bilanz für den Hochbau aus, der vor allem durch den Wohnungsbau geprägt und überwiegend von der privaten Nachfrage abhängig ist. Hier lagen die Auftragseingänge 2024 nominal um 4% und real um 5% niedriger als im Vorjahr 2023 bei 47,2 Mrd. EUR.
Der Jahresumsatz im Bauhauptgewerbe wuchs 2024 nominal um 0,8% und erreichte einen neuen Höchststand bei 114,8 Mrd. EUR. Inflationsbereinigt kam es zu einem Rückgang um 1,0%.
Kommentar: Das nominale Bild mag auf den ersten Blick beruhigen. Es ist aber unter strukturellen Gesichtspunkten irrelevant. Das reale Bild ist prekär. Das gilt insbesondere unter Ausblendung des staatlichen Sektors im Tiefbau. Ein realer Rückgang um 5% im Jahresvergleich bei gleichzeitig hohem Wohnraumbedarf ist Ausdruck einer völligen Fehlsteuerung der Rahmenbedingungen? Wann stellt sich die Politik der Realität?
Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden
Eurozone: Kfz-Neuzulassungen (J) wenig erbaulich
Deutschland: Das BIP sank gemäß detaillierter Berechnung per 4. Quartal 2024 im Quartalsvergleich in der saisonal bereinigten Fassung um 0,2% und im Jahresvergleich um 0,2%. Alle Werte entsprachen den vorläufigen Werten als auch Prognosen.
UK: Einzelhandelsstimmung marginal aufgehellt
Der vom CBI ermittelte Index des Einzelhandels stellte sich per Berichtsmonat Februar auf -23 nach zuvor -24 Zähler.
USA: Verbrauchervertrauen sinkt auf tiefsten Stand seit 04/2024
Der Index des Verbrauchervertrauens nach Lesart des Conference Board sank per Berichtsmonat Februar von zuvor 105,3 (revidiert von 104,1) auf 98,3 Punkte (Prognose 102,5). Der Index der Erwartungen zog wegen Zoll- und Inflationsrisiken den Gesamtindex maßgeblich nach unten. Es ist der schwächste Indexstand seit April 2024 (97,0)
Der Case/Shiller Hauspreisindex (20 Städtevergleich) wies per Berichtsmonat Dezember im Monatsvergleich einen Anstieg um 0,5% (Prognose 0,3%, Vormonat 0,4%) und im Jahresvergleich um 4,5% (Prognose 4,4%, Vormonat 4,3%). Die Hauspreise markierten damit einen neuen Rekord.
Der Richmond Fed Composite Index (Gesamtwirtschaft der Region) stellte sich per Berichtsmonat Februar auf +6 nach zuvor -4 Zähler.
Derzeit ergibt sich für den EUR gegenüber dem USD eine negative Tendenz. Ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.0500 – 1.0530 negiert dieses Szenario.
Viel Erfolg!
© Folker Hellmeyer
Chefvolkswirt der Netfonds Gruppe
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