Eilmeldung
Investing Pro 0
Spenden für die Türkei und Syrien: Ihre Hilfe wird dringend benötigt Spenden

Die Mär vom schwachen Euro, der den Export stärkt

Von Robert HalverMarktüberblick24.08.2022 10:43
de.investing.com/analysis/die-mar-vom-schwachen-euro-der-den-export-starkt-200475846
Die Mär vom schwachen Euro, der den Export stärkt
Von Robert Halver   |  24.08.2022 10:43
Gespeichert. Lesezeichen ansehen.
Dieser Artikel wurde bereits unter Lesezeichen gespeichert
 
 
EUR/USD
+0,06%
Einem Portfolio hinzufügen/entfernen
Zur Watchlist hinzufügen
Position hinzufügen

Position erfolgreich hinzugefügt zu:

Benennen Sie Ihr Beteiligungsportfolio
 
DX
-0,09%
Einem Portfolio hinzufügen/entfernen
Zur Watchlist hinzufügen
Position hinzufügen

Position erfolgreich hinzugefügt zu:

Benennen Sie Ihr Beteiligungsportfolio
 
DE10Y...
+2,36%
Einem Portfolio hinzufügen/entfernen
Zur Watchlist hinzufügen
Position hinzufügen

Position erfolgreich hinzugefügt zu:

Benennen Sie Ihr Beteiligungsportfolio
 
TFMBMc1
-3,97%
Einem Portfolio hinzufügen/entfernen
Zur Watchlist hinzufügen
Position hinzufügen

Position erfolgreich hinzugefügt zu:

Benennen Sie Ihr Beteiligungsportfolio
 

Auch nur ein flüchtiger Blick auf den Euro zeigt: Die Eurozone steckt in der Krise. Verantwortlich sind zunächst sicherlich äußere Rahmenbedingungen, die den alten Kontinent stärker heimsuchen als Amerika. Grobe Schnitzer der EZB sowie der Politik tragen jedoch ebenso deutlich zur Schwäche der Gemeinschaftswährung bei. Bleibt es bei den (geld-)politischen Irrwegen, wird der Euro zu einer „Leidwährung“.

Gegenwind für Euro so stark, dass man ihn für Windenergie nutzen könnte

Die Dynamik der Euro-Schwäche macht selbst der Währungsabwertung der Schwellenländer Konkurrenz. Und die Parität zum US-Dollar mag nur eine Zahl, ein Nümmerchen sein. Doch wenn ein Euro weniger als ein Dollar wert ist, zehrt das an der Ehre der Gemeinschaftswährung. Sie kann nicht mehr mithalten.

Wie konnte es bloß soweit kommen?

Zunächst besagt die gute alte Zinsparitätentheorie, dass Anlagegeld grundsätzlich in Länder fließt, die die höchsten Renditen bieten, was wiederum deren Wechselkurse treibt. Umgekehrt funktioniert dieser Mechanismus ebenso: Niedrigere Anleiherenditen in Deutschland - dem wirtschaftsstärksten Euro-Land - gegenüber den USA belasten den Euro gegenüber Dollar im Trend seit 2009.

Und nach Inflation, die eurozonalen im Vergleich zu US-Rentenanlagen noch mehr Rendite stiehlt, steht der Euro wie ein angeschlagener Boxer da: Der letzte Kampf war einer zu viel.

Hierbei ist die EZB verantwortlich, die sich stur wie ein Esel weigert, die Inflation zinspolitisch zu bekämpfen. Im Vergleich ist die Fed wie ein Vampir, der der US-Wirtschaft das Inflations-Blut aussaugt.

Das Argument, die EZB habe doch immerhin die Zinswende eingeleitet, zählt nicht. Die Reduzierung von Inflation ist vergleichbar mit der von Übergewicht. Nur ein bisschen ist zu wenig. Nicht der Weg ist das Ziel, sondern das Ziel ist das Ziel.

Natürlich, stabilitätspolitische Verschärfungen der Geldpolitik setzen wirtschaftlich schwachen und überschuldeten Euro-Ländern besonders zu. Doch ausgerechnet in jenen Ländern, die die Segnungen des Füllhorns der EZB besonders erfahren, ist die Zustimmung zur EU am stärksten auf dem Rückzug. So ist in Italien von der früheren „Euro-Amore“ nicht mehr viel zu spüren. Das zeigt sich dort im aktuellen Wahlkampf, bei dem populistische Parteien in Umfragen vorne liegen, die die europäische Idee dann gut finden, wenn sie das Recht verleiht, die Hand aufzuhalten. Die Pflichten im Euro-Club - z.B. die konsequente Verbesserung der Standortqualitäten - werden dagegen gerne unter den Teppich gekehrt, weil sie Wählern wehtun. Und man hält natürlich auch einen Super-Trumpf in den Händen. Man weiß, dass Eurozone und Euro kaum zu halten sind, wenn Italien von der europäischen Fahne geht.

Doch hat dieses politische Alibi, das den wirtschaftspolitischen Müßiggang und die Aufgabe der Preisstabilität heiligt, einen verdammt hohen Preis. Ein in der Konsequenz schwacher Euro wirkt auf importierte Inflation wie Mentos-Bonbons, die in kohlensäurehaltige Soft Drinks fallen.

In Dollar notierende Energiepreise lassen die bereits gewaltige Inflation im Euroraum noch stärker steigen. Kaufkraftverluste und erzwungenes Notsparen der Konsumenten schwächen die Konjunktur wie im Augenblick die Dürre die Flusspegel.

Die Mär vom schwachen Euro, der den Export stärkt

Viele (Geld-)Politiker glauben aber immer noch an die heilende Kraft eines schwachen Euros als Aufputschmittel für die Exportwirtschaft. Was für ein Unsinn!

Was nutzt denn die schwächste Exportwährung, wenn die Weltkonjunktur wie aktuell lahmt und der größte Absatzmarkt China die Schotten dichthält, um Corona einzudämmen.

Was nutzt ein schwacher Euro, wenn Unternehmen über steigende Rohstoffpreise - wenn sie überhaupt ausreichende Mengen erhalten - an internationaler Wettbewerbsfähigkeit verlieren?

Und was nutzt ein schwacher Euro, wenn in Europa und Deutschland eine Energiepolitik betrieben wird, die hohe Energiekosten begünstigt. Die Attraktivität von Wirtschaftsstandorten wird sich immer mehr an konkurrenzfähigen Energiepreisen orientieren. Waren früher einmal die Arbeitskosten die kritische wirtschaftliche Größe, sind es immer mehr die Energiepreise. Zukünftige digitale Geschäftsmodelle brauchen dramatisch mehr Energie, die alternative Quellen noch lange nicht bereitstellen können. Darüber kann man nicht einfach stur hinwegsehen, weil es einem nicht in den ideologischen Kram passt.

Bei Betrachtung der europäischen Gas- bzw. deutschen Strompreise im Vergleich zu amerikanischen, ist doch klar, welcher Standort die Nase vorn hat.

Schuld ist nicht die Stärke des US-Dollars, sondern die Schwäche der (Geld-)Politik

Zwar überschießen die europäischen Energiepreise aktuell. Wenn sie aber relativ zu hoch bleiben, werden Unternehmen Deutschland und Europa meiden wie Schafe das Wolfsrevier. Sie können sich keine Energieexperimente erlauben. Und wenn sich schließlich unsere Wirtschaftsperspektiven nachhaltig eintrüben, ist das sicher kein Grund für eine Euro-Aufwertung.

Wird dann die EZB noch mehr als willfähriger Retter in der von der Politik selbstverschuldeten Not missbraucht, befällt auch Deutschland die italienische Krankheit: Die Dauerinflation. Die Wohlstandsverluste potenzieren sich.

Möge die Deflation an Wirtschaftskompetenz bald enden. Hier ist jede Inflation herzlich willkommen. Auf Tipps zum Duschen und zum Einsatz von Waschlappen können wir aber verzichten.

Ansonsten ist die aktuelle Währungsschwäche erst der Beginn einer langen Leidenszeit des Euros.

Rechtliche Hinweise / Disclaimer und Grundsätze zum Umgang mit Interessenkonflikten der Baader Bank AG

Die Mär vom schwachen Euro, der den Export stärkt
 

Verwandte Beiträge

Die Mär vom schwachen Euro, der den Export stärkt

Kommentieren

Community-Richtlinien

Wir möchten Sie gerne dazu anregen, Kommentare zu schreiben, um sich mit anderen Nutzern auszutauschen. Teilen Sie Ihre Gedanken mit und/oder stellen Sie anderen Nutzern und den Kolumnisten Fragen. Um jedoch das Niveau zu erhalten, welches wir wertschätzen und erwarten, beachten Sie bitte die folgenden Kriterien:

  • Bereichern Sie die Unterhaltung
  • Bleiben Sie beim Thema. Veröffentlichen Sie nur Texte, die zu den genannten Inhalten passen. 
  • Respektieren Sie einander. Auch negative Meinungen und Kritik kann positiv und diplomatisch ausgedrückt werden. 
  • Benutzen Sie die anerkannten Ausdrucks- und Rechtschreibregeln. 
  • Beachten Sie: Spam, Werbenachrichten und Links werden gelöscht. 
  • Vermeiden Sie Profanität, Beleidigungen und persönliche Angriffe auf Kolumnisten oder andere Nutzer. 
  • Bitte kommentieren Sie nur auf Deutsch.

Diejenigen, die die oben genannten Regeln missachten, werden von der Webseite entfernt und können sich in der Zukunft je nach Ermessen von Investing.com nicht mehr anmelden.

Was denken Sie?
 
Sind Sie sicher, dass Sie diesen Chart löschen möchten?
 
Senden
Posten auf
 
Angehängten Chart durch einen neuen Chart ersetzen?
1000
Sie sind gegenwärtig aufgrund von negativen Nutzerbeurteilungen von der Abgabe von Kommentaren ausgeschlossen. Ihr Status wird von unseren Moderatoren überprüft.
Warten Sie bitte eine Minute bis zur erneuten Abgabe Ihres Kommentars.
Danke für Ihren Kommentar. Bitte beachten Sie, dass alle Kommentare erst nach vorheriger Überprüfung durch unsere Moderatoren veröffentlicht werden und deshalb nicht sofort auf unserer Webseite erscheinen können.
Kommentare (11)
Andreas Burchert
Andreas Burchert 26.08.2022 7:10
Gespeichert. Lesezeichen ansehen.
Dieser Kommentar wurde bereits unter Lesezeichen gespeichert
Topp
Michael Edelmann
Michael Edelmann 24.08.2022 17:41
Gespeichert. Lesezeichen ansehen.
Dieser Kommentar wurde bereits unter Lesezeichen gespeichert
sehr gut geschrieben
Wolfgang Reill
Wolfgang Reill 24.08.2022 16:54
Gespeichert. Lesezeichen ansehen.
Dieser Kommentar wurde bereits unter Lesezeichen gespeichert
Leider die bittere Wahrheit.
Ed Barner
Ed Barner 24.08.2022 13:24
Gespeichert. Lesezeichen ansehen.
Dieser Kommentar wurde bereits unter Lesezeichen gespeichert
Euro-Einführung und Reformdruck auf die bekannten Staaten waren eine Art 'Junktim'. Das funktioniert nur mit einer starken Zentralbank. Die Statuten der EZB waren anfangs sehr restriktiv...wurden dann aber geschreddert. Der Euro so stark wie die DM, das war das Versprechen. Mittlerweile denke ich es war eine dreiste Lüge.
24.08.2022 13:24
Gespeichert. Lesezeichen ansehen.
Dieser Kommentar wurde bereits unter Lesezeichen gespeichert
Top Kommentar!
Thomas Schuldlos
Thomas Schuldlos 24.08.2022 12:52
Gespeichert. Lesezeichen ansehen.
Dieser Kommentar wurde bereits unter Lesezeichen gespeichert
Auf den Punkt Herr Halver👍
Christian Schneider
Christian Schneider 24.08.2022 12:52
Gespeichert. Lesezeichen ansehen.
Dieser Kommentar wurde bereits unter Lesezeichen gespeichert
alles immer noch weichgespült und schöngeredet. die EZB druckt seit Jahren Geld und gibt es vorrangig den romanischen Freunden zur Ausweitung der Schulden zzgl. mittel zur Bedienung der Schuldendienste. das Geld sickert in den Kreislauf und lässt Preise von allen assete steigen. es ist wie Geldfälschung, an allen Verträgen vorbei und v.a.zu Lasten der kleinen Leute. danke fürs verstehende lesen!
24.08.2022 12:52
Gespeichert. Lesezeichen ansehen.
Dieser Kommentar wurde bereits unter Lesezeichen gespeichert
Vorteile (für wenige) privatisieren und Nachteile sozialisieren. Die EZB ist doch nur ein Handlanger für verfehlte Ideologien unserer (Europa) Politiker. Das wird ein langes Sichtum bis sich solch grundlegenden Änderungen durchsetzen können. Leider!
24.08.2022 12:19
Gespeichert. Lesezeichen ansehen.
Dieser Kommentar wurde bereits unter Lesezeichen gespeichert
Okay, wenn die EZB aufgrund der EU ihre Aufgabe nicht erfüllen kann? Dann heißt das weg mit der EU? So langsam nähern wir uns des Pixels Kern. Die EZB ist der aktuellen Verfassung ist schlicht untauglich irgendetwas zu bewegen. Draghi und Lagarde waren/sind einfach nur Totengräber!
Alihan Varol
Alihan Varol 24.08.2022 12:02
Gespeichert. Lesezeichen ansehen.
Dieser Kommentar wurde bereits unter Lesezeichen gespeichert
Deutsche Mark kann wieder kommen
Reinhard Reh
Reinhard Reh 24.08.2022 11:56
Gespeichert. Lesezeichen ansehen.
Dieser Kommentar wurde bereits unter Lesezeichen gespeichert
Tja, selbst ein Robert Halver hat's begriffen. Der Euro hätte vor 10 Jahren bereits aufgelöst werden müssen. Um jeden Preis die Stabilität zu erhalten und sogar noch zu bürgen, war ein Riesen Fehler. Weg mit der Wischiwaschiewährung und zwar sofort!
Frank Blaschke
Frank Blaschke 24.08.2022 11:55
Gespeichert. Lesezeichen ansehen.
Dieser Kommentar wurde bereits unter Lesezeichen gespeichert
100 % wahr ! Danke für den Artikel , am besten werden Sle Wirtschaftsminister
 
Sind Sie sicher, dass Sie diesen Chart löschen möchten?
 
Senden
 
Angehängten Chart durch einen neuen Chart ersetzen?
1000
Sie sind gegenwärtig aufgrund von negativen Nutzerbeurteilungen von der Abgabe von Kommentaren ausgeschlossen. Ihr Status wird von unseren Moderatoren überprüft.
Warten Sie bitte eine Minute bis zur erneuten Abgabe Ihres Kommentars.
Chart zum Kommentar hinzufügen
Sperre bestätigen

Sind Sie sicher, dass Sie %USER_NAME% sperren möchten?

Dadurch werden Sie und %USER_NAME% nicht mehr in der Lage sein, Beiträge des jeweils anderen auf Investing.com zu sehen.

%USER_NAME% wurde erfolgreich zu Ihrer Sperrliste hinzugefügt.

Da Sie diese Person entsperrt haben, müssen Sie 48 Stunden warten, bevor Sie sie wieder sperren können.

Diesen Kommentar melden

Sagen Sie uns Ihre Meinung zu diesem Kommentar

Kommentar markiert

Vielen Dank!

Ihre Meldung wurde zur Überprüfung an unsere Moderatoren geschickt
Mit Google registrieren
oder
Registrierung