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Worauf vorgestern bereits der Erzeugerpreisindex hingedeutet hat, wurde gestern durch die Daten zur Entwicklung der Verbraucherpreise bestätigt: Die Inflation in den USA hält sich hartnäckiger auf hohem Niveau als erhofft. Im September lag die Jahresrate der Inflation bei 3,7 % und damit auf dem gleichen Niveau wie im Vormonat. Experten hatten dagegen im Durchschnitt mit einem Rückgang auf 3,6 % gerechnet.
Immerhin ging aber die Kernrate, bei der die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel unberücksichtigt bleiben, auf 4,1 % zurück, von 4,3 % im August. Damit wurden die Prognosen der Analysten getroffen.
Und das ist wohl auch der Grund dafür, warum die Anleger relativ gelassen auf die Daten reagierten. Am Aktienmarkt kam es zwar in einer ersten Reaktion zu Kursrückgängen, diese hielten sich aber im Verhältnis zu den vorherigen Kursgewinnen in sehr engen Grenzen. Der Nasdaq 100 konnte sogar kurz nach Beginn des offiziellen Handels vom leichten Minus ins Plus drehen, obwohl gerade Technologieaktien sensibel auf Inflationsdaten und Hinweise auf hohe Zinsen reagieren.
Sicherlich, die gestrigen und vorgestrigen Preisdaten reichen nicht aus, um das Thema einer weiteren Zinserhöhung schon wieder eindeutig auf die Agenda der US-Notenbank zu bringen. Zumal die Anleiherenditen dadurch wieder angezogen haben, was eine weitere Leitzinsanhebung quasi ersetzt (siehe gestrige Börse-Intern).
Die offensichtlich noch hartnäckige Inflation macht es aber eindeutig notwendig, dass die Zinsen noch für viele Monate zumindest auf dem aktuellen Niveau bleiben. Für steigende Kurse am Aktienmarkt sind die Daten also eigentlich kein Grund.
Und daher wird es nun auch sehr interessant zu beobachten sein, wie sich der Euro STOXX 50 verhält, der gerade exakt die obere Linie eines Abwärtstrendkanals erreicht hat (siehe roter Pfeil im folgenden Chart).
Kann diese Abwärtstrend(kanal)linie gebrochen werden, bestätigt dies das Signal, dass der Ausbruch aus dem flachen Abwärtstrendkanal eine Bärenfalle war. Prallt der Kurs hingegen nach unten ab und fällt er erneut aus dem flachen Trendkanal heraus, bleibt die kurzfristige Entwicklung korrektiv und man sollte mit einer anhaltenden Kursschwäche rechnen.
Für Leser des Börsenbriefs „Target-Trend-Spezial“ war die jüngste Kursentwicklung durchaus nützlich. Denn ich hatte bei 4.382 Punkten zu einer Short-Position geraten. Und in der Analyse vom 2. Oktober hieß es, dass sich eine Gewinnmitnahme anbieten könnte, wenn sich der Kurs noch einmal seinem jüngsten Korrekturtief (vom 27. September bei 4.103 Punkten) nähert. Dieses wurde am 3. Oktober sogar unterschritten.
Nach diesem Gewinn würde ich derzeit keinen neuen Trade eingehen. Zwar bietet sich ein erneuter Short-Trade an, um auf die Fortsetzung des aktuellen Abwärtstrends zu setzen, doch ist die Rückeroberung des älteren Trendkanals ein bullishes Signal. Und solange dies nicht durch den oben beschriebenen erneuten Rutsch aus dem Trendkanal egalisiert wird, erscheint mir ein Short-Trade zu riskant, auch angesichts der Dynamik der Kurserholung. Und ein Long-Trade bietet sich erst an, wenn der aktuelle Kursanstieg etwas konsolidiert wurde und sich dann abzeichnet, dass die aktuelle Korrektur beendet ist, zum Beispiel durch einen klaren Bruch der aktuellen Abwärtstrendkanallinie. Mit Blick auf die Saisonalität würde ich bei einem Long-Trade aber nur sehr vorsichtig vorgehen.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
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