Der Spread zwischen Kupfer in London und New York weitet sich nach der Ankündigung einer Untersuchung zu Zöllen aus, die Aktie des US-Minenbetreibers Freeport McMoRan legt zu. Trumps Pläne könnten aufgrund langer Vorlaufzeiten zum Risiko für die US-Industrie werden.
Der Kupferpreis an der US-Terminbörse Comex stieg am Dienstag deutlich an, nachdem US-Präsident Donald Trump in seiner Zoll-Politik eine neue Front eröffnet hatte. Trump ordnete gegenüber dem US-Handelsministerium eine Untersuchung möglicher Einfuhrzölle auf Kupfer an.
Kupferpreis in den USA 816 USD pro Tonne höher als in London
Der Aufschlag auf den Preis an der COMEX gegenüber dem internationalen Referenzpreis für Kupfer an der London Metal Exchange (LME) stieg am Mittwoch von 580 USD am Vortag auf 816 USD pro Tonne, liegt damit aber immer noch unter dem Rekordhoch von 1.153 USD am 13. Februar.
Trump unterzeichnete im Weißen Haus eine Verfügung, mit der er Handelsminister Howard Lutnick anweist, eine Untersuchung der nationalen Sicherheit nach Abschnitt 232 des Trade Expansion Act von 1962 einzuleiten. Dabei handelt es sich um dasselbe Gesetz, das Trump in seiner ersten Amtszeit nutzte, um weltweite Zölle in Höhe von 25 % auf Stahl und Aluminium zu verhängen. Gegenstand der Untersuchung sind Rohkupfer, Kupferkonzentrate, Kupferlegierungen, Kupferschrott und aus dem Metall hergestellte Derivate.
Freeport McMoRan Aktie legt zu
Von Einfuhrzöllen würden vor allem Kupferproduzenten mit Minen in den USA produzieren. Folgerichtig legte die Aktie von Freeport McMoRan (ISIN: US35671D8570, WKN: 896476) am Dienstag und Mittwoch um mehr als 7 % zu. Fünf der sechs größten Kupferminen der USA befinden sich im Besitz des Unternehmens: Morenci, Safford, Sierrita, Bagdad und El Chino. An Morenci hält Freeport 72 %, die verbleibenden Anteile gehören Sumitomo (ISIN: JP3404600003, WKN: 8603649.
Zulegen konnte auch Antofagasta (LON:ANTO) (ISIN: GB0000456144, WKN: 867578): Das Unternehmen versucht, die 1,7 Mrd. USD teure Kupfer- und Nickelmine Twin Metals in Minnesota zu erschließen, sah sich jedoch unter der Regierung des ehemaligen Präsidenten Biden mit Vorbehalten hinsichtlich der Wasserverschmutzung konfrontiert.
Die möglichen neuen Zölle adressieren vor allem China. Der Handelsberater des Weißen Hauses, Peter Navarro, wiederholte Vorwürfe, China nutze staatliche Subventionen und Überkapazitäten, um den Wettbewerb zu untergraben und die Kontrolle über die globale Kupferproduktion zu erlangen. Die Volksrepublik kontrolliert dem Weißen Haus zufolge über 50 % der weltweiten Kupferschmelzkapazität.
"Wie unsere Stahl- und Aluminiumindustrie wurde auch unsere Kupferindustrie von globalen Akteuren dezimiert, die unsere heimische Produktion angreifen", kommentierte Lutnick während der Unterzeichnungssitzung im Weißen Haus. Die amerikanische Industrie sei auf Kupfer angewiesen und das Metall sollte in Amerika hergestellt werden: "Ohne Ausnahmen", so der Minister.
45 % des US-Kupferverbrauchs wird durch Importe gedeckt
Das Weiße Haus hat ein Papier zu der Thematik veröffentlicht. Dort heißt es: "Die Abhängigkeit Amerikas von Kupferimporten ist von praktisch 0 % im Jahr 1991 auf 45 % des Verbrauchs im Jahr 2024 gestiegen." Die heimische Kupferproduktion ist dagegen seit 2021 um 11 % gesunken – auch, weil Produzenten bei der Erweiterung bestehender Minen und der Entwicklung neuer Projekte auf Hürden stoßen.
Die Zölle dürften allerdings nicht primär China, sondern vor allem Chile, Kanada und Mexiko treffen: Daten des US Census Bureau zufolge waren diese Länder im Jahr 2024 die größten Lieferanten von raffiniertem Kupfer, Kupferlegierungen und Kupferartikeln in die USA.
Analysten fürchten, dass Einfuhrzölle auf Kupfer die US-Industrie erheblich belasten könnten. Diese müsste während einer langen Übergangsphase zur Wiederbelebung des heimischen Bergbaus und der Raffination des Metalls mit hohen Kosten rechnen.
"Keine Chance" für kurzfristige Kapazitätssteigerung
Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei der Saxo Bank in Kopenhagen etwa kommentierte: "Die USA haben keine Chance, ihre eigene Produktions- und Raffineriekapazität in naher Zukunft zu steigern."
Amy Gower von Morgan Stanley (NYSE:MS) sieht es ähnlich: "Der Bau neuer Kupferminen würde viel länger dauern und in vielen Fällen wären Genehmigungsschwierigkeiten an der Tagesordnung."
Zwar habe die Grupo-Mexico (ISIN: MXP370841019, WKN: 580892)-Tochter Asarco im Mai 2024 die Wiederinbetriebnahme ihrer stillgelegten Kupferhütte in den USA in Aussicht gestellt. Seitdem habe sich jedoch wenig getan, zudem gebe es keine anderen kürzlich stillgelegten Schmelzöfen. Derzeit sind im Land nur zwei Kupferhütten in Betrieb.