Es braucht nicht viel, um Donald Trump glücklich zu machen. Telefonanrufe aus Mexiko und Kanada, in denen verstärkte Grenzkontrollen und ein härteres Vorgehen gegen den Schmuggel der Droge Fentanyl versprochen wurden, reichten dafür aus. Trump konnte seinen Wählern einen ersten Sieg in seiner Strafzollkampagne gegen Mexiko und Kanada verkünden. Die zuvor gefallenen Aktien machten einen Teil ihrer Verluste wieder wett. Der mexikanische Peso und der kanadische Dollar erholten sich. Trump wird dies als Etappensieg werten und seine Aufmerksamkeit China zuwenden müssen, wo viel mehr auf dem Spiel steht und die Kräfteverhältnisse deutlich ausgeglichener sind. Insofern kam die leichte Entspannung gestern zu früh.
In Hongkong setzt die Börse zwar auf ähnlich versöhnliche Gespräche zwischen den USA und China. Doch zunächst kontert China die US-Pauschalzölle von zehn Prozent mit Einzelzöllen auf fossile Energieträger und Agrarprodukte. Zudem will man die USA mit einem Kartellverfahren gegen Google (NASDAQ:GOOGL) im Kern des US-Exportschlagers Internetportale treffen, eine Waffe, die auch Europa ziehen könnte, deren Wirksamkeit aber umstritten ist. Außerdem sollen den USA seltene Rohstoffe entzogen werden, die Trump wiederum zum Teil aus der Ukraine als Gegenleistung für militärische Unterstützung beziehen möchte.
Die Zolldrohungen des US-Präsidenten gegen die EU, von denen Großbritannien ausgenommen ist, könnten Keir Starmer den Neustart in Brüssel erschweren. Einer der Gründe, warum der Premierminister nicht in der Schusslinie des Präsidenten steht, ist die Tatsache, dass US-Zahlen zeigen, dass die USA einen Überschuss im Warenhandel mit Großbritannien haben, im Gegensatz zu ihrem Defizit mit Europa. Großbritannien ist hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, enge Beziehungen zu den USA aufrechtzuerhalten, und der Notwendigkeit, die Beziehungen zur EU wiederherzustellen, wobei einige davor warnen, dass der Versuch, beides zu tun, letztlich scheitern könnte.
Kompliziert wird es auch auf der Marktseite. Die Gewinner und Verlierer von Zöllen lassen sich oft nicht auf Indexebene erfassen. Die klassischen Gewinner der US-Zolldrohungen sind die lokalen Anbieter, so weit, so plausibel. Betrachtet man aber z.B. die europäischen GRANOLAS, das europäische Pendant zu den Mag-7 in den USA, so wird es komplexer. Die internationalen Konzerne - das G steht beispielsweise für die einzige britische Firma GSK in dem Buchstabensalat, aber auch eine deutsche SAP (ETR:SAPG) oder eine französische L’Oreal sind vertreten - waren in der letzten „Zollangstphase“ durchaus am Markt gefragt. Europäische Zementhersteller wie Heidelberger, Bucci Unicem oder Holcim (SIX:HOLN) sind in den USA die Gewinner der Strafzölle gegen mexikanischen Zement, da sie in den USA produzieren und zu den Platzhirschen gehören.
Auch auf unserer Indikatorenseite sind die Signale nicht immer eindeutig. Steigende Kupferpreise als Indikator für eine gute Konjunktur bleiben vorerst Spielball der Zollängste. In den USA dürften die Preise eher steigen, weil sich die Unternehmen frühzeitig eindecken.
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