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Alibaba-Aktie: Riskante Zockerei oder solides Investment?

Von Vincent MartinAktienmärkte04.04.2022 15:21
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Alibaba-Aktie: Riskante Zockerei oder solides Investment?
Von Vincent Martin   |  04.04.2022 15:21
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Am 27. Oktober 2020 schloss die Aktie von Alibaba (NYSE:BABA) auf einem Allzeithoch von 317,14 USD. Am 15. März dieses Jahres notierte die BABA-Aktie zum Ende der Börsensitzung nur noch knapp über 73 USD.

BABA Weekly
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In weniger als 17 Monaten haben die Aktien unfassbare drei Viertel ihres Wertes verloren. Dabei verlor Alibaba mehr als 600 Mrd. USD der Marktkapitalisierung - eine Zahl, die größer ist als der gesamte Marktwert aller bis auf acht der in den USA notierten Unternehmen.

Die einfache Erklärung für den außergewöhnlichen Absturz ist, dass die US-Investoren durch die Regulierungsmaßnahmen sowohl in den USA als auch in China abgeschreckt wurden.

An dieser Darstellung ist sicherlich einiges dran. Aber es ist nicht die ganze Wahrheit.

Die Bedenken über die Alibaba-Aktie betreffen auch die Geschäftstätigkeit des Unternehmens. Und da die regulatorischen Risiken nach wie vor hoch sind, deutet eines darauf hin, dass es immer noch zu riskant ist, auf eine Unterstützung der Aktien auf einem niedrigen Niveau zu setzen oder die Aktie überhaupt zu besitzen.

Der lange, tiefe Fall der Alibaba-Aktie

Bedenken aufgrund von Regulierungserfordernissen sind sicherlich ein wichtiger Katalysator für den Niedergang der Alibaba-Aktie. Es ist kein Zufall, dass der Preisverfall nur wenige Tage vor dem großen Schlag der Regulierungsbehörden gegen Alibaba begann.

Ende Oktober 2020 kündigte die Ant Group, an der Alibaba zu 33 % beteiligt war (und immer noch ist), Pläne für einen Börsengang an. Als der Preis für den Deal bestimmt wurde, sollte es der größte Börsengang der Geschichte werden. Die Börsennotierung versprach, eine der wertvollsten Investitionen von Alibaba zu bewerten, die auf der Grundlage der Börsennotiz mindestens 100 Milliarden Dollar wert gewesen wäre, und dem Unternehmen gleichzeitig Kapital für weiteres Wachstum zuzuführen.

In der folgenden Woche setzte die chinesische Regierung den Börsengang jedoch aus. (Ant ist immer noch nicht an die Börse gegangen). Die BABA-Aktie fiel nach dieser Nachricht um 8 %, und der Druck seitens der Zentralregierung und der Anleger begann gerade erst.

Ende 2020 leiteten die Regulierungsbehörden eine kartellrechtliche Untersuchung gegen Alibaba ein. Diese Untersuchung führte zu einer Geldstrafe in Höhe von 2,75 Mrd. USD und der Hoffnung, dass das Schlimmste überstanden sei.

Das sollte nicht der Fall sein. Das Geschäftsmodell der Ant Group wurde im April durch weitere regulatorische Entwicklungen bedroht. Der Druck der Aufsichtsbehörden auf andere Giganten, darunter Tencent (OTC:TCEHY) und Didi Global (NYSE:DIDI), hielt an. Der im August veröffentlichte neue Fünfjahresplan der regierenden Kommunistischen Partei Chinas sieht eine wesentlich stärkere Regulierung der Privatwirtschaft vor, insbesondere von Tech-Giganten wie Alibaba.

Zusätzlich zu all den Problemen im Geschäft steht Alibaba nun auch in den USA unter Druck. Die US-Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde plant, chinesische Unternehmen zu dekotieren, wenn sie die Prüfungsanforderungen nicht erfüllen. Alibaba steht tatsächlich mit dem Rücken an der Wand.

Neue Risiken, die den alten gleichen

Die Risiken, die von diesen und anderen Entwicklungen ausgehen, kann man nicht einfach ignorieren. Sie stellen eine existenzielle Bedrohung für das Geschäft von Alibaba und für seine Investoren dar.

Tatsächlich hat sich im Großen und Ganzen nicht wirklich viel geändert. Die regulatorischen Risiken stehen seit dem Börsengang von Alibaba im Jahr 2014 im Vordergrund oder sollten zumindest im Vordergrund stehen. Alibaba ist das größte Unternehmen in einem Land, das immer noch von einer kommunistischen Einparteienregierung geführt wird (egal wie oft diese Regierung ein Interesse am Kapitalismus heuchelt).

Die Anleger in den USA besitzen nicht einmal Aktien von Alibaba selbst. Das Formular 20-F (dem bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC eingereichten Jahresbericht) zeigt, dass es sich bei der BABA-Aktie vielmehr um eine Beteiligung an einer so genannten Variable Interest Entity (VIE) handelt, die angeblich ihrerseits Anspruch auf einen Teil der Alibaba-Gewinne hat. Die Alibaba-VIE hat ihren Sitz auf den Kaimann-Inseln, was mögliche Ansprüche von US-Anlegern gegen Alibaba selbst einschränkt, sollte das Unternehmen gegen die Interessen der US-Aktionäre handeln.

Da viele Experten die Ansicht vertreten, dass VIEs gegen chinesisches Recht verstoßen, bestanden diese Risiken von Anfang an. Chinesische (oder auch US-amerikanische) Regierungsvertreter konnten und könnten den Alibaba-Aktionären jederzeit genau diese Art von Schlag versetzen.

Und es sind nicht nur die Regulierungsbehörden

Aus fundamentaler Sicht sieht die BABA-Aktie zugegebenermaßen billig aus. Die Aktie notiert zu einem Kurs, der knapp über dem 13-fachen der Konsensschätzung für den Gewinn je Aktie im Geschäftsjahr 2022 (bis Ende März) liegt. Das ist ein niedriger Multiplikator für ein Unternehmen, das immer noch steigende Umsätze verzeichnet und für das längerfristige Chancen außerhalb Chinas und in Endmärkten wie Cloud und sogar Elektrofahrzeugen bestehen.

Aber eine solche Betrachtung verdeckt die echten fundamentalen Probleme. Nach der Veröffentlichung des Berichts für das zweite Quartal im November senkte Alibaba seine Umsatzprognose für das laufende Jahr. Dieses verlangsamte Wachstum kommt zusammen mit höheren Ausgaben auf das Unternehmen zu: Die EPS-Schätzung für das GJ 2022 deutet auf einen Rückgang von 18 % (im Vergleich zum Vorjahr) hin.

Das Kernproblem an beiden Fronten ist der zunehmende Wettbewerb. Pinduoduo (NASDAQ:PDD) gewinnt in ländlichen Gebieten und kleineren Städten Marktanteile und übertrifft Alibaba sogar bei der Gesamtzahl der jährlich aktiven Nutzer.

Diese fundamentalen Probleme allein können den Rückgang der BABA-Aktie um rund zwei Drittel von den Höchstständen im Jahr 2020 auf den aktuellen Kurs nicht erklären. Aber sie sind ein wichtiger Faktor. Der Kurseinbruch wurde nicht nur durch regulatorische Risiken verursacht.

Warum Vorsicht angeraten ist

Natürlich ist für Alibaba noch nicht alles zuende. Das Unternehmen bleibt ein Powerhouse, selbst wenn die Konkurrenz erfolgreich aufholt. Die chinesische Zentralregierung möchte wahrscheinlich nicht, dass eines ihrer Vorzeigeunternehmen von den US-Märkten ausgeschlossen wird; die SEC und andere US-Behörden möchten nicht, dass US-Anleger weitere Verluste in Milliardenhöhe hinnehmen müssen. Wahrscheinlich gibt es eine Art von Kompromiss; die Geschichte von Alibaba muss nicht mit einer erzwungenen Auflösung, einem Delisting oder einem anderen katastrophalen Ergebnis enden.

Das bedeutet aber nicht, dass die BABA-Aktie eine Kaufempfehlung ist, vor allem nicht, nach der 50 % Erholung von den Tiefstständen. Die regulatorischen Risiken werden nicht verschwinden, und das gleiche gilt vorerst auch für die grundsätzlichen Bedenken. Und es ist ein echtes Problem, sich auf die Fundamentaldaten zu konzentrieren, wenn diese Fundamentaldaten praktisch für ein anderes Unternehmen gelten. Ein Aktienkurs sollte wie jeder andere Kurs theoretisch gleich dem Gesamtwert der zukünftigen Cashflows sein, die über die Zeit abgezinst werden. Die Investoren von Alibaba haben kaum Garantien dafür, dass sie diese Cashflows jemals sehen werden.

Der bisherige Kurssturz war außergewöhnlich, aber er lässt sich weitgehend durch reale Faktoren erklären und nicht einfach durch einen panischen Markt, der zu stark auf Ereignisse reagiert, deren Wahrscheinlichkeit man vernachlässigen kann. Solange die Alibaba-Aktie eine Beteiligung an einer VIE und nicht an einem Land darstellt, solange die chinesische Zentralregierung kommunistisch bleibt und solange die Spannungen zwischen den USA und China zunehmen, wird BABA eine hochriskante Strategie sein. Wenn dann auch noch fundamentale Fragezeichen hinter der Gewinnsituation stehen, ist es schwierig, solche Risiken zuversichtlich einzugehen.

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Kommentare (2)
Herbert Assigal
Herbert Assigal 04.04.2022 20:16
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Absolut viel zu negativ. Ich habe seit dem Sturz der Aktie nur Geld verdient. Daran wird sich nichts ändern. Für mich klar ein -strong buy bis gegen USD 180.—! Die Amerikaner werden wieder auf dieses Pferd setzen. Auch sie wollen wieder das Geld verdienen, dass sie vorher verloren haben.
Chris Pepcon
Chris Pepcon 04.04.2022 19:41
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was für ein Quatsch.
Timo Stenger
Timo Stenger 04.04.2022 19:41
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was ist Quatsch, der Bericht oder der post von Herbert?
 
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