In diesem Artikel befassen wir uns mit dem Zustand der Halbleiterindustrie (ETR:SEC0) und den Auswirkungen, die eine Erholung Chinas auf diese Industrie und die breitere Wirtschaft haben könnte. Interessanterweise kommen mittlerweile nur noch rund 10 % der Einnahmen für Halbleiterunternehmen aus China, vor Covid waren es 20 %. Somit müsste sich die Nachfrage verdoppeln, wenn das Land seine Aktivitäten wieder auf ein normales Niveau hochfährt.
Warum sind Halbleiter wichtig?
Halbleiter werden in einer Vielzahl von Anwendungen eingesetzt (Rechenzentren, Fahrzeuge, PCs, Geräte aller Größenordnungen usw.). Folglich ist die Entwicklung der Nachfrage nach diesen Bauteilen ein guter Indikator für die Richtung der Weltwirtschaft.
Die Unterhaltungselektronik ist bereits heute ein wichtiger Markt, wobei der größte Teil des Wachstums in den nächsten 5 bis 10 Jahren in den Bereichen Computing und Datenzentren, drahtlose Kommunikation und Automobilindustrie erwartet wird.
Die Nachfrage nach Halbleitern ging im Mai 2022 zurück und verschlechterte sich im weiteren Verlauf des Jahres in allen Regionen. So sanken beispielsweise die weltweiten PC-Lieferungen im 4. Quartal 2022 um 29 %, wobei der PC-Markt in den USA um 21 %, in der EMEA um 37 % und im asiatisch-pazifischen Raum (ohne Japan) um 29 % schrumpfte. Die Nachfrage nach Rechenzentren hielt sich im gleichen Zeitraum relativ besser, gab aber ebenfalls nach. Zu Beginn des Jahres 2023 gab es erste Anzeichen für eine Stabilisierung und Erholung.
Die Lieferkette für Halbleiter ist extrem komplex, wodurch es für die Hersteller schwierig ist, das Angebot direkt zu kontrollieren. Das Ergebnis sind Ungleichgewichte bei den Beständen, die eine schwache Nachfrage noch verstärken können, wodurch eine First-in/First-out-Dynamik entsteht. Die scheinbare Nachfrage ist anfangs viel schlechter als die endgültige Nachfrage, da die Händler zunächst ihre Bestände abarbeiten. Sobald sich aber die Bestände stabilisiert haben, steigt die Nachfrage durch das Wiederauffüllen der Lagerbestände.
Die Entwicklung von TSMC (NYSE:TSM) signalisiert eine Stabilisierung der Nachfrage und eine Erholung im 2. Halbjahr 2023
TSMC ist der größte Hersteller von Halbleitern mit einem Marktanteil von 57 % im Foundry-Bereich. Das Unternehmen meldete in der vergangenen Woche höhere Gewinne als ursprünglich befürchtet, wies aber vor allem auf "erste Anzeichen für eine Stabilisierung der Nachfrage" und eine "gesunde Erholung in der zweiten Hälfte des Jahres 2023" hin. TSMC erwartet für das 1. Halbjahr 2023 einen Umsatzrückgang im mittleren bis hohen einstelligen Bereich, für das Gesamtjahr jedoch ein leichtes Wachstum.
Worauf stützen sich diese optimistischen Prognosen von TSMC? Wir glauben, dass China der Hauptgrund für diese Erwartungen ist. Der Anteil Chinas an den Umsätzen von TSM ist seit der Zeit vor Covid von rund 20 % (2019) auf lediglich 11 % gesunken. Damit China wieder einen normalisierten Anteil von ca. 20 % an den Umsätzen erreicht, müsste sich die Nachfrage über einen Zeitraum von 1 bis 2 Jahren verdoppeln. Das würde für das Unternehmen ein Wachstum von über 10 % in 1 bis 2 Jahren bedeuten, selbst wenn die Umsätze in allen anderen Endmärkte konstant bleiben.
Darüber hinaus ist ein interessanter Hinweis der Unternehmensleitung von Nvidia (NASDAQ:NVDA) hervorzuheben, die feststellte, dass die US-Hyperscaler zwar viel größer sind als die chinesischen Hyperscaler, dass es in China aber mehr Internetunternehmen gibt als in den USA. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 kamen 68 % des TSMC-Umsatzes aus den USA, während mit China nur 11 % fakturiert wurden.
Was treibt die Rückverlagerung von Produktionsstätten in der Halbleiter-Branche an?
Bei der Entwicklung und Fertigung von Halbleitern verfügt keine Region über durchgängige Kompetenzen. Halbleiter werden von Unternehmen wie z. B. Nvidia (NASDAQ:NVDA) oder AMD (NASDAQ:AMD)) in einer Region entwickelt und von anderen Unternehmen (z. B. TSMC) in einer anderen Region gefertigt. Sie werden dann von Dritten zusammengebaut und vertrieben, was die Komplexität und das Management der Bestände zusätzlich erschwert. Das ist einer der Gründe, warum das Management des Halbleiter-Angebots schwierig ist und überhöhte Lagerbestände das Problem eines Überangebots noch verschärfen können.
Hinzu kommt, dass der Großteil der weltweiten Produktion (>70 %) in einer Region, nämlich Taiwan, stattfindet, was ein erhebliches geopolitisches Risiko darstellt. Aus diesem Grund drängen die Regierungen auf die Lokalisierung der Lieferketten, auch wenn das die Kosten erheblich in die Höhe treiben könnte.
Die Kosten für die Entwicklung und Herstellung der Chips sind gestiegen, während die Chips an sich immer kleiner werden. Die Entwicklung eines 5-Nanometer-Chips kostet fast doppelt so viel wie die eines 7-Nanometer-Chips, die Herstellung eines 5-Nanometer-Fab-Moduls kostet fast das Doppelte eines 7-Nanometer-Moduls. Zusätzlich zum Kostenanstieg aufgrund verbesserter Technologien bringt die Lokalisierung der Lieferketten eine weitere Kostenschicht mit sich.
Die Halbleiterhersteller sind der Ansicht, dass diese Kostensteigerungen durch die Vorteile mehr als ausgeglichen werden, und planen sehr umfangreiche Investitionen. TSMC beispielsweise plant in den USA Investitionen in Höhe von 40 Mrd. USD für zwei Halbleiterfabriken, Intel (NASDAQ:INTC) wird mehr als 30 Mrd. USD (bis zu 100 Mrd. USD) für zwei neue Fabriken investieren, Samsung (KS:005930) plant Investitionen von bis zu 200 Mrd. USD (11 Fabriken). Ein derart hohes Investitionsniveau ist für die US-Wirtschaft von großer Bedeutung und wir gehen davon aus, dass es die industrielle Aktivität auch in einem schwächeren Konjunkturumfeld unterstützen wird.
OFFENLEGUNG: Die hier geäußerten Meinungen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Anlageempfehlungen dar. SPEAR kann, muss aber nicht Positionen an den genannten Unternehmen halten. Eine Aufstellung der Bestände können Sie hier einsehen.