Die EIA hat in dieser Woche ihren Ausblick für die globale Ölnachfrage nach unten korrigiert. Während die Berichtigung gering ausfiel—101,45 Mio Fass Öl am Tag (barrels per day, bpd) statt 101,54 Mio bpd zuvor—spiegelt sie wachsende Sorgen darüber wieder, dass eine globale Konjunkturverlangsamung den Ölverbrauch verringern und die Ölpreise belasten wird.
In der Tat sagt die EIA vorher, dass die globalen Ölvorräte in 2019 mit einer Rate von 400.000 bpd anschwellen werden. In dieser Woche veröffentlichte die OPEC ebenfalls negative Revisionen ihre Prognosen, in denen sie jetzt damit rechnet, dass die Nachfrage nach Rohöl in 2019 die in 2018 um lediglich 1,24 Mio bpd übersteigen wird. Das ist eine Verringerung um 50.000 bpd gegenüber ihrer letzten Vorhersage.
Die Ölpreise sind trotz dieser düsteren Konjunkturnachrichten gestiegen, wahrscheinlich weil der saudische Ölminister Khalid al-Falih angekündigt hat, dass Saudi-Arabien plant, seine Ölproduktion im März in die Nähe von 9,8 Mio bpd zu verringern, was die Exporte auf 6,9 Mio bpd fallen lassen würde. Er gab keine Gründe für die beabsichtigte Absenkung, die die Produktion weit unter die saudische OPEC-Quote von 10,3 Mio bpd drücken.
Das stellt die Frage, ob Saudi-Arabien versucht eine ausgleichende Rolle am Markt zu spielen und seine eigene Produktion abzusenken, um einen zu starken Fall der Ölpreise zu verhindern. Das war eine Strategie, die Saudi-Arabien eine Zeit lang in den 1980er Jahren verfolgte, unter der Führung des damaligen Ölministers Zaki Yamani. Anstatt alle OPEC-Mitglieder zu bewegen, die Produktion zur gleichen Zeit zu kappen, versucht das Königreich die Preise hoch zu halten, indem es einseitig seine Förderung beschränkt.
Allerdings erwies sich die Strategie für die Saudis damals als wenig vorteilhaft und das Land verlor einen Haufen Geld als Ergebnis. Das gescheiterte Experiment war die Hauptmotivation hinter Ali al Naimis Weigerung in 2014, die Produktion zu senken, als er nicht die Kooperation der anderen Länder, einschließlich von nicht in der OPEC organisierten Ölexporteuren gewinnen konnte. Naimi, der seinem Land von 1996 bis 2015 als Ölminister diente, lehnte es ab, dass Saudi-Arabien die Last von Produktionssenkungen allein tragen solle.
Die Situation ist derzeit nicht exakt die gleiche wie in den 1980ern oder 2014. Allerdings, seit die Saudis unilateral ihre Produktion mehrere Monate in Folge gesenkt haben, müssen sich Ölbeobachter wundern, ob das Königreich versucht sich als Ausgleichsproduzent zu etablieren und die Preise aus eigener Kraft aufzupäppeln. Auch müssen sich Beobachter über die Effizienz eines solchen Plans wundern, für Saudi-Arabiens Ölindustrie, seine Wirtschaft und den Staatshaushalt.
Sollte Saudi-Arabien versuchen als Ausgleichsproduzent zu handeln, dann ist ein Hauptproblem mit dem Plan, dass die Vereinigten Staaten in der Lage zu sein scheinen, jede durch die saudischen Produktionssenkungen entstehende Lücke wieder aufzufüllen. Saudi-Arabien kennt die Möglichkeiten der USA, was es unwahrscheinlich macht, dass das Königreich im April noch tiefere Kürzungen vornehmen wird, es sei denn, es gibt technische Gründe für die geplanten Produktionssenkungen. Auch hat Russland bislang seine auf der letzten OPEC+-Sitzung im Dezember versprochenen Produktionssenkungen noch nicht umgesetzt, was weitere Produktionseinschnitte der Saudis nochmal unwahrscheinlicher macht.
Die Vereinigten Staaten werden wahrscheinlich einen Anstieg ihrer Ölvorräte in den kommenden Wochen beobachten, als die Instandsetzungssaison bei den Raffinerien begonnen hat. Seit mehreren Monaten liefen die Raffinerien in den USA mit voller Kapazität. Jetzt verlangsamen sie den Betrieb oder stellen ihn vorübergehend komplett ein, um die jährlichen Wartungsarbeiten durchzuführen und auf die Sommermischungen von Benzin umzustellen. US-Exporte an Rohöl und Raffinerieprodukten sind ebenfalls gefallen, was bedeutet, dass mehr Öl und Ölprodukte sich in den Vorratstanks ansammeln sollten.
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