🧐 ProPicks KI Oktober-Update: Welche Aktien haben es geschafft?Jetzt reinschauen

ROUNDUP 2: Drohende Commerzbank-Übernahme - Bund plant keine Abwehr

Veröffentlicht am 25.09.2024, 16:49
© Reuters.
DBKGn
-
CBKG
-
CRDI
-

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Bundesregierung hat eindringlich vor einer feindlichen Übernahme der Commerzbank (ETR:CBKG) durch die italienische Großbank Unicredit (BIT:CRDI) gewarnt - plant aber keine Abwehr des Übernahmeversuchs. Das Institut sei eine sehr wichtige Bank für die deutsche Wirtschaft, sagte Regierungssprecher Hebestreit in Berlin. Es gebe aber keine weiteren Überlegungen, etwas abzuwehren, das sei "Sache der Kapitalmarktakteure".

Inmitten des Übernahmekampfs besetzt die Commerzbank vorzeitig ihre Konzernspitze neu. Die künftige Vorstandschefin Bettina Orlopp kann schon kommende Woche das Ruder übernehmen. Der bisherige Vorstandschef Manfred Knof tritt zum Monatsende ab. "Darauf haben sich der 59-Jährige und der Aufsichtsrat verständigt", teilte die Commerzbank mit. Unicredit-Chef Andrea Orcel hält sich alle Optionen offen.

Die Unicredit war überraschend im großen Stil bei der Commerzbank eingestiegen. Zuletzt hatten sich die Italiener über Finanzinstrumente die Option gesichert, ihren Anteil von 9 auf 21 Prozent aufzustocken. Damit wäre die Unicredit mit Abstand größter Aktionär - vor dem Bund, der rund zwölf Prozent hält. Zugleich beantragte die Unicredit die behördliche Erlaubnis, ihren Anteil auf bis zu 29,9 Prozent zu erhöhen. Damit wird ein offizielles Übernahmeangebot für die Commerzbank wahrscheinlicher.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sprach jüngst erst von einer "unfreundlichen Attacke". Der Bund hat entschieden, bis auf Weiteres keine Commerzbank-Aktien mehr zu verkaufen.

Vorzeitiger Wechsel an der Führungsspitze

Mit dem vorzeitigen Chefwechsel schafft Deutschlands zweitgrößte Privatbank Klarheit angesichts einer drohenden Übernahme durch die Mailänder Großbank Unicredit. Die Commerzbank hatte erst am Dienstagabend erklärt, dass sie ihre Führungsspitze rasch neu besetzt und Orlopp (54) mit dem Ausscheiden von Knof "zeitnah" auf den Chefposten rücken soll. Nun wird der Zeitpunkt konkret. "Manfred Knof hat sich bleibende Verdienste um die Commerzbank erworben", sagte Aufsichtsratschef Jens Weidmann. Knof habe das Geldhaus in einer schwierigen Lage übernommen und zurück auf Erfolgskurs geführt.

Anfang September hatte der Frankfurter Dax -Konzern mitgeteilt, dass Knof seinen Ende 2025 auslaufenden Vertrag nicht verlängern wolle. Er führt die Bank seit 2021 und hatte den Umbau des Instituts vorangetrieben. Im vergangenen Jahr schrieb die Commerzbank einen Rekordgewinn. Doch mit dem Einstieg der Unicredit geriet die Commerzbank unter Druck, Investoren forderten schnelle Klarheit in der Führungsfrage. "Jetzt ist angesichts der Rahmenbedingungen der richtige Zeitpunkt, meine Amtsgeschäfte als CEO der Bank auf meine Nachfolgerin überzuleiten", sagte Knof nun.

Orlopp galt schon lange als die Favoritin für die Nachfolge. Die promovierte Betriebswirtin ist bereits Vize-Chefin und seit Herbst 2017 Teil des Commerzbank-Vorstands. Sie wird die erste Chefin in der 154-jährigen Geschichte der Commerzbank und erst die zweite Frau überhaupt, die alleine einen Dax-Konzern führt - neben Merck-Chefin Belen Garijo.

Unicredit hält sich alle Optionen offen

Unicredit-Chef Andrea Orcel hält sich nach dem Einstieg bei der Commerzbank alle Optionen offen. "Die Commerzbank ist ein Investment. Nichts anderes." Derzeit gebe es kein Übernahmeangebot, sagte Orcel auf einer Branchenkonferenz in London. Ein Zusammengehen mit der Commerzbank könne aber zum "Testfall für Europa" werden, das größere Banken brauche. Die Commerzbank passe strategisch gut zur Unicredit.

Der deutsche Bankenmarkt sei fragmentiert und Unicredit habe Erfahrung vor Ort, sagte Orcel in Anspielung auf die Tochter HypoVereinsbank (HVB), die 2005 von der Unicredit übernommen worden war. Zugleich betonte Orcel erneut, die Unicredit sei nicht unter Zugzwang. "Wir können den Commerzbank-Anteil auch wieder verkaufen." Bei großen Fusionen brauche es Einigkeit auf beiden Seiten.

Berlin plant keine Abwehr von Unicredit - und übt Kritik

Finanzminister Christian Lindner (FDP) kritisierte im Bundestag den Stil der Unicredit. Das Vorgehen habe die Bundesregierung überrascht und "nicht Vertrauen in die Unicredit gestärkt". Jetzt liege alles Weitere in der Hand von Management und Aufsichtsrat der Commerzbank. Vonseiten der Bundesregierung stehe kein weiterer Schritt an. Lindner stellte jedoch klar: "Wenn die Bundesregierung Anteile veräußert, dann sind wir zu einem diskriminierungsfreien Verfahren gezwungen."

Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch hatte die Bundesregierung zuvor aufgefordert, die Übernahme der Commerzbank durch Unicredit zu verhindern. Es sei "ziemlich einmalig, dass die Bundesrepublik als eine der größten Wirtschaftsmächte der Erde bei einer ihrer größten Banken ihres Landes Anteilsverkäufe avisiert und diese dann zu einer feindlichen Übernahme führen, weil man die Ausschreibung nicht so gestaltet hat, dass kein einzelner Übernehmer alles bekommt", sagte Koch der "Berliner Zeitung".

Deutsche Bank (ETR:DBKGn) will nicht eingreifen

Nicht nur die Bundesregierung, auch die Deutsche Bank will sich aus dem Übernahmeringen heraushalten. Das Institut konzentriere sich auf sich selbst, sagte Finanzvorstand James von Moltke auf einer Branchenkonferenz. Die Deutsche Bank habe noch Arbeit vor sich, bevor sie bereit sei, an einer Branchenkonsolidierung teilzunehmen.

Aktuelle Kommentare

Installieren Sie unsere App
Risikohinweis: Beim Handel mit Finanzinstrumenten und/oder Kryptowährungen bestehen erhebliche Risiken, die zum vollständigen oder teilweisen Verlust Ihres investierten Kapitals führen können. Die Kurse von Kryptowährungen unterliegen extremen Schwankungen und können durch externe Einflüsse wie finanzielle, regulatorische oder politische Ereignisse beeinflusst werden. Durch den Einsatz von Margin-Trading wird das finanzielle Risiko erhöht.
Vor Beginn des Handels mit Finanzinstrumenten und/oder Kryptowährungen ist es wichtig, die damit verbundenen Risiken vollständig zu verstehen. Es wird empfohlen, sich gegebenenfalls von einer unabhängigen und sachkundigen Person oder Institution beraten zu lassen.
Fusion Media weist darauf hin, dass die auf dieser Website bereitgestellten Kurse und Daten möglicherweise nicht in Echtzeit oder vollständig genau sind. Diese Informationen werden nicht unbedingt von Börsen, sondern von Market Makern zur Verfügung gestellt, was bedeutet, dass sie indikativ und nicht für Handelszwecke geeignet sein können. Fusion Media und andere Datenanbieter übernehmen daher keine Verantwortung für Handelsverluste, die durch die Verwendung dieser Daten entstehen können.
Die Nutzung, Speicherung, Vervielfältigung, Anzeige, Änderung, Übertragung oder Verbreitung der auf dieser Website enthaltenen Daten ohne vorherige schriftliche Zustimmung von Fusion Media und/oder des Datenproviders ist untersagt. Alle Rechte am geistigen Eigentum liegen bei den Anbietern und/oder der Börse, die die Daten auf dieser Website bereitstellen.
Fusion Media kann von Werbetreibenden auf der Website aufgrund Ihrer Interaktion mit Anzeigen oder Werbetreibenden vergütet werden.
Im Falle von Auslegungsunterschieden zwischen der englischen und der deutschen Version dieser Vereinbarung ist die englische Version maßgeblich.
© 2007-2024 - Fusion Media Limited. Alle Rechte vorbehalten.