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Gewinner (und Verlierer) beim Ölgipfel: Eine andere Sicht

Von Ellen R. Wald, Ph.D.Rohstoffe06.12.2017 16:31
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Gewinner (und Verlierer) beim Ölgipfel: Eine andere Sicht
Von Ellen R. Wald, Ph.D.   |  06.12.2017 16:31
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Der Artikel erschien im Original unter dem Titel "Oil Production Cuts' Big Winners (And Losers): An Alternate View" am 6. Dezember 2017 auf Investing.com.

Gestern hatte Jesse Cohen, Energieanalyst bei Investing.com in einem Artikel geschrieben, es gäbe zwei große Gewinner und einen Verlierer nach der Opec-Sitzung der letzten Woche in Wien. Aus seiner Sicht haben die US-Schieferölförderer und die russischen Ölgiganten bei den Verhandlungen zu einer Verlängerung der Förderlimits gewonnen, während Saudi-Arabien den kürzeren zog.

Dem widerspricht Dr. Ellen R. Wald, die das Zusammenspiel von Energiemärkten und der internationalen Politik, so unter anderem der Ölpreise, der Energiepolitik, alternativer Energiequellen, der Opec und der Wirtschaftspolitik analysiert und eine wöchentliche Kolumne zu den Ölmärkten auf Investing.com hat. Hier sind ihre Ansichten:

Der Opec-Gipfel der letzten Woche endete mit dem Ausgang den viele vorhergesagt hatten. Die Mitgliedsstaaten der Opec vereinbarten ihre eigenen Beschränkungen der Ölförderung über das bisherige Auslaufdatum vom März 2018 hinaus zu verlängern und kamen dann in einer Sitzung mit ihren Partnern außerhalb des Kartells überein, alle Produktionssenkungen bis Ende 2018 aufrechtzuerhalten.

Saudi-Arabien war klar der große Gewinner bei der Sitzung und das aus mehreren Gründen. Erstens hat Saudi-Arabien sein ausgegebenes Ziel einer Verlängerung der Produktionseinschnitte für das ganze Jahr 2018 erreicht. Andere Ländern wie Russland zeigten sich skeptisch über die Notwendigkeit einer derart großen Verlängerung und hatten kürzere Zeiträume von entweder 3 oder 6 Monaten angeregt. Am Ende hatte der saudische Ölminister Khalid al Falih aber einen Konsens für die saudische Position einer Verlängerung um 9 Monate erreicht.

Die neunmonatige Verlängerung ist besonders positiv für Saudi-Arabien, da das Land zwar die Förderung und den Export von Rohöl über seine Quote hinaus beschränkt hat, aber zugleich seine Exporte an raffinierten Produkten ausbaute. Die meisten anderen Opec-Länder haben nicht die Möglichkeit Benzin oder Diesel zu exportieren, und erst recht nicht die verschiedenen Produkte der Spezialchemie, die in den weiten Petrochemieanlagen Saudi-Arabiens produziert werden.

Saudi-Arabien ist im Vergleich zu den anderen Opec-Ländern sehr gut auf das Jahr 2018 vorbereitet. Auf der Pressekonferenz sagte Al Falih, dass mehrere Opec-Mitglieder während der Sitzung hinter verschlossenen Türen angegeben hätten, sie rechneten mit einem weiteren Rückgang der Fördermenge in 2018, da ihre Ölfelder zusehends erschöpft sind. Saudi-Arabien hingegen hält eine Reservekapazität von mindestens 2 Mio Fass am Tag vor. Das bedeutet, sollte die Förderung in einigen Ländern hinter die Quote zurückfallen, dann könnte Saudi-Arabien seine eigene Produktion steigern (das Königreich fördert derzeit weniger als ihm nach seiner Quote zustehen würde), ohne das Ziel für die Gesamtproduktion in der Opec zu gefährden.

Während Saudi-Arabien den Gipfel gestärkt verließ, kann man dies nicht für den russischen Energieminister Alexander Novak sagen. Vor dem Treffen der Opec hatte Novak die heikle Aufgabe, sich die Unterstützung der großen russischen Ölunternehmen zu sichern. Er konnte sie nicht davon überzeugen, eine Verlängerung des Deals um volle 9 Monate zu unterstützen. Die Chefs einiger russischer Ölfirmen sagten Novak, dass sie beabsichtigten ihre Ölförderung in 2018 auszuweiten, unbeachtlich dessen was Novak entscheide. Wenn Russland seiner Produktion innerhalb seiner Quote für 2018 halten will, dann wird es Novak zufallen sicherzustellen, dass die Unternehmen nicht überproduzieren.

Am Ende des Tages stimmte Novak der saudischen Position zu. Auf der Pressekonferenz erklärte er, dass die russische Ölförderung in den ersten Monaten des Jahres für gewöhnlich ohnehin etwas niedriger ausfällt, sodass Russland eine volle Verlängerung unterstützen werde, solange die Opec und die Ölstaaten außerhalb des Kartells einer Neuprüfung des Abkommens im Juni 2018 zustimmten. Vielleicht hofft Novak darauf, dass er den russischen Ölfirmen einen Ausstieg aus dem Deal bei dem Treffen im Juni versprechen kann. Allerdings werden die anderen Teilnehmer sich nicht dieser Sichtweise anschließen, da, wie die offizielle Stellungsname aus der letzten Woche klarstellt, im Juni 2018 die Opec und ihre Partner nur das Marktumfeld neu bewerten, nicht aber den Deal selbst überarbeiten werden.

Russland könnte sehr wohl bei seinen Förderquoten schummeln—es hat sich schon in der Vergangenheit nicht an Abkommen mit der Opec gehalten—aber das ist ein Thema dem sich Novak und al-Falih im Frühling widmen können.

Das Urteil darüber, wie gut der Opec-Deal für die US-Schieferölunternehmen sein wird, fällt gemischt aus. Das Abkommen bedeutet, dass die US-Ölförderer jetzt wissen, was sie von der Opec und Russland zumindest in den nächsten sechs Monaten zu erwarten haben. Über die Hälfte der Schieferölunternehmen haben schon jetzt Futures zu über 50 USD das Fass verkauft. Der Deal aus der vergangenen Woche sollte den Firmen helfen, ihre Finanzen ein wenig besser planen zu können.

Für Schieferölförderer mit Expansionskapital in der Bank, dürfte die Entscheidung der Opec, ihre Produktionskürzungen zu verlängern besonders willkommen sein. Bei vielen anderen Schieferölfirmen sehen die Investoren jetzt allerdings genauer hin, nachdem sie über Jahre Wachstum zu lasten der Profite finanziert haben, steht jetzt die Rendite im Fokus.

Steigt der Ölpreis, dann ziehen die Kosten in diesen Industrien mit, was es für kleinere Unternehmen noch schwerer machen dürfte, Gewinne zu generieren. Am Ende ist es wahrscheinlich, dass große Unternehmen mit dicker Kapitaldecke wie Pioneer (NYSE:PXD), Continental (NYSE:CLR) und Exxon (NYSE:XOM) im Schieferölgeschäft unter dem gegenwärtigen Opec-Deal gut dabei sein dürften, während die schlechten Zeiten für die kleinere Konkurrenz weitergehen könnten.

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