Wie können wir den echten denn selber kaufen?
Das neue Kapitel 05 ist der Teil 3 unserer Reise zum Bitcoin. Nachdem wir uns im Teil 1 vor zwei Wochen Unternehmen angeschaut haben, die in irgendeiner Form vom Bitcoin profitieren könnten, waren im zweiten Teil 2 in der vorletzten Woche Zertifikate dran. Nun schauen wir auf Broker, die den Erwerb von Bitcoins ermöglichen. Ich habe auch hier einen klaren Favoriten heraus kristallisiert: Bitwala.
Es gibt eine ganze Reihe von Brokern, die den Handel mit Bitcoins ermöglichen. Doch genau wie bei den Zertifikaten, die ich vor zwei Wochen untersucht habe, gibt es nur wenige Broker, die das Ganze nur im Kundenauftrag und nicht auf eigene Rechnung machen.
Um Aktien zu halten, brauchen Sie ein Depot bei Ihrer Bank. Sie können sich theoretisch die Aktien auch ausliefern lassen und in ihren Tresor schließen. Das macht heute niemand mehr, aber grundsätzlich sind Aktien und festverzinsliche Wertpapiere so konzipiert, dass dies möglich ist.
Die Entsprechung für ein Wertpapierdepot ist beim Bitcoin ein Software-Wallet. Wenn Sie Ihrem Broker nicht trauen, können Sie sich Ihre Bitcoins auf ein eigenes Software-Wallet senden, das unabhängig vom Broker ist. Coinbase ist beispielsweise ein Anbieter eines Software-Wallet, das Unternehmen bereitet derzeit seinen Börsengang vor.
Sie können sich aber auch ein Hard-Wallet erstellen und ihre Bitcoins dorthin senden. Es gibt spezielle USB-Sticks oder ähnliche Speicherträger, mit denen so etwas möglich ist. Den Stick können Sie dann in Ihren Tresor legen.
So weit sind wir aber noch nicht. Fürs erste habe ich mich informiert, welche Broker ein Software-Wallet anbieten, damit Sie Ihren Bitcoin vor dem Zugriff Dritter genau wie in einem Aktiendepot (Stichwort: Sondervermögen) schützen können.
ETORO
eToro beispielsweise erfüllt dieses Kriterium nicht: Es wird lediglich der CFD-Handel angeboten. Sie erwerben also ein Recht gegenüber eToro, dass Ihnen der Gegenwert eines Bitcoins ausbezahlt wird, wenn Sie das verlangen. Ich sehe hier aus Sicht der Vermögensanlage keinen nennenswerten Vorteil zum Bitcoin-Zertifikat, das nicht oder nur teilweise mit Bitcoins hinterlegt ist und keine Möglichkeit der Auslieferung vorsieht. Wenn der Emittent pleite geht, ist Ihr Geld futsch.
BITPANDA
Aus Österreich wurde mir Bitpanda vorgeschlagen, doch dort wird Ihnen kein eigenes Wallet angeboten, Sie müssen ein "Hosted Wallet", wie Bitpanda es nennt, nutzen. Das ist technisch zwar anders als CFDs, aus Sicht der Haftung jedoch kein großer Unterschied. Wenn Bitpanda pleite geht, kommen Sie an Ihr Geld nicht mehr ran.
PAYPAL (NASDAQ:)
Paypal (NASDAQ:) bietet den Bezug von Bitcoins als Guthabenaufbewahrung an, doch dieser Dienst wird derzeit nur in den USA angeboten. Sobald das Angebot auf Deutschland ausgeweitet wird, werde ich es mir näher anschauen. Ich habe jedoch gehört, dass auch Paypal USA derzeit nur eine rudimentäre Verwahrung des Bitcoin-Guthabens anbietet.
BISON
Die Bison-App der Börse Stuttgart wurde mir häufig genannt, scheint bereits weite Verbreitung gefunden zu haben. Die Handhabung soll einfach sein, die Gebühren gering. Limit-Käufe sind möglich, es gibt derzeit jedoch nur die Möglichkeit, über eine Smartphone-App zu handeln. Ein Software-Wallet gibt es auch bei Bison nicht. Wenn Sie handeln wollen, wird für Sie kein Konto eröffnet, sondern Sie überweisen das Geld gleich an Bison. Es wird dort dann auf einem Konto geführt, das Bison gehört. Der Betrag wird natürlich Ihnen zugeordnet. Sie wissen, worauf ich hinaus will: Wirklich vertrauenserweckend finde ich das nicht.
BITWALA
Ein Berliner Unternehmen, das sich um eine saubere Lösung für den Kunden bemüht. Jeder Kunde bekommt ein Depot bei der Solaris Bank. Sie überweisen Ihren Anlagebetrag also nicht an Bitwala oder an ein Solaris Bankkonto, sondern an ihr eigenes Konto bei der Solaris Bank mit Sitz ebenfalls in Berlin.
Außerdem wird für jeden Kunden ein eigenes Software-Wallet eröffnet. Wenn Sie also Bitcoin gekauft haben, wird das Guthaben Ihrem Software-Wallet gutgeschrieben. Sie können mit einem einfachen Zugangspasswort (Zwei-Faktor-Identifizierung) handeln. Wenn Sie Ihr Guthaben in Bitcoin auf ein anderes Wallet senden möchten, dann benötigen Sie 24 Zugriffsworte, die über einen Zufallsgenerator für Sie erzeugt werden.
So, jetzt kommen wir langsam an den Punkt, wo's nicht mehr trivial ist. Ich habe den Prozess diese Woche durchlaufen, weil ich dieses Mal im Vorfeld wissen wollte, welche Fallstricke auftreten können. Die Gefahr des Frontrunnings sehe ich beim Bitcoin-Kurs mit einem weltweiten Volumen von über 1 Billionen USD nicht.
Für die Kontoeröffnung benötigen Sie einen Ausweis sowie ein Handy mit Kamera. Die ganze Prozedur hat mich etwa eine halbe Stunde gekostet, ich habe das aber sehr sorgfältig gemacht. Kompliziert war das nicht. Am Ende wurde mir meine eigene IBAN genannt, auf die ich meinen gewünschten Anlagebetrag überweisen kann.
Nach der Kontoeröffnung müssen Sie dann noch ein eigenes Software-Wallet einrichten. Dazu sollten Sie sich Zettel und Bleistift zurecht legen, denn die 24 Zugriffswörter sollten Sie sich auf einem Papier und nicht im Computer notieren.
Wie gesagt: Für Kauf und Verkauf von Bitcoins brauchen Sie diese Wortkette nicht. Nur wenn Sie ihre Bitcoins weg von Bitwala auf ein anderes Wallet senden möchten, benötigen Sie diese Zugriffswörter. Den Zettel, auf dem Sie Ihre Zugriffswörter notiert haben, sollten Sie gut wegschließen. Wenn Sie diesen Zettel verlieren, haben Sie keinen Zugriff mehr auf Ihre Bitcoins.
Transaktionsgebühren: Bitwala erhebt 1% Handelsgebühr zzgl. 1 Euro Netzwerkgebühr. Ich habe jedoch festgestellt, dass der von Bitwala angebotene Handelskurs um 1% bis 1,2% höher ist als der aktuelle Kurs auf den Börsenplätzen Bitfinex und Bitstamp. Das gilt jedoch auch für den Verkaufskurs. Ich habe eine Anfrage gestellt, wie es zu diesem Unterschied kommt. Ohne diesen Kursunterschied sind die Gebühren tatsächlich sehr günstig. Andere Angebote sind teurer und trotzdem besitzen Sie dann nur ein Recht gegenüber dem Broker, nicht den Bitcoin selbst.
Damit sind wir beim nächsten Punkt: Steuer. Genau wie beim Bitcoin-ETC und auch bei Xetra gehe ich davon aus, dass hier nach einem Jahr Haltedauer keine Steuer mehr anfällt. Das ist bei den oben genannten Börsen nicht der Fall.
Bitwala bietet derzeit nur den Handel in Bitcoin und Etherium an. Da wir frühzeitig alle alternativen Kryptowährungen zu diesem Zeitpunkt aus unseren Überlegungen ausgeschlossen haben, finde ich das nicht weiter tragisch.