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Nach den vorgestrigen Kursrücksetzern an den Aktienmärkten wird derzeit berichtet, diese seien auf die Aussagen von US-Notenbankchef Jerome Powell vor dem Kongress zurückzuführen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn genau genommen legten die Kurse an der Wallstreet bereits ab ziemlich genau 16:00 Uhr (MEZ) den Rückwärtsgang ein. Zu diesem Zeitpunkt war Powell aber noch gar nicht zu Wort gekommen. Und die einleitenden Worte Powell waren zuvor bereits als Redetext auf der Seite der Notenbank abrufbar. Als die eigentliche Befragung losging, waren die Kurse schon deutlich abgerutscht.
Ich glaube daher, dass die Anleger mit Beginn der Kongressanhörung einfach Gewinnmitnahmen vorgenommen haben, die sich im Verlauf des halbjährlich stattfindenden geldpolitischen Reports schlicht fortsetzten, weil es für die Aktienmärkte kaum positive Worte gab, weder von den Abgeordneten noch von Jerome Powell, der dabei ordentlich in die Zange genommen wurde.
Wirklich Neues hat der Fed-Chef dabei nicht berichtet. Denn seine Arbeitskollegen hatten zuvor bereits einen Eindruck davon vermittelt, was in Sachen Geldpolitik in der nächsten Zeit auf die Börsen zukommen könnte – inklusiver einer Zinsanhebung um 50 Basispunkte, statt „nur“ 25. Diese wird nach den vorgestrigen Aussagen Powells an den Terminmärkten nun für den anstehenden Fed-Zinsentscheid am 22. März auch schon mehrheitlich erwartet (siehe orange Linie in der folgenden Grafik).
An den Anleihemärkten zogen die Renditen daher wieder an. Die 2-jährigen US-Treasuries wurden mit mehr als 5 % verzinst. Zum Vergleich: Die Dividendenrendite des S&P 500 liegt zurzeit bei weniger als 2 % (siehe auch „Der Bewertungsunterschied macht sich bemerkbar“). Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass die Aktienmärkte angesichts sinkender Unternehmensgewinne und hoher Bewertungen nicht längst deutlich stärker nachgegeben haben.
Aber sei es drum, ich bin jedenfalls durchaus zufrieden mit dem Kursverlauf der US-Indizes. Denn einerseits wünsche ich mir ja schon seit einer Weile fallende Notierungen, um günstigere Kurse für Schnäppchenkäufe zu erhalten. Und andererseits folgen die US-Indizes derzeit meinem prognostizierten Kursverlauf.
Werfen wir dazu einen Blick auf den Chart des Dow Jones:
Zwar hat der Index für die Ausbildung der abc-Korrektur mehr Zeit benötigt, das Kursziel wurde aber dennoch (am 1. März) fast perfekt abgearbeitet (grüner Kreis).
Da die anschließende Kurserholung mit dem vorgestrigen Kursrutsch sehr schnell und fast vollständig verkauft wurde, halte ich weiter fallende Kurse aktuell für wahrscheinlich. Sollte allerdings das Tief vom 19. Dezember bei 32.582 Punkten halten, ist eine Fortsetzung der Seitwärtstendenz möglich. Und da diese Konsolidierung trendbestätigend ist und der starke Kursanstieg um mehr als 21 % seit dem Bärenmarkttief damit über den Zeitablauf verdaut wird, wäre eine Wiederaufnahme und Fortsetzung dieses Kursanstiegs möglich. Die Aufmerksamkeit gilt also derzeit der 32.582er Marke.
Im S&P 500 ist die von mir skizzierte Welle b zwar dynamischer und höher gelaufen, durch die vorgestrigen Kursrückgänge erscheint es aber auch hier durchaus möglich, dass es nun im Rahmen der Welle c noch einmal kräftig abwärts geht.
Das gilt insbesondere, wenn das Tief der Welle a bei 3.943 (27. Februar) bzw. 3.928 (2. März) Punkten unterschritten wird. Wird stattdessen das Hoch der Welle b bei 4.078 Zählern überwunden, sind auch hier, ähnlich wie im Dow Jones, weiter steigende Kurse möglich.
Ich bin daher sehr gespannt, für welche Richtung sich die US-Indizes kurzfristig entscheiden. Abhängen dürfte dies davon, wie auch die gestrige zweite Anhörung von Fed-Chef Powell vor Kongress-Abgeordneten von den Börsen verdaut wird und die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag ausfallen.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
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