Obwohl Zoom Video (NASDAQ:ZM) in der Pandemie-Ära zu den großen Gewinnern zählte, stößt die Aktie heutzutage nur noch auf wenig Gegenliebe. Dem Videokonferenz-Gigant laufen schlichtweg die Investoren weg, weil viele befürchten, dass die besten Tage des Geschäfts in der Vergangenheit liegen sind und die Zukunft des Unternehmens ungewiss ist.
Die Zoom-Aktien stürzten diese Woche um spektakuläre 18 % ab (alle Daten bis 25. November), als der neue Quartalsbericht des kalifornischen Tech-Unternehmens belegte, dass sich das Umsatzwachstum weiter verlangsamt. Der Grund dafür ist relativ simpel: mit der Lockerung der Pandemie-Restriktionen kommunizieren die Menschen lieber wieder persönlich miteinander, und in vielen Ländern findet in den Schulen wieder Präsenzunterricht statt.
Nach den Verlusten dieser Woche haben sich rund 100 Milliarden US-Dollar Marktwert von Zoom seit dem Allzeithoch der Aktie im Oktober 2020 in Luft aufgelöst - ein spektakulärer Rückgang innerhalb der Gruppe von Startups, die während der globalen Lockdowns massiv Investorengelder angelockt haben. Trotz eines Rückgangs von mehr als 35 % in diesem Jahr liegt die Aktie immer noch fast 500 % über ihrem Eröffnungskurs bei ihrem Debüt im Jahr 2019.
Auf den ersten Blick weist Zoom aber immer noch ein beeindruckendes Wachstum auf. Der Umsatz stieg in dem Quartal, das im Oktober endete, um 35 % auf 1,05 Milliarden US-Dollar und übertraf damit den Durchschnitt der Analystenschätzungen. Der bereinigte Gewinn lag mit 1,11 US-Dollar pro Aktie ebenfalls über den Prognosen.
Aber eine Kennzahl, die Investoren verschreckte, war die Akquisition von Großkunden – die hohe Margen bringen. In seinem neuesten Bericht ist die Zahl der Großkunden das zweite Quartal in Folge hinter den Erwartungen zurückgeblieben.
Das Unternehmen hatte im Berichtszeitraum 512.100 Kunden mit mehr als 10 Mitarbeitern, ein Anstieg von 18 % gegenüber dem Vorjahr, der aber die durchschnittliche Analystenschätzung von 516.174 verfehlte. Schon im zweiten Quartal hatte Zoom die Marktprognosen für die Großkundenakquise verfehlt. Im Quartal davor war die Zahl der Großkunden um 87 % gestiegen, nachdem sie während des Höhepunkts der Covid-Lockdowns um 485 % hochgeschossen war.
Einheitliche Plattform
Angesichts dieser sich rasch verändernden Wachstumsdynamik vereitelte der steile Einbruch des Börsenwerts von Zoom auch die geplante 14,7 Milliarden Dollar schwere Fusion mit Five9 Inc (NASDAQ:FIVN), einem Anbieter von Callcenter-Software, wodurch dem Unternehmen ein Weg zu weiterem Wachstum versperrt ist.
Während der Markt die Zoom-Aktie im Umfeld nach der Pandemie neu bewertet, glauben einige Analysten und Investoren, dass Zoom relevant bleiben wird und die aktuelle Schwäche eine Kaufgelegenheit darstellt. Der jüngste Ausverkauf von Zoom hat seine Bewertung auf das 13-fache des geschätzten Umsatzes gesenkt – womit es billiger ist als viele andere schnell wachsende Technologieunternehmen.
Eine Investing.com-Umfrage unter 28 Analysten ergab ein Ertragspotenzial für die Aktie von 71 % gegenüber dem Schlusskurs von 208,30 US-Dollar am Mittwoch.
Cathie Woods ARK Investment Management, das bereits einer der größten Aktionäre des Videokonferenzunternehmens ist, kaufte nach dem Ausverkauf dieser Woche Aktien im Wert von etwa 133 Millionen US-Dollar zu.
Wood sagte CNBC in einem Interview:
"Wir glauben, dass zum ersten Mal seit Jahrzehnten, das Kommunikationssystem der Welt ersetzt werden wird. Innovation löst Probleme."
Und weiter:
"Viele halten Zoom einfach für einen Video-Chat-Dienst. Das ist es aber nicht. Es entwickelt sich zu einem einheitlichen Kommunikationssystem."
BTIG, das in dieser Woche sein Kursziel von 460 auf 400 US-Dollar gesenkt hat, bekräftigte seine Kaufempfehlung für die Aktie und erklärte, die Herabstufung solle "die aktuelle Marktstimmung und die Kompression der Multiples der Gruppe besser widerspiegeln".
In einer Notiz sagte Baird, das ebenfalls sein Kursziel für die Aktie senkte:
"Die Abschwächung des Wachstums war und könnte kurzfristig ein Gegenwind für den Aktienkurs sein, obwohl wir das langfristige Wachstum und die Plattformchancen positiv sehen, insbesondere da die Wachstumsrate in den nächsten Quartalen eine Talsohle erreichen wird."
Fazit zur Zoom-Aktie
Es besteht kein Zweifel, dass sich das Wachstum von Zoom nach einem ungewöhnlichen Anstieg während der Pandemie verlangsamt. Analysten sind sich jedoch fast einig, dass das Unternehmen in der Welt nach Covid eine glänzende Zukunft hat und seine Aktie einen Platz in langfristigen Wachstumsportfolios verdient, und das besonders nach dem jüngsten Ausverkauf.
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